Picnic

Picnic: In Corona-Krise blüht Onlinehandel mit Lebensmitteln

Picnic-Kunden bestellen immer häufiger auch Gemüse, Obst und Fleisch online.

Picnic-Kunden bestellen immer häufiger auch Gemüse, Obst und Fleisch online.

Foto: Picnic

Essen.  In Corona-Zeiten wächst der Onlinehandel mit Lebensmittel. Picnic stellt pro Woche 50 neue Mitarbeiter ein und will im Revier weiter wachsen.

Händler, die Lebensmittel online anbieten, hatten es in Deutschland bislang besonders schwer. Die Corona-Pandemie hat das Verbraucherverhalten aber grundlegend verändert. Einer Erhebung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel zufolge kauften die Kunden hierzulande im dritten Quartal für 633 Millionen Euro Lebensmittel bei Internethändlern. Das entspricht einem Plus von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Von dem Online-Boom profitierte in NRW vor allem das Start-up-Unternehmen Picnic. Vor zwei Jahren am Niederrhein gestartet, beschäftigt die Firma inzwischen 1700 Mitarbeiter. „Wir stellen pro Woche 50 neue Kollegen ein“, sagt Mitgründer Frederic Knaudt und kündigt an, dass seine Belegschaft bis zum Jahresende noch einmal um bis zu 500 Menschen anwachsen werde. Im Frühjahr, als die Bestellungen deutlich anzogen und die Wartelisten immer länger wurden, steigerte Picnic das Expansionstempo.

Picnic und Flaschenpost verändern das Stadtbild

Das eingegangene Risiko hat sich offenbar gelohnt. Die Kunden blieben dem Unternehmen auch treu, als die Infektionszahlen im Sommer spürbar zurückgingen und ein halbwegs normales Alltagsleben möglich war. „Es gibt einen Trend, Lebensmittel online zu kaufen. Und zwar nachhaltig“, betont Knaudt. „Bis Anfang November haben wir die Zahl unserer Lieferungen verdreifacht.“ Das macht sich auch im Stadtbild weiter Teile des Ruhrgebiets bemerkbar: Immer mehr der kleinen bunten Elektrolieferwagen sind – ebenso wie die Autos des Getränkelieferanten Flaschenpost – unterwegs.

Ein Indiz, dass der Online-Boom keine Eintagsfliege sein wird, liest der Mitgründer auch an den Bestelllisten ab, die regelmäßig bei Picnic eingehen. „Die Warenkörbe unserer Kunden wachsen. Sie bestellen verstärkt auch Frischeprodukte wie Obst, Gemüse und Fleisch – exakt wie im Supermarkt“, sagt Knaudt. Hatten die Verbraucher zu Anfang insbesondere verpackte Lebensmittel für den Vorrat und Hygieneartikel bestellt, greifen sie jetzt nach Angaben von Picnic auch bei verderblichen Waren zu.

Umfrage: Trend zu Wocheneinkäufen

Für Knaudt liegen die Beweggründe auf der Hand: „Immer mehr Verbraucher wollen vermeiden, in Läden zu gehen. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass es bei uns nicht teurer ist und man viel Zeit sparen kann.“ Das veränderte Einkaufsverhalten belegt auch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen unter 20.000 Verbrauchern. Demnach machen sich die Menschen seltener als vor der Corona-Krise auf den Weg zu den Supermärkten und Discountern, die Einkäufe fallen dafür aber meist größer aus. Nielsen beobachtet eine Tendenz zurück zum großen Wocheneinkauf. Auf spontane Besuche im Laden verzichteten die Verbraucher im Hinblick auf eine mögliche Infektionsgefahr.

Die immer länger werdenden Wartelisten in Regionen, die für Picnic noch weiße Flächen sind, spornen Mitgründer Knaudt auf seinem Expansionskurs weiter an. „Bei unserem Wachstum werden wir uns im kommenden Jahr weiter auf Nordrhein-Westfalen konzentrieren. Wir erreichen aktuell 40 Städte mit rund zwei Millionen Haushalten. Da ist noch Luft nach oben“, sagt er.

Seit jeher hat der Bringdienst den Ballungsraum Ruhrgebiet im Visier. „Wir sind gerade dabei, in Oberhausen, Dinslaken, Dortmund und Mülheim Standorte zu suchen“, erklärt der Jungunternehmer. Mülheim beliefere Picnic noch von Essen und Duisburg aus. Aber auch hier sei ein Lager geplant. „Wir wollen das Ruhrgebiet so gut es geht erschließen“, so Knaudt. Im Düsseldorfer Norden sei ein zweites Verteilzentrum in Planung. „Picnic sucht gerade parallel 20 zusätzliche Standorte. Im Frühjahr wollen wir ein drittes Kühllager bauen, das noch einmal größer sein wird als das in Herne“, umreißt der Mitgründer die Pläne.

Das bevorstehende Weihnachtsfest mit dreieinhalb Tagen ohne Einkaufsmöglichkeiten und vermutlich eingeschränkten Reisemöglichkeiten bereitet Knaudt kein Kopfzerbrechen. „Auf das Weihnachtsgeschäft bereiten wir uns wie gewohnt vor. Die Kunden bestellen vor und wir stellen uns auf eine hohe Nachfrage ein.“

>>> Picnic-Lebensmittel kommen aus Moers

Aus dem Logistikzentrum der Edeka Rhein-Ruhr in Moers kommt nicht nur ein Großteil der Waren, die Picnic an die Haustür liefert. Der Lebensmittelriese hält auch einen Anteil von 35 Prozent an dem Unternehmen, das in den Niederlanden gegründet wurde. In Oberhausen baut Edeka Rhein-Ruhr gerade ein neues Logistikzentrum.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben