Gründerallianz Ruhr

Wie ein Start-up bei Vonovia für exakte Bade-Maße sorgt

Mit der App von Roometric messen Vonovia-Bauleiter Badezimmer digital aus.

Mit der App von Roometric messen Vonovia-Bauleiter Badezimmer digital aus.

Foto: Gründerallianz Ruhr

Bochum/Berlin.  Die Gründerallianz Ruhr bringt Start-ups und Konzerne zusammen. Roometric aus Berlin macht es Vonovia möglich, Badezimmer exakt auszumessen.

Deutschlands größter Vermieter Vonovia hat ein Modulverfahren entwickelt, um Badezimmer schneller und kostengünstiger zu erneuern. Damit der Waschtisch mit all seinen Leitungen und Anschlüssen, der vor die alte Wand gesetzt wird, auch passt, brauchen die Bochumer ein präzises elektronisches Aufmaß. Auf dem Markt wurde Vonovia nicht fündig. Wohl aber beim Berliner Start-up Roometric, das für den Dax-Konzern eine App entwickelt hat und womöglich noch weitere lukrative Dienstleistungen übernehmen kann.

Der Wohnungsriese aus Bochum und die jungen Entwickler aus Berlin wären vermutlich niemals zusammengekommen, wenn es nicht die Gründerallianz gäbe. Die Plattform hat das einflussreiche Wirtschaftsbündnis Initiativkreis Ruhr gemeinsam mit der RAG-Stiftung, dem Bergbauunternehmen RAG Aktiengesellschaft und dem Spezialchemiekonzern Evonik ins Leben gerufen, um die Datenpotenziale des Ruhrgebiets zu nutzen und zu fördern. Einmal im Jahr lädt die Gründerallianz zum sogenannten Data Hub ein, der für konkrete Problemstellungen etablierter Unternehmen Lösungen finden soll. Als Mitglied der Gründerallianz nahm an der aktuellen Runde auch Vonovia mit zwei Fällen teil, aber auch die RAG, Net Connect Germany und Evonik. Nach dem Aufruf über seine Netzwerke und Datenbanken erhielt der Data Hub 255 Bewerbungen aus 39 Ländern.

Am Ende erhielten sieben Start-ups einen Zuschlag – unter ihnen Roometric. Die Berliner setzten sich gegen 22 Mitbewerber durch. Die Freude in dem kleinen sechsköpfigen Team, einen Dax-Konzern als Auftraggeber an Land gezogen haben, war groß. „So ein großes Unternehmen wie Vonovia hat natürlich sehr viele Anwendungsfälle, das ist für uns sehr spannend“, sagt Mitgründer Leo Thyssen. In der Tat: Den Bochumern gehören in Deutschland nahezu 400.000 Wohnungen. Rund 15.000 von ihnen erhalten jährlich ein neues Bad.

„Wir haben am Markt recherchiert und festgestellt, dass wir mit klassischen Lösungen für das Aufmaß nicht weiterkommen“, erklärt Projektleiter Eike Klingsch. Denn Vonovia brauche nicht nur möglichst genaue Messergebnisse, sondern auch eine Software, mit der die Bauleiter vor Ort gleich über ihren Tablet-Computer die entsprechenden Module für das neue Badezimmer online bestellen kann. „Diese Digitalisierung können wir als Wohnungskonzern nicht selbst leisten. Das können andere besser“, meint Klingsch.

Digitales Aufmaß mit Kamera und Sensoren

Bei Roometric wurde Vonovia fündig. „Mit den von uns entwickelten Algorithmen werden aus Kamerabildern und Sensor-Daten präzise Aufmaße“, sagt Mitgründer Thyssen. Ihre App kann freilich deutlich mehr als die elektronischen Maßbänder, die für Smartphones und Tablets erhältlich sind. Das im Jahr 2018 gegründete Start-up beliefert bereits Küchenhersteller, Haustechniker, Architekten, Handwerker und Baustoffhändler mit Apps. Vonovia ist aber der erste Großkonzern.

Der Rivalität der Start-up-Szenen Berlin und Ruhrgebiet räumt Thyssen keine große Bedeutung ein. „Das Thema ist der internationale Wettbewerb. Die deutsche Gründerszene hängt immer noch deutlich hinter China und den USA zurück“, meint der gebürtige Münsteraner. „Wettbewerb zwischen den Regionen ist da zu vernachlässigen.“ Als Berliner Unternehmer wisse er ohnehin zu schätzen, dass im Ruhrgebiet bedeutende Konzerne sitzen.

Nicht ausgeschlossen, dass die Zusammenarbeit mit Vonovia ausgeweitet wird. „Wir denken bereits über Zusatzfunktionen nach“, sagt Eike Klingsch. Die Digitalisierung schreite bei Vonovia durch verschiedene Projekte voran – etwa beim Winterdienst, bei Paketkästen und dem altengerechten Umbau von Badezimmern.

>>> Sieben Aufgaben für den dritten Data Hub Ruhr

Zum dritten Mal hatte der Data Hub Ruhr im Frühjahr Start-ups aus aller Welt aufgerufen, ihre Ideen für sieben datenbasierte Anwendungsfälle von Partnerunternehmen aus dem Revier zu präsentieren. Die Gewinner zeigten ihre Konzepte am Donnerstag im Internet.

Vonovia suchte Lösungen für die Vermessung von Badezimmern und den Einsatz von Winterdiensten. Der RAG ging es um Vorhersagen für das Ansteigen des Grubenwassers, die Digitalisierung von Schachtplänen und die Optimierung einer internen Suchmaschine.

Auch Evonik und Net Connect Germany waren vertreten.

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