Tengelmann

Tengelmann: Streit der Haub-Familienstämme eskaliert weiter

Tengelmann-Chef Christian Haub hat die außerordentliche Gesellschafterversammlung vertagt.

Tengelmann-Chef Christian Haub hat die außerordentliche Gesellschafterversammlung vertagt.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Essen/Mülheim.  Die wichtige Gesellschafterversammlung zur Beirats-Wahl wurde vertagt. Der Konflikt zwischen Christian und Katrin Haub bremst das Unternehmen.

Der Streit zwischen den Haub-Familienzweigen eskaliert weiter und belastet den Tengelmann-Konzern zusehens. Die für Donnerstag anberaumte außerordentliche Gesellschafterversammlung fiel aus und wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Eigentlich sollte ein neuer Beirat gewählt werden, was dem Unternehmenschef Christian Haub sehr wichtig gewesen wäre. „Wir brauchen in dieser schwierigen Situation einen voll belastbaren Beirat“, hatte er unserer Redaktion unlängst gesagt. Eine Beilegung des Konflikts zwischen Christian Haub und der Familie seines seit 2018 verschollenen Bruders Karl-Erivan ist damit weiter nicht in Sicht.

Änderungsantrag lässt wichtige Versammlung kippen

Dass es nicht zum Zusammentreffen von Christian und Karl-Erivans Frau Katrin kam, lag offenkundig an einem Störfeuer in letzter Minute: „Ein Gesellschafterstamm hat kurzfristig eine Erweiterung der Tagesordnung verlangt, so dass für eine sorgfältige Vorbereitung der heutigen Gesellschafterversammlung, die in erster Linie der Beiratswahl dienen sollte, nicht mehr genügend Zeit verblieb“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung. Daher habe sich der geschäftsführende Gesellschafter Christian Haub für eine Vertagung der Versammlung entschieden.

Zwischen diesen diplomatisch formulierten Zeilen klingt ein gewisser Frust darüber durch, dass die Hängepartie weitergeht. Dabei geht es nur vordergründig um die Beiratsbesetzung, gegen die Katrin Haub unlängst vor Gericht gezogen war. Das Landgericht Duisburg gab ihrer Klage Recht und erklärte die von Christian gegen Katrin durchgesetzte Wahl des Duisburger Familienunternehmers Franz Markus Haniel für nichtig. Bis zum Jahresende müssen die drei Gesellschafterstämme der Brüder Christian, Georg und Karl-Erivan, den Katrin vertritt, für Tengelmann einen neuen Beirat wählen.

Ungelöster Streit um Erbschaftssteuer

Viel tiefer rührt aber das Zerwürfnis der Familienstämme über das Erbe Karl-Erivans. Ließe Katrin ihn für tot erklären, würden ihre Kinder, die Zwillinge Viktoria und Erivan (27), den Anteil des Vaters erben. Und müssten geschätzte 450 Millionen Euro Erbschaftssteuer zahlen. Wer wieviel davon zahlt, ob und in welcher Form das Unternehmen dabei helfen kann, etwa durch eine Übernahme von Firmenanteilen, ist Kern des Konflikts zwischen Christian Haub und seiner Schwägerin. „Wir suchen weiter nach einer Lösung, die der Familie bei der Finanzierung hilft. Natürlich muss es eine Beteiligung des Unternehmens geben“, sagte Christian Haub noch im Juni unserer Redaktion.

Dem Unternehmenslenker, der nach dem Verschwinden seines älteren Bruders das Ruder übernommen hatte, dauert das schon viel zu lange. Denn: „Die ungeklärte Situation belastet jetzt schon das Unternehmen. Ich kann ja keine Investment-Entscheidung treffen, ohne die Erbschaftsteuerfrage im Hinterkopf zu haben“, sagte er jüngst dem Handelsblatt. Er könne die Sorgen der Handelstöchter wie Kik und Obi, verstehen, dass dadurch Geld für Investitionen fehle.

Christian Haub und die Familie von Karl-Erivan Haub besitzen jeweils 34,3 Prozent der Unternehmensanteile. Der dritte Bruder Georg hält 31,3 Prozent der Anteile. Er war im Januar aus dem Beirat des Mülheimer Familienunternehmens ausgeschieden. Christian Haub kann als alleingeschäftsführender Gesellschafter und Chef der Tengelmann Twenty-One im Grunde durchregieren. Was ihn bremst, ist der ungelöste Familienstreit um die Erbschaftssteuer.

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