Airports

Flugbranche arbeitet an mehr Pünktlichkeit

Die niederländisch-türkische Corendon Airline füllt in Münster/Osnabrück und Erfurt Lücken, die die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania dort jeweils gerissen hat. In Münster wird eine Boeing 737-800 fest stationiert. Inwieweit die Probleme mit dem Nachfolger, der 737 Max, die Flugpläne berühren, muss sich erst zeigen. In jedem Fall fehlen fest eingeplante Fluggeräte. Foto:Steve Bauerschmidt

Die niederländisch-türkische Corendon Airline füllt in Münster/Osnabrück und Erfurt Lücken, die die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania dort jeweils gerissen hat. In Münster wird eine Boeing 737-800 fest stationiert. Inwieweit die Probleme mit dem Nachfolger, der 737 Max, die Flugpläne berühren, muss sich erst zeigen. In jedem Fall fehlen fest eingeplante Fluggeräte. Foto:Steve Bauerschmidt

Hagen.   Verspätungen und Flugausfälle nahmen 2018 zu. Das lag an Pleiten von Airlines, aber auch an bewusst zu knapper Planung, um Kosten zu reduzieren.

Auch in diesem Sommer dürfte so mancher Fluggast auf dem Sprung in den Urlaub länger am Boden bleiben als ihm lieb ist. Die Zahl der Verspätungen und Ausfälle ist 2018 gestiegen (siehe Infobox). Und obwohl die Branche mit einem Bündel an Maßnahmen reagiert, scheint ein gewisses Flugchaos auch 2019 beinahe vorprogrammiert zu sein. Ein Blick auf die Flughäfen Dortmund, Paderborn-Lippstadt, Münster/Osnabrück – und Erfurt.

Ein Grund für die Komplikationen im Flugverkehr ist, dass es immer enger wird im deutschen Luftraum. Wenn dann noch Pleiten wie zuletzt von Germania Anfang des Jahres oder Small Planet 2018 und Nachwehen wie bei der Air Berlin Insolvenz den Markt durcheinanderwirbeln, wird es halt ungemütlich in den Wartebereichen der Flughäfen.

Germania-Pleite fast kompensiert

Die jüngste Pleite der Traditionsairline Germania hat insbesondere kleinere Flughäfen wie Erfurt oder auch Münster/Osnabrück erschüttert. In Thüringens Landeshauptstadt hatte man mit gut einer Viertelmillion Passagieren ohnehin kein gute Jahr. „Knapp 70 Prozent der touristischen Gäste beförderte die Germania“, sagt Hans-Holm Bühl, Sprecher des Flughafens. Für die Ziele Türkei und Mallorca springe Laudamotion ein, für Griechenland fehlt noch ein Angebot.

Am Flughafen Münster/Osnabrück herrschte nach der Pleite von Germania große Sorge, nachdem man sich endlich wieder im Aufwind wähnte und 2018 die Marke von einer Million Passagiere erreicht hatte, drohte mit dem Germania-Aus ein Großteil des Charterflugangebots wegzubrechen. „Wir haben nach wenigen Wochen bereits wieder 80 bis 85 Prozent des alten Programms. Eine überraschend positive Wendung“, freut sich Flughafensprecher Andrés Heinemann. Die niederländisch-türkische Airline Corendon stationiert eine 737-800, am Freitag findet der Erstflug der Airline statt, die zur Erleichterung der Flughafenbetreiber aus dem Münsterland nach Griechenland, Ägypten und in die Türkei (Ägäis/Anatolien) starten wird. Mit der Ausweitung des Angebots von Sun-Express (3x pro Woche Antalya) sowie Laudamotion und Eurowings (beide 10x pro Woche Mallorca) habe man den Germania-Ausfall weitgehend kompensiert. Dass das Interesse der Airlines in Münster/Osnabrück einzuspringen so groß war, dass sie kurzfristig Kapazitäten übernommen haben, habe mit den „guten Vorausbuchungszahlen für den Sommer 2019 zu tun“, sagt Heinemann.

Mehr Puffer und mehr Flieger

Ab Oktober nimmt Laudamotion dann vom FMO auch Kurs auf die Donaumetropole Wien. Ein immer beliebteres Flugziel in unserer Region, das bereits seit vergangenem Jahr ab Dortmund angesteuert wird, und zwar täglich. Ein Angebot der ungarischen Wizz-Air, die Jahr für Jahr ihre Kapazitäten ab der Ruhrgebietsmetropole ausweitet, überwiegend in Richtung Ost- und Südosteuropa (fünf Ziele neu im Winter, mit Palanga/Litauen und Ohrid/Nordmazedonien zwei ab Sommer). Mit Heringsdorf hat auch Eurowings ein Ziel neu im Programm.Im Gegensatz zu Paderborn-Lippstadt oder Münster-Osnabrück hatte man in Dortmund in der jüngeren Vergangenheit nicht mit Insolvenzen von Fluggesellschaften zu tun. Mit 86 Prozent Pünktlichkeit rangiere der DTM weit oben im bundesweiten Vergleich der Flughäfen. Und beim Wachstum war Dortmund vergangenes Jahr top – eine Entwicklung, die sich fortsetzt: „Im ersten Quartal 2019 haben wir bereits wieder 19,5Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet“, sagt Marketingchef Guido Miletic, der auch für 2019 kein Flugchaos in Dortmund fürchtet.

Extrem betroffen war dagegen Paderbon-Lippstadt durch die Probleme mit Small Planet, teils tagelangen Verzögerungen und am Ende der Insolvenz der Airline. Laut Insidern sei das Chaos 2018 vorprogrammiert gewesen, weil die Airlines einfach zu knapp kalkuliert und Ausfälle in Kauf genommen hätten. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft haben immerhin die deutschen Fluggesellschaften die Zahl ihrer Reserveflugzeuge in Summe mehr als verdoppelt, die Flugpläne entzerrt, sowohl bei den Flug als auch den Bodenzeiten zusätzliche Pünktlichkeitspuffer eingeplant und das Personal in der Luft und am Boden aufgestockt.

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