Essen. Der Autor unseres Sohnes entdeckt plötzlich Werbebotschaften für sich. Ein schwieriges, aber auch lustiges Gebiet.

Geschichten aus der Familienbande: WAZ-Redakteur Gordon Wüllner-Adomako ist 2014 mit Anfang 20 Vater geworden. Seitdem erzählt der Essener in seiner Kolumne – immer mit einem Augenzwinkern – von dem chaotischen Leben mit seiner Familie.

Ich bin kein begnadeter Autofahrer, aber erschwerend kommt hinzu, dass ich im Straßenverkehr allzu häufig in Werbeplakat-Analyse versinke. Gewährleistet wird die Verkehrssicherheit glücklicherweise durch meine Frau, die mir nicht selten eine Rüge erteilt, wenn sich mein Blick wieder auf den nächsten Softdrink-Slogan richtet.

Zu ihrem Unglück – und zu jenem aller Menschen, die sich die Straße teilen werden, wenn auch noch mein Sohn seinen Führerschein macht – teilt Devin mittlerweile die Leidenschaft seines Vaters, Werbebotschaften zu besprechen. Und er ist kein Fan von Selbstlobhudelei. „Rewe ist ja noch okay mit ,Rewe - dein Markt’ – aber ,Lidl lohnt sich’ ist ja voll übertrieben!“, urteilte der Achtjährige.

Geschichten aus der Familienbande: Gordon Wüllner-Adomako erzählt seit 2014 aus seinem Leben als zweifacher Vater im Ruhrgebiet.
Geschichten aus der Familienbande: Gordon Wüllner-Adomako erzählt seit 2014 aus seinem Leben als zweifacher Vater im Ruhrgebiet. © Catharina Maria Buchholz / Funkegrafik NRW

Nun, eigentlich bin ich froh, dass Kindser heutzutage nicht mehr ganz so ungeschützt mit Werbung zugeschüttet werden. Bald kommt voraussichtlich das Verbot für Süßkram-Werbung im Kinderprogramm. Und alleine, dass die Lieblingsserien heute über werbefreie Streamingdienste geschaut werden, befreit Eltern von der Angst, dass die Kinder vor der nächsten „Pokémon“-Folge eingeflüstert bekommen, dass sie durch überzuckerte Fruchtjoghurt-Drinks stark und kräftig genug werden, um die böse Hexe aus der Nachbarschaft zu vertreiben – ein typischer Werbeclip um die Jahrtausendwende. Und der Grundstein für mein heutiges Gefährderdasein im Straßenverkehr.

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Witzig wäre da dennoch, wenn ich (selbstverständlich von markt-und gesellschaftskritischer Live-Kommentierung begleitet) meinem Sohn einige Werbe-Clips aus dem Kinder- und auch Erwachsenenprogramm der 2000er zeigen würde, dachte ich mir.

Also vergnügten wir uns mit Zusammenschnitten auf Youtube – und hingen uns besonders daran auf, wie dreist Billig-Fleisch mit Tiergesichtern von smarten Fuchs-Maskottchen vermarktet wurde. Ein Stück aufklärerische Erziehung getan? Na ja. „Müller Milch verleiht Abwehrkräfte“, hielt mein Sohn abschließend fest. Schluss mit der Werbepause!

Weitere Folgen der "Familienbande"-Kolumne finden Sie hier: