Ausländische Pflegekräfte

Fachkräftemangel: Tschechische Pfleger für Helios-Kliniken

Personalknappheit: Krankenhausbetreiber sind auf der Suche nach Pflegekräften.

Personalknappheit: Krankenhausbetreiber sind auf der Suche nach Pflegekräften.

Foto: dpa/Philipp Schulze

Düsseldorf.   Um 1000 Pflegekräfte in den deutschen Helios-Kliniken einstellen zu können, setzt der Konzern Fresenius verstärkt tschechische Mitarbeiter ein.

Um mehr Pflegekräfte in den unternehmenseigenen Helios-Krankenhäusern einsetzen zu können, will der Gesundheitskonzern Fresenius auch Beschäftigte aus dem Ausland nach Deutschland holen. „Wir haben hier in Deutschland insgesamt eine Knappheit an Pflegekräften. Das ist in der Wahrnehmung der Patienten so. Das ist auch faktisch so“, sagte Fresenius-Chef Stephan Sturm vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf.

Ziel von Fresenius sei, in den deutschen Helios-Krankenhäusern 1000 zusätzliche Stellen für Pflegekräfte zu schaffen, kündigte Sturm an. Damit reagiert das Unternehmen auch auf Vorgaben des Gesetzgebers, der auf Minimum-Besetzungen in den Kliniken pocht.

Durch die Tochterfirma Vamed, die Reha-Kliniken betreibt, verfüge Fresenius über Pflegeschulen in Tschechien, führte der Konzernchef aus. Von dort könne das Unternehmen „in zunehmendem Maße ausländische Pflegekräfte nach Deutschland bringen“. Die eigenen Pflegeschulen seien ein Wettbewerbs- und Größenvorteil von Fresenius. Kleinere Klinikbetreiber könnten sich in aller Regel eine solche Struktur nicht leisten.

Beschäftigte aus der Altenpflege abgeworben

„Auch wir stellen uns auf die geänderten regulatorischen Vorgaben ein“, sagte Fresenius-Chef Sturm mit Blick auf die staatlichen Vorgaben zu Minimum-Besetzungen. Er beobachte allerdings auch, dass Beschäftigte aus der Altenpflege nun in großer Zahl von Krankenhausbetreibern abgeworben würden. „Ich glaube nicht, dass das im Sinne der Politik war.“

Zur Helios-Gruppe mit Sitz in Berlin gehören bundesweit 86 Krankenhäuser mit rund 66.000 Mitarbeitern. Zahlreiche Standorte befinden sich in Nordrhein-Westfalen – in Bochum, Duisburg, Oberhausen, Hagen, Krefeld und Wuppertal zum Beispiel.

Rein rechnerisch gebe es zwar „ausreichend Pflegekräfte“ in Deutschland, sagte Sturm. Allerdings seien die Beschäftigten „leider über eine zu große Zahl von Krankenhäusern verteilt“. Der Fresenius-Chef plädierte für den Aufbau größerer Klinik-Standorte, die effektiver seien und höhere Qualität ermöglichten. Es müsse eine „kleinere Zahl größerer Klinik-Anbieter im deutschen Gesundheitswesen geben“.

Fluktuation bei den Krankenhausärzten

Im Großen und Ganzen erfülle die Fresenius-Krankenhaustochter Helios bereits jetzt die Vorgaben für Minimum-Besetzungen im Pflegebereich. Es könne allerdings sein, dass es „das eine oder andere Krankenhaus“ gebe, in dem „die eine oder andere Pflegekraft“ fehle. „Das sind wenige, nicht maßgebliche Einzelfälle“, sagte Sturm, „und an denen arbeiten wir derzeit auch“.

Auch bei den Krankenhausärzten hat Fresenius im vergangenen Jahr an mancher Stelle unter Personalengpässen gelitten. „Krankenhausärzte sind eine sehr mobile Berufsgruppe. Sie sind darüber hinaus auch ausgesprochen karriereorientiert“, sagte Sturm. Wenn es „irgendwo eine bessere Bezahlung oder Ausstattung“ gebe, seien Krankenhausärzte eher bereit als Beschäftigte anderer Berufsgruppen, den Arbeitgeber zu wechseln. In einem „relativ hierarchischen Betrieb“ wolle sich ein Assistenzarzt gerne zum Facharzt, Oberarzt und Chefarzt weiterentwickeln. „Wenn es da ein anderes Angebot gibt, ist die Verlockung in der Regel ausgesprochen groß.“

„Verlust machende Krankenhäuser“

Wo es Sinn ergebe, sei Fresenius auch in Deutschland bereit, weitere Krankenhäuser zu übernehmen. In Bayern und Baden-Württemberg etwa habe Helios noch „weiße Flecken“. In NRW würde Fresenius hingegen „an der einen oder anderen Ecke an kartellrechtliche Grenzen stoßen“. Nach der Übernahme von mehr als 40 ehemaligen Rhön-Kliniken vor einigen Jahren seien die Wachstumsmöglichkeiten von Helios durch Zukäufe in Deutschland weitgehend ausgereizt. „Die großen Wachstumsschritte in die Fläche haben wir hinter uns“, sagte Sturm.

Hinzu komme vielerorts eine mangelnde Bereitschaft etwa von Kommunen, ihre Krankenhäuser in private Hände zu geben. „In Zeiten von sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen ist die Bereitschaft der öffentlichen Hand, Verlust machende Krankenhäuser finanziell zu unterstützen, nach wie vor ausgesprochen groß“, sagte Fresenius-Chef Sturm.

Zugleich schloss er nicht aus, dass Fresenius Helios-Kliniken werde abgeben oder gar schließen müssen, wenn sich diese nicht mehr rentabel bewirtschaften ließen. Dies werde aber nur eine „sehr kleine Zahl von Einzelfällen“ betreffen.

Beispiel Geburtshilfestationen

Die finanzielle Lage der rund 1900 Krankenhäuser hierzulande ist nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) prekär. Jede dritte Klinik schreibe laut jüngsten Zahlen für 2017 Verluste. Die Aussichten für dieses Jahr schätzten viele Häuser trübe ein. Der Verband sieht die Bundesländer in der Pflicht: Sie zahlten bei weitem nicht so viel, wie für die Modernisierung mit neuen Medizingeräten nötig sei.

Fresenius-Chef Sturm machte deutlich, dass der mit der Schließung von Krankenhäusern auf dem deutschen Markt rechne. Zudem erwarte er eine weitere Spezialisierung der Häuser. Auch Helios habe in der Vergangenheit bereits Geburtshilfestationen geschlossen und damit Kritik einstecken müssen. Doch wenn eine Geburtshilfestation nicht 400 bis 500 Mal im Jahr zum Einsatz komme, sei sie fehleranfällig, mahnte Sturm. Eine Schließung habe daher „nichts mit wirtschaftlicher Logik“ zu tun. „Es geht hier um das Wohl von Mutter und Kind.“

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