Museen

Beim Tischtennis bleibt Günther Angenendt am Ball

Sammler Günther Angenendt mit zwei Schlägern aus seiner Sammlung.

Sammler Günther Angenendt mit zwei Schlägern aus seiner Sammlung.

Foto: Kai Kitschenberg

Bochum/Düsseldorf.   Günther Angenendt aus Bochum sammelt seit über 25 Jahren alles rund um den Tischtennissport. Nun stellt er seine Sammlerstücke in Düsseldorf aus.

Das Zeugnis vom Anfang steht im obersten Fach. Es ist ein Bild. Schwarzweiß. Es zeigt Frauen in feinen Kleidern, ganz im Stil der Mode um 1900. Doch sie sitzen weder beim Tee noch lächeln sie beim Tanz. Sie sind mitten im Spiel. Im Ping-Pong-Spiel. Dort, in den feinen englischen Salons der oberen Klasse hat alles begonnen: die Ursprünge des Tischtennis-Sports.

Es war ein weiter Weg vom klang­starken Gesellschaftsspiel, das je nach Hersteller Ping Pong, Whiff Whaff, Pim Pam oder Flim Flam hieß, zur olympischen Sportart. Die Geschichte des Tischtennis‘ begeistert Günther Angenendt schon lange. Seit über 25 Jahren sammelt der 71 Jahre alte Wattenscheider Devotionalien seines Lieblingssports. Allein 4500 Anstecknadeln hat er zusammengetragen. Mehrere Zimmer in seinem Haus stehen voller Kisten – darin: Medaillen, Bücher, Maskottchen, Autogramme und Turnierplakate. Unzählige Geschichten kann er erzählen. Doch was ist eine Sammlung wert, wenn man sie nicht zeigen kann?

Anfangs zeigte er nur Anstecknadeln

Deshalb stellt der gebürtige Essener seit der EM 1992 in Stuttgart auf großen Turnieren aus – zurzeit bei den German Open in Bremen. Anfangs zeigte er nur Anstecknadeln. Seit Kurzem hat das „mobile Tischtennismuseum“ ein festes zu Hause: im deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) in Düsseldorf. Eine feierliche Eröffnung soll noch folgen.

Angenendt hat die Vergangenheit dahin gebracht, wo der Sport gelebt wird. Im DTTZ trägt der Bundesligist Borussia Düsseldorf seine Heimspiele aus, hier absolvieren die Nationalmannschafts-Kader ihre Lehrgänge. Und mittendrin stellt der Deutsche Tischtennis-Verband mehrere Vitrinen zur Verfügung, die Angenendt mit Erinnerungen füllt.

Medaille bei einer Telefonauktion ersteigert

Die wohl wichtigste steht direkt neben dem Eingang zur Wettkampfhalle. Sie ist den Weltmeistern seit den Anfängen 1926 gewidmet: ein Programmheft von damals – eine Rarität. Auch alle Einzel-Siegerinnen und Sieger würdigt Angenendt – mit Bild und Unterschriften, teils mit Medaillen. „Etwas ganz Besonderes“ nennt er die Gold-Medaille von 1939 in Kairo. „Das war die erste Weltmeisterschaft außerhalb Europas.“ Die Medaille hat er bei einer Telefonauktion ersteigert. Besonders sei auch die Gold-Medaille von 1934. In Paris wurde zum ersten Mal ein Frauen-Team-Wettbewerb ausgetragen – die deutschen Spielerinnen gewannen, damals unter der Flagge des Nazi-Regimes. Der frühere Hauptschullehrer Angenendt bekam die Medaille aus dem Besitz der Familie einer damaligen Siegerin. Der Sohn von Astrid Krebsbach, Peter-Uwe Hobohm, ist auf ihn aufmerksam geworden. „Er wusste, dass ich ein ernsthafter Sammler bin und keiner, der die Sachen bei Ebay weiterverkauft.“ Diese Integrität ist Angenendts Pfund. Mit viel ,bitte‘ und ebenso viel ,danke‘ vertrauten ihm die Menschen viele, viele Erinnerungen an.

Die Frontsoldaten haben dafür frei bekommen

Auch die von Astrid Krebsbach. Ihre Medaillen von nationalen Meisterschaften finden sich in der zweiten Vitrine im DTTZ. Dort, wo auch das Bild aus dem britischen Salon steht, gibt es zudem abstrus anmutende Programmhefte zu sehen. Wie zum Beispiel von der „2. Deutschen Kriegsmeisterschaft 1941“. „Die Frontsoldaten haben sogar frei bekommen, um daran teilnehmen zu können.“

In der dritten Vitrine werden die Europameister wie der deutsche EM-Rekordsieger Timo Boll oder 1992-Sieger Jörg Roßkopf – heute Bundestrainer – gewürdigt. Und es gibt einen Einblick in die Geschichte der Schläger – unterschiedliche Modelle liegen aus. Vom britischen Foroma Wizard von 1947 über die Nachbildung einer japanischen Spezialanfertigung von 1952 bis hin zu modernen Modellen.

Und dann ist da noch eine ganz spezielle Medaille. Günther Angenendt hat sie selbst gewonnen. Sie ist der Höhepunkt seiner eigenen, sportlichen Karriere: 1999 wurde er im Doppel Vize-Europameister der Senioren. Auch das: etwas ganz Besonderes.

  • Die Dauerausstellung des Tischtennis-Museums ist im Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) zu sehen, Ernst-Poensgen-Allee 58, Düsseldorf. Geöffnet ist es täglich, 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Vor Heimspielen des Tischtennis-Bundesligisten Borussia Düsseldorf ist Günther Angenendt vor Ort. Anfragen für Führungen per Mail: ttanpp@gmx.de. Weitere Informationen zum mobilen Tischtennis-Museum unter tischtennis-museum.com

>>> Das liebste Ausstellungsstück

Natürlich kann Günther Angenendt diese Frage nicht beantworten. Sein Lieblingsstück in dieser riesigen Sammlung? Unmöglich zu benennen. Dann fällt ihm ein Kompromiss ein: sein liebstes, weil persönlichstes Stück. Angenendt zeigt auf einen bunten Schläger: „Der ist ein Unikat.“ Seine Tochter Mareike, heute 37 Jahre alt, brachte ihn vor rund 18 Jahren aus den USA mit. Auf der Suche nach einem Souvenir für ihren Vater – natürlich mit Tischtennis-Bezug – wurde sie in New York nicht fündig. Also kaufte sie für einen Dollar einen einfachen Schläger und machte sich selbst ans Werk. „Sie hat die Skyline von New York darauf gemalt“, erklärt Angenendt, „darüber habe ich mich riesig gefreut, das ist in Geld nicht aufzuwiegen.“ Historischen Wert hat der Schläger auch: Es sind noch die Zwillingstürme des World Trade Centers zu sehen, die beim Anschlag vom 11. September 2001 zerstört wurden.

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