Schlösser

Beck ist das das Lustschloss mit der Marienkäfer-Achterbahn

Barockes Juwel: Schloss Beck strahlt gelb im Sonnenlicht.

Foto: Ralf Rottmann

Barockes Juwel: Schloss Beck strahlt gelb im Sonnenlicht. Foto: Ralf Rottmann

Bottrop-Kirchhellen.  50 Jahre behauptet sich der Freizeitpark Schloss Beck schon gegen Konkurrenz und Zeitgeist – ein barockes Herrenhaus mit Karussells und mehr.

Fragt man hundert Erwachsene, welches wohl das bekannteste Schloss an Rhein und Ruhr ist, erhält man vermutlich fünfzig verschiedene Antworten. Fragt man aber hundert Unter-Zwölfjährige, gibt es bis auf ein paar kleine Ausreißer vor allem eine Antwort: Schloss Beck. Allerdings darf man unterstellen, dass das gelb leuchtende Barockschloss in der Kinderwelt nicht wegen seiner erhabenen Bauweise so beliebt ist. Eher schon wegen der Marienkäfer-Achterbahn.

Der Freizeitpark Schloss Beck ist ein gutes Stückchen heile Welt und, man muss sich das mal vorstellen, in diesem Jahr 50 Jahre alt. Es muss etwas in der Luft gelegen haben im Jahr 1967, denn im Laufe von wenigen Monaten eröffneten damals gleich mehrere Freizeitparks in NRW. In Brühl der „Märchenwald“, der später zum Phantasialand heranwuchs. Und direkt in der Nachbarschaft von Schloss Beck der „Kirchhellener Märchenwald“, der später zum Traumlandpark, zum Bavaria-Filmpark, zur Warner Movie World und schließlich heute zum Movie Park Germany werden sollte.

Der Traum von einem eigenen Schloss

Die Frau, die das alles beobachtet und mitgelebt hat, steht heute, wenige Tage nach Eröffnung der Jubiläumssaison, stolz vor ihrem Schloss, während im Hintergrund Kinder puppenlustig auf Trampolins hüpfen und mit motorgetriebenen Ponywagen über den Schlosshof kurven. Renate Kuchenbäcker hat 1966 gemeinsam mit ihrem Mann Karl, das stark verfallene Schloss Beck gekauft – ein Juwel, das sonst kaum jemand wollte. „Das war sein Traum“, erzählt die 83-Jährige mit einem Leuchten in den Augen. Nach ersten Renovierungen und einigen Tanzveranstaltungen witterten die Kuchenbäckers, das Potenzial ihrer Schlosses. Kurzerhand schafften sie Geräte an – und eröffneten 1967 ihren Freizeitpark, Eintritt damals: 50 Pfennige.

Heute finden sich rund ums Schloss Kinder-Riesenrad, Schiffsschaukel, Ponyreiten, Bötchen, drinnen: Kletterparadies, Fledermaushöhle und Gruselkeller. Man merkt dennoch: Es geht vergleichsweise gemächlich zu nach den Maßstäben der Erwachsenen, aber turbulent genug, um Kindern einen Tag voll Vergnügen zu bereiten, wie man entzückten Schreien entnehmen kann. Gerade hat Lena (5) einen Unfall gebaut – der ist halb so schlimm, ihre Motor-Ponykutsche ist in der Hecke gelandet. Na also: Selbst wenn etwas schiefgeht, kann nicht viel schiefgehen.

Eingestellt auf die junge Familie

Genau das ist das Erfolgsrezept von Renate Kuchenbäcker: Während man im Freizeitpark nebenan Jahr um Jahr größere, haarsträubendere Fahrattraktionen anschaffte, schlug man auf Schloss Beck einen anderen Kurs ein: „Wir haben gesagt: Wir werden es nie schaffen, solche riesigen Fahrgeschäfte zu kriegen, also stellen wir uns auf die junge Familie mit kleineren Kindern ein, so bis zehn, elf. Alles, was älter ist, geht sicherlich lieber nach drüben.“

Im Schloss selbst blickt man in die Vergangenheit, allerdings nicht nur in die barocke. Die sieht, kurz abgerissen, so aus. Schon lange bevor 1766 mit dem Bau des heutigen Barockhauses begonnen wurde, gab es hier das Haus Beck, jedoch nicht ganz an derselben Stelle. 1766 entschloss sich Friedrich Florenz Raban von der Wenge, ein barockes Lustschloss („Maison de Plaisance“) nach den Plänen des bekannten Bauherrn Johann Conrad Schlaun (1695-1773) zu erbauen. Schlaun hatte unter anderem bereits das Schloss Münster entworfen. Die Fertigstellung von Schloss Beck im Jahre 1776 erlebte Schlaun allerdings nicht mehr. Und obwohl es als eines von Schlauns Meisterwerken gilt, zählte das Schloss zu den eher vernachlässigten Gebäuden, den Adelsfamilien fehlte es meist an Geld. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zwar nicht stark beschädigt, aber verfallen, wurde vom Energiekonzern Veba gekauft, der es schließlich einer Jugendbildungsstätte schenkte. Als die zahlungsunfähig wurde, kamen die Kuchenbäckers – und schließlich der Freizeitpark.

Venedigs Gondellandschaft mit Steiff-Tieren

Einige Zimmer in Schloss Beck strahlen im Glanz vergangener Adelszeiten, mit Kronleuchtern und Gemälden, andere verweisen in die frühe Zeit des Freizeitparks, etwa das von Steiff-Tieren überbordende „Venezia“, eine animierte Gondellandschaft, mit Häschen, Giraffen und anderem seltenen Plüschgetier – während 100 Meter weiter die Marienkäfer-Achterbahn vorbeibraust.

Von den größeren Attraktionen des Schlosses Beck ist eine der beeindruckendsten gar kein Fahrgeschäft, sondern der gut vier Meter hohe Baumwipfelpfad, auf dem man durch die Baumkronen des benachbarten Waldes wandern und die Natur beobachten kann. Er passt zu Beck, denn es ist keine lärmende, keine nervenkitzelnde Attraktion – aber sehenswert ist er allemal.

>>>Infos über Schloss Beck

Der Freizeitpark Schloss Beck hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet (Fahrgeschäfte ab 10 Uhr). Erwachsene 12 Euro, Kinder (ab 3 Jahre) 11 Euro. Gruppen (ab 20 Personen) zahlen pro Person 7 Euro.

Die Räumlichkeiten von Schloss Beck können auch für Feiern gemietet werden. Nähere Informationen unter www.schloss-beck.de

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