Thyssenkrupp

Thyssenkrupp offenbart große Schwächen in Halbjahresbilanz

Auch in der Stahlsparte sind die Ergebnisse von Thyssenkrupp wieder rückläufig.

Auch in der Stahlsparte sind die Ergebnisse von Thyssenkrupp wieder rückläufig.

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Essen.   Zwischenbilanz von Thyssenkrupp: An vielen Stellen kämpft der Ruhrkonzern mit Problemen. Im vergangenen Quartal gab es wieder rote Zahlen.

Thyssenkrupp kämpft in mehreren wichtigen Sparten mit Problemen und ist wieder in die roten Zahlen gerutscht. Im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres 2018/19, das bis Ende September läuft, erzielte Thyssenkrupp zwar noch einen bescheidenen Nettogewinn in Höhe von 36 Millionen Euro. Im zweiten Quartal verbuchte der Essener Industriekonzern dabei allerdings einen Verlust von 99 Millionen Euro.

Die Halbjahresbilanz offenbart erhebliche Schwächen von Thyssenkrupp: In der Stahlsparte gab es einen Gewinneinbruch. Auch das Ergebnis im Werkstoffhandel ist rückläufig. Die Sparte Anlagenbau befindet sich in den roten Zahlen. In der Autozuliefersparte gingen die Gewinne spürbar zurück. Die vor einem Teilbörsengang stehende Aufzugssparte verzeichnete ebenfalls geringere Gewinne als im Vergleichszeitraum.

Verlust für Gesamtjahr zeichnet sich ab

Insgesamt schrumpfte der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) des Konzerns um 27 Prozent auf 685 Millionen Euro. Er soll im Gesamtjahr zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro liegen. Unter dem Strich werde Thyssenkrupp aber einen Verlust im laufenden Geschäftsjahr einfahren, räumte Vorstandschef Guido Kerkhoff Ende vergangener Woche ein, als er die Ergebnisprognose nach unten korrigierte und einen radikalen Strategieschwenk ankündigte.

Die seit Jahren geplante Stahlfusion mit dem indischen Hersteller Tata in Europa ist nun ebenso vom Tisch wie die geplante Aufspaltung von Thyssenkrupp in einen Industrie- und einen Werkstoffkonzern. Vorstandschef Kerkhoff will stattdessen die Konzernkasse mit einem Teilbörsengang der Aufzugssparte füllen und strebt Partnerschaften in weiteren Geschäftsbereichen an – etwa im Autozuliefergeschäft und im Anlagenbau. Zudem will er in den kommenden drei Jahren 6000 der weltweit rund 161.000 Arbeitsplätze abbauen.

Rückläufige Ergebnisse in der Stahlsparte

Im europäischen Stahlgeschäft wurde deutlich, wie schwankungsanfällig die Ergebnisse sind. Hatte die Sparte in den vergangenen Jahren unter anderem dank eines Sanierungskurses zugelegt, brach nun das operative Ergebnis in der Halbjahresbilanz auf 76 Millionen von zuvor 359 Millionen Euro ein. Thyssenkrupp erklärte: „Im Stahl belasteten das historische Niedrigwasser des Rheins, eine geringere Nachfrage aus der Automobilindustrie sowie der neue Tarifabschluss das Ergebnis.“

Das Ergebnis je Aktie beträgt in der Halbjahresbilanz von Thyssenkrupp nur noch magere sechs Cent – nach 51 Cent im Vorjahreszeitraum. Auch bei der wichtigen Bilanzkennziffer Free Cashflow sind die Zahlen ernüchternd: Mit einem Minus von 2,5 Milliarden Euro hat sich der Wert im Vergleich zu minus 1,4 Milliarden Euro noch einmal erheblich verschlechtert. Das zeigt: Der Konzern gibt deutlich mehr Geld aus, als er einnimmt.

Schwächelnde Konjunktur belastet Autosparte

Thyssenkrupp betonte, der Hauptgrund für den Mittelabfluss sei eine saisonal-typisch erhöhte Mittelbindung im 1. Quartal insbesondere im Werkstoffhandel sowie im Stahlgeschäft gewesen. Im 2. Quartal habe Thyssenkrupp hingegen mit 23 Millionen Euro einen positiven Mittelzufluss erwirtschaftet und damit deutlich über dem Vorquartal gelegen.

Die konjunkturelle Eintrübung habe insbesondere die Geschäfte der Autozuliefersparte belastet, erklärte das Unternehmen. Im Aufzuggeschäft habe das Ergebnis aufgrund höherer Materialkosten unter den Werten des Vorjahres gelegen. In dem seit Jahren schwächelnden Anlagenbau schrieb Thyssenkrupp noch höhere Verluste als im Vorjahr. Hier stand ein Fehlbetrag von 57 Millionen Euro in den Büchern.

Seit Jahren angespannte finanzielle Situation

Konzernchef Kerkhoff hatte am Freitag eine neue Strategie für Thyssenkrupp angekündigt, die unter anderem eine Holding-Struktur, Kosteneinsparungen und Stellenabbau vorsieht. „Wir müssen die Probleme von Thyssenkrupp anders anpacken. Eine Verbesserung unserer Kapitalausstattung ist dazu ein Schlüssel“, sagte Kerkhoff. „Unterm Strich leiden wir heute immer noch an den Spätfolgen unserer Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA.“ Dieses unternehmerische „Abenteuer“ habe Thyssenkrupp in Summe acht Milliarden Euro gekostet.

„Wir haben längst einen Schlussstrich unter das Kapitel gezogen, dennoch ist unsere finanzielle Situation seither angespannt“, sagte Kerkhoff. „Und das Schlimmste: Wir kommen da seit Jahren nicht vom Fleck. Was immer wir anpacken: Restrukturierungen oder Veränderungen im Portfolio belasten oft zunächst Eigenkapital und Cashflow. Beides ist bei uns knapp. Damit erschwert die schwache Bilanz derzeit alles, was wir für unsere Zukunftsfähigkeit brauchen.“ Dies wolle er nun ändern und dazu unter anderem das Aufzugsgeschäft an die Börse bringen.

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