Corona-Krise

NRW-Metallindustrie: 43 Prozent planen 2021 Stellenabbau

Die Metall- und Elektroindustrie in NRW steht vor Tarifverhandlungen. Auch die Kraftwerksbauer von Siemens in Mülheim leiden unter der Corona-Krise.

Die Metall- und Elektroindustrie in NRW steht vor Tarifverhandlungen. Auch die Kraftwerksbauer von Siemens in Mülheim leiden unter der Corona-Krise.

Foto: WAZ FotoPool / Marc Albers / WAZ Foto Pool

Düsseldorf.  Metall-Arbeitgeber in NRW warnen vor hohen Tarifforderungen. Laut Umfrage wollen 43 Prozent der Firmen wegen Corona 2021 Stellen abbauen.

Nach dem wochenlangen Shutdown in der Corona-Pandemie kommt die Metall- und Elektroindustrie in NRW nur langsam wieder auf die Beine. Fast jeder dritte Betrieb gab in einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Metall NRW an, erheblich unter der Krise zu leiden. 43 Prozent planen, im kommenden Jahr Stellen abbauen zu wollen.

„Jeder arbeitet sich schrittweise aus der Krise heraus“, fasst Luitwin Mallmann die Ergebnisse der Umfrage unter gut 300 Betrieben zusammen. Der Hauptgeschäftsführer von Metall NRW veröffentlicht sie zu einem strategisch bedeutsamen Datum. Am Donnerstag will die Gewerkschaft IG Metall ihre Forderungen für die bevorstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie beschließen. Die vom Verband gemessene Stimmung in den Unternehmen soll dokumentieren, dass für große Gehaltssprünge kein Spielraum ist.

Denn nur 15 Prozent der Firmen gaben an, von der Corona-Krise nicht beeinträchtigt zu sein. „Wir sehen Verbesserungen. Die hohen Zahlen bei der Kurzarbeit haben uns aber doch erstaunt“, sagt Mallmann. Denn im Oktober haben der Umfrage zufolge immer noch 63 Prozent der Unternehmen im Durchschnitt für 68 Prozent ihrer Beschäftigten die Arbeitszeit gesenkt – im Schnitt um 29 Prozent. Die hohe Kurzarbeit-Quote hat selbst Metall NRW überrascht. Zumal die Firmen angaben, von diesem Instrument auch noch mindestens in den nächsten sieben Monaten Gebrauch machen zu wollen.

„Das ist anders als nach der Finanzkrise 2008/2009. Nach deren Ende war auch die Kurzarbeit schlagartig vorbei“, erinnert sich Mallmann. Der Chef von Metall NRW zeigt sich erleichtert, dass die Bundesregierung die Gewährung von Kurzarbeit auf 24 Monate ausgeweitet hat. „Noch hält die Brücke Kurzarbeit“, sagt er. Insofern zeigt sich Mallmann vorsichtig optimistisch, dass betriebsbedingte Kündigungen in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie die Ausnahme bleiben. „Die große Unbekannte ist allerdings, ob es wegen Corona noch einmal einen Lockdown geben und die Lieferketten unterbrochen werden“, warnt der Verbandsmanager. Die Betriebe hätten mit Hygienekonzepten ausreichend vorgesorgt, um weiter produzieren zu können.

„Nur sieben Prozent der Unternehmen haben Arbeitsplätze abgebaut. Das zeigt, dass unser Tarifabschluss zur Kurzarbeit im März mit der IG Metall gegriffen hat“, meint Mallmann. „Entscheidend wird sein, ob wir das jetzt fortsetzen können.“ Laut Umfrage wollen zwar 60 Prozent der Betriebe die Mitarbeiterzahl in den nächsten drei Monaten stabil halten, immerhin jeder dritte plant aber auch einen Abbau. Für das kommende Jahr rechnen sogar 43 Prozent der Firmen mit einer Reduzierung von Stellen.

Insofern mahnt Mallmann in der bevorstehenden Tarifrunde zu Augenmaß. „Für flächendeckende Tariferhöhungen ist kein Spielraum“, betont er. „Die Betriebe können keine weitere Belastung gebrauchen.“ Das Gros der Metall- und Elektrounternehmen könne „gar nichts vertragen“. Mallmann: „Die wenige Arbeit, die aktuell da ist, darf man nicht noch verteuern.“ Besonders brisant sei die Situation bei Autobauern und –zulieferern, die bereits vor der Pandemie unter schlechter Nachfrage gelitten hätten. Auch der Maschinen- und Kraftwerksbau bau spüre die Flaute. „Die Elektroindustrie ist bislang etwas glimpflicher davon gekommen“, so der Hauptgeschäftsführer von Metall NRW.

Immerhin: Den Ausbildungsmarkt in der Branche hat die Coronakrise weitgehend verschont. „Die meisten Stellen sind besetzt. Die Situation ist stabil“, sagt Mallmann. Dennoch spürten viele Unternehmen weiterhin den Nachwuchsmangel. „Die Ausbildungsbereitschaft ist ungebrochen. Oft finden wir aber keine geeigneten Bewerber“, meint Mallmann. „Wir müssen mehr Schulabgänger für eine Ausbildung in unserer Industrie gewinnen.“

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