Thyssenkrupp

Das sagen Laschet, Kutschaty und Pinkwart zu Thyssenkrupp

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) Mitte April zu Besuch bei Thyssenkrupp in Duisburg – an der Seite von Stahlarbeiter Hidir Duman.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) Mitte April zu Besuch bei Thyssenkrupp in Duisburg – an der Seite von Stahlarbeiter Hidir Duman.

Foto: Kai Kitschenberg

Essen.   Der Umbau von Thyssenkrupp kurz vor Europawahl ist auch ein Politikum. Die Reaktionen reichen von „falsch“ bis „überzeugend“ – ein Überblick.

Der radikale Kurswechsel bei Thyssenkrupp beschäftigt auch die Politik. Die Reaktionen reichen von heftiger Kritik am Management über Sorgen um die Sozialpartnerschaft bis zu Forderungen an die NRW-Landesregierung. Ein Überblick mit Stimmen aus CDU, SPD, Grünen, FDP und Linkspartei.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU): „Thyssenkrupp zeigt in diesen Tagen, was gelebte Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung in der heutigen Zeit bedeuten. Auch unter den verschärften Rahmenbedingungen für das Unternehmen haben der Vorstandsvorsitzende Guido Kerkhoff und Markus Grolms als Arbeitnehmervertreter der IG Metall Handlungsfähigkeit bewiesen mit dem Ziel, das Unternehmen neu zu strukturieren und wettbewerbsfähiger zu machen. Erlöse eines Börsengangs oder aus möglichen Veräußerungen müssen in die Zukunftsfähigkeit von Thyssenkrupp insgesamt investiert werden, damit der überwiegende Teil der Arbeitsplätze gesichert werden kann. Das Konzept, das mir Vorstand und Gewerkschaften gemeinsam vorgestellt haben, ist überzeugend. Es bietet Zukunftschancen für Thyssenkrupp und für Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen.“

Grünen-Bundestagsfraktionsvize Oliver Krischer: „Drei große Konzerne aus NRW stehen am wirtschaftlichen Abgrund, weil sie auf die Anti-Umwelt-Karte gesetzt haben. Thyssenkrupp, Bayer und RWE haben zwar ausgiebig von Nachhaltigkeit geredet, im Alltagsgeschäft ging es aber stur weiter wie in den letzten Jahrzehnten. Thyssenkrupp wollte ohne größere Umweltauflagen in Brasilien Stahl produzieren und hat damit einen acht Milliarden Euro teuren Flop hingelegt. Bayer kaufte mit Monsanto ein Pestizid-Unternehmen, das sich schon immer kaum um die Gesundheit von Menschen und Tieren geschert hat. Und die Kernkompetenz von RWE ist leider weiterhin die Luftverschmutzung in Deutschland, neue Solar- oder Windenergieanlagen mit einem RWE-Logo gibt es hier zu Lande kaum. An Rhein und Ruhr muss es endlich ein Umdenken in den Vorständen der großen Konzerne geben. Die falschen Entscheidungen im Management führen zu Arbeitsplatzverlusten in NRW.“

SPD-NRW-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty: „Thyssenkrupp ist ein Mythos, ein Symbol für den Aufstieg einer Region und ihrer Menschen. Doch das ist jetzt in Gefahr. Ich höre die Versprechungen. Aber es bleiben Zweifel und Unsicherheiten, ob diese auch eingehalten werden. Die Sozialpartnerschaft darf keinen Schaden nehmen.“

SPD-NRW-Chef Sebastian Hartmann: „Die gescheiterte Fusion bei Thyssenkrupp darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Die Landesregierung muss mit einer industriepolitischen Strategie dafür sorgen, dass werthaltige Arbeitsplätze erhalten bleiben. Es geht um die Zukunft des Industriestandorts NRW.“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP): „Das für das Land überraschende Aus für die Stahlfusion nimmt Thyssenkrupp die Möglichkeit, zusätzliche Synergien zu heben und die Wettbewerbsposition des Stahlbereichs auf dem europäischen Markt zu stärken. Mit der geplanten Auslagerung des Elevator-Geschäfts wird die Abkehr von der ursprünglich angestrebten Weiterentwicklung von Thyssenkrupp zum Technologiekonzern faktisch vollzogen. Stattdessen wird sich der Restrukturierungsbedarf im Stahlbereich und in den anderen Geschäftsfeldern deutlich erhöhen. Die Landesregierung wird in den kommenden Wochen und Monaten besonders darauf achten, dass die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Standorte in Nordrhein-Westfalen gewahrt werden und neue Wege zur künftigen Stärkung der Kerngeschäftsbereiche entwickelt werden. Hier stehen wir im engen Kontakt mit Vorstand, Gewerkschaften und Betriebsrat.“

Linken-Chef Bernd Riexinger: „Thyssenkrupp will sanieren. Natürlich auf dem Rücken der Beschäftigten. Für die geplante Aufspaltung des Konzerns hätte man viel Geld in die Hand genommen, aber jetzt sollen 6000 Stellen einfach wegfallen. Das ist unverantwortlich und falsch.“

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