MAV und SIHK kooperieren

Wirtschaft rügt Bildungspolitik

Die SIHK betreibt drei Bildungsstätten, eine in Lüdenscheid (Foto), eine in Hagen und die älteste in Hemer mit gut 60 Beschäftigten. Ab 1. Januar 2020 sollen die Einrichtungen als „Südwestfalen-Akademie“ in Form einer gemeinnützigen GmbH aus der Kammerorganisation ausgegliedert werden. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services

Die SIHK betreibt drei Bildungsstätten, eine in Lüdenscheid (Foto), eine in Hagen und die älteste in Hemer mit gut 60 Beschäftigten. Ab 1. Januar 2020 sollen die Einrichtungen als „Südwestfalen-Akademie“ in Form einer gemeinnützigen GmbH aus der Kammerorganisation ausgegliedert werden. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services

Hagen.  Die SIHK und der MAV sorgen sich um den die die duale Berufsausbildung im Märkischen Südwestfalen.

Die Luft wird dünner für Unternehmen auf der Suche nach Auszubildenden. Kontinuierlich sinkende Schulabgängerzahlen bei gleichzeitig steigender Anzahl an Lehrstellen machen besonders Regionen wie Südwestfalen zu schaffen. Ralf Stoffels, Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer Hagen (SIHK) und Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, rücken deshalb das Thema Ausbildung künftig noch stärker in den Fokus.

Stoffels formuliert im Redaktionsgespräch bei der WESTFALENPOST einen „Weckruf“ in Richtung Politik: „Land und Bund müssen mehr investieren in die Berufsausbildung!“ Er bemängelt den Zugang mancher Lehrerinnen und Lehrer zum Thema Wirtschaft und zu nicht-akademischen Berufsfeldern.

Kritik am Bildungssystem

Dass in vergangenen Jahren zu viele Lehrstellen unbesetzt geblieben sind, habe auch mit einem „Imageproblem“ (Stoffels) zu tun. Dabei böten technische Berufe die besten Chancen. „Die Schüler müssten besser begleitet werden, aber es fehlt auch an Lehrpersonal. Das fängt schon in der Grundschule an.“

Viele Bewerber beherrschten nicht einmal einfachste Mathematik, stellt Stoffels eine Schieflage im Bildungssystem fest: „Die Volksschulen der Gegenwart sind ja die Gymnasien. Wir produzieren dort Studienabbrecher.“

SIHK und MAV ziehen beim Thema duale Berufsausbildung und Qualifizierung im Prinzip an einem Strang, sorgen sich um die gleichen Themen: Nachwuchs und Qualität in der Ausbildung, Fachkräfte und Weiterbildung. Es geht um die Zukunft des Industriestandorts Südwestfalen. Das bedeutet nicht, dass sich der Schwelmer Unternehmer Stoffels (BIW Isolierstoffe) und der Iserlohner Horst-Werner Maier-Hunke (Durable) über den Weg zum Ziel immer ganz einig sind. Während Stoffels seinen „Weckruf“ vor allem an die Politik richtet, sieht Maier-Hunke durchaus vielversprechende Ansätze, lobt die Gemeinschaftsinitiative der Bundesminister Giffey, Heil und Spahn bei der „konzertierten Aktion Pflege“ für eine bessere Bezahlung in der Branche.

Maier-Hunke glaubt, dass die Wirtschaft gut beraten ist, das Heft so weit wie möglich selbst in die Hand zu nehmen: „Ein bisschen ist das Fachkräfte-Problem auch selbst gemacht“, sagt Maier-Hunke. Was er meint, ist, dass die Unternehmen an ihrer Attraktivität als Arbeitgeber selbst das Möglichste tun müssen im Wettbewerb um junge Köpfe.

Um der Wirtschaft in der Region beim Thema Ausbildung zu helfen, betreibt der MAV zwei überbetriebliche Ausbildungsstätten (Letmathe und Plettenberg) und die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer Hagen (SIHK) sogar drei Einrichtungen (Hagen, Lüdenscheid, Hemer). Um künftig enger mit Partnern wie dem MAV kooperieren und außerdem flexibler auf Landes- und Bundesförderprogramme reagieren zu können, wird die SIHK ihre Bildungsstätten zum 1. Januar 2020 als SIHK-Akademie in eine gemeinnützige GmbH ausgliedern, erklärte SIHK-Präsident Stoffels.

Bessere Berufsorientierung

Maier-Hunke sieht weiter großen Bedarf an der Schnittstelle Bildung – Ausbildung. „Wir müssen die Schulen noch besser einbinden“, sagt der erfahrene Unternehmer, auch wenn hier schon einiges passiert sei. „Vor 20 Jahren haben die mich als Unternehmer gar nicht in ein Gymnasium hineingelassen.“ Das habe sich verbessert. Heute ist in NRW Berufsinformation und -vorbereitung an allen Schulen flächendeckend ab der Klasse 8 verpflichtend. Die Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ mit Berufsfelderkundung in Betrieben, Potenzialanalyse und Praktika mache sich durchaus positiv bemerkbar, urteilt Maier-Hunke: „Es will nicht mehr jede dritte Frau Friseurin werden.“ Immerhin.

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