Stahlindustrie

Klimaziele – Thyssenkrupp läutet das Ende der Hochöfen ein

Der Thyssenkrupp-Stahlstandort Duisburg steht vor einem tiefgreifenden Umbruch.

Der Thyssenkrupp-Stahlstandort Duisburg steht vor einem tiefgreifenden Umbruch.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Essen.  Thyssenkrupp will ab dem Jahr 2050 klimaneutral sein. Mit Zielen, die sich der Stahlkonzern steckt, rückt auch das Ende des Hochofens näher.

Der Essener Stahl- und Technologiekonzern Thyssenkrupp will grüner werden und den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid innerhalb von zehn Jahren deutlich verringern. Bis zum Jahr 2030 sollen Emissionen aus eigener Produktion und eingekaufter Energie um rund 30 Prozent sinken, wie das Unternehmen mitteilte. Derzeit fallen pro Jahr etwa 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid an.

„Die Bedrohungen durch den Klimawandel gehen uns alle an“, sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff zur Begründung. „Als weltweit tätiges Industrieunternehmen haben wir einen besonders großen Hebel, mit ressourcenschonenden Produkten und Prozessen Treibhausgasemissionen nachhaltig zu senken. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst.“

Ab 2050 will Thyssenkrupp klimaneutral sein

Ab dem Jahr 2050 will Thyssenkrupp klimaneutral sein, also in Summe keine Emissionen mehr verursachen. Mit dieser Zielsetzung läutet der Revierkonzern auch das Ende der Hochöfen in der Stahlerzeugung ein, bei deren Produktion Kohlendioxid-Emissionen unvermeidlich sind. Um Klimaneutralität zu erreichen, müsste Thyssenkrupp sämtliche Hochöfen durch sogenannte Direktreduktionsanlagen auf Wasserstoffbasis ersetzen. Das Unternehmen spricht von der „Wasserstoffroute“. Langfristig will der Konzern „grünen Wasserstoff“ statt Kohle einsetzen, so dass bei der Stahlerzeugung erst gar kein CO2 entsteht.

Am Standort Duisburg arbeitet Thyssenkrupp bereits daran, die Kohle in der Stahlherstellung durch Wasserstoff zu ersetzen. Ein Pilotprojekt für den Hochofen 9 in Duisburg-Hamborn hat das Unternehmen Mitte April präsentiert. Als erster Schritt ist eine Testphase mit der Verwendung kleinerer Mengen von Wasserstoff geplant.

Strengere Umwelt- und Klimaschutzauflagen sowie hohe Kosten für CO2-Emissionen setzen die Stahlhersteller unter Druck. Arcelor-Mittal, der Weltmarktführer der Branche, plant für sein Werk in Hamburg ebenfalls den Einsatz von Wasserstoff in der Stahlherstellung.

„Wir brauchen mehr erneuerbare Energien“

„Unsere Ziele sind ambitioniert, aber erreichbar“, sagte Thyssenkrupp-Vorstand Donatus Kaufmann. „Allein mit unserer Strategie beim Stahl können wir unsere produktionsbedingten Emissionen dort bis 2050 um 80 Prozent senken. Damit die Klimaziele aber erreicht werden können, brauchen wir wesentlich mehr erneuerbare Energien.“ Außerdem fehle es an „international harmonisierten finanziellen Anreizen für Investitionen in CO2-Vermeidungstechnologien“. Dies seien „Grundvoraussetzungen, um wirklich etwas zu verändern“.

In der Stahlproduktion setzt Thyssenkrupp unter anderem auf das Projekt Carbon2Chem, bei dem die Hüttengase in Chemikalien umgewandelt werden. Mit einer großtechnischen Verfügbarkeit sei noch vor dem Jahr 2030 zu rechnen, berichtet das Unternehmen.

Thyssenkrupp wittert „riesiges Geschäftspotenzial“

Thyssenkrupp will auch die Produktpalette weiterentwickeln, um Treibhausgas-Neutralität zu erreichen. Schon heute bietet der Konzern eigenen Angaben zufolge für die Zementindustrie eine Technologie an, mit der sich CO2-Emissionen aus Verbrennungsprozessen abtrennen lassen, so dass sie anschließend gespeichert oder weiterverarbeitet werden können.

Mit europäischen Partnern arbeite Thyssenkrupp zudem an der Herstellung von Treibstoffen aus Biomasse. Diese Treibstoffe sollen bis zu 90 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen einsparen. Weitere Schwerpunkte seien der Ausbau des Elektromobilitätssektors mit Produktionsanlagen für die Batteriefertigung oder Spezialwerkstoffen für Elektromotoren.

Außerdem ist der Essener Konzern im Bereich der Entwicklung von Energiespeichern aktiv, zum Beispiel mit Elektrolyse-Anlagen zur Umwandlung von Strom in Wasserstoff. Durch diese Speicherlösung sollen erneuerbare Energien, bei denen die Versorgung je nach Wetterlage schwankt, kontinuierlich eingesetzt werden können.

„Wir sehen für unsere verschiedenen Technologien zur Verringerung von Emissionen auch ein riesiges Geschäftspotenzial. Das ist ein Milliardenmarkt“, sagte Thyssenkrupp-Technologiechef Reinhold Achatz der Nachrichtenagentur Reuters.

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