Evonik-Gründerfonds

Evonik investiert weitere 150 Millionen Euro in Gründer

Der Spezialchemiekonzerns Evonik investiert 150 Millionen Euro in Start-ups.

Der Spezialchemiekonzerns Evonik investiert 150 Millionen Euro in Start-ups.

Foto: Rolf Vennenbernd,dpa

Essen.   Chemiekonzern setzt neuen Fonds für Risikokapital auf. Bisher beteiligt sich Evonik an 25 Start-ups, erhofft sich frische Ideen und hohe Renditen

Es ist ein wilder Mix: Sandalen aus dem 3D-Drucker, ein Verfahren wider das Kükenschreddern, nichtklebende Wundauflagen – der Chemiekonzern Evonik beteiligt sich in zwei Dutzend jungen Unternehmen aus den verschiedensten Branchen. Das 2012 begonnene Start-up-Engagement gilt inzwischen als erfolgreich, deshalb legt der Essener MDax-Konzern nun nach und will deutlich mehr Geld in vielversprechende Gründungen investieren.

Der zweite Fonds für Wagniskapital ist 150 Millionen Euro schwer. Mit dem ersten Fonds wächst das von Evonik für Jungunternehmer bereitgestellte Kapital auf eine viertel Milliarde Euro. „Das unterstreicht unsere Ambition, Evonik als einen der weltweit führenden Investoren im Bereich der Spezialchemie zu etablieren“, sagte Bernhard Mohr, Geschäftsführer der Evonik Venture Capital.

Fokus liegt auf künstlicher Intelligenz und 3D-Druck

Mohr hat das Evonik-Geschäft mit Risikokapital aufgebaut. Seit 2012 sind aus dem ersten 100-Millionen-Fonds 25 Beteiligungen an jungen Unternehmen entstanden. Bis zu fünf Millionen Euro gibt Evonik bisher einem einzelnen Gründer, um seine Idee zu verwirklichen, sie auszubauen oder nach erfolgreichem Markteintritt zu wachsen. Mit dem neuen Fonds will Evonik verstärkt in Firmen einsteigen, deren Innovationen bereits marktreif sind. Weil das die Beteiligung teurer macht, hat Mohr den Höchstbetrag auf 15 Millionen Euro angehoben.

Evonik sucht vor allem in Europa, den USA und seit kurzem auch in Asien nach spannenden Gründungsideen. Den Fokus legen die Scouts besonders auf die Zukunftsthemen künstliche Intelligenz, Medizintechnik und 3D-Druck. Letzterer wird für Evonik schon deshalb immer wichtiger, weil der Spezialchemiekonzern einen Kunststoff herstellt, der sich als Basismaterial für 3D-Drucker bewährt hat: Polyamid 12. Es wird im Chemiepark Marl produziert und ist so gefragt, dass Evonik dort eine weitere Anlage für 400 Millionen Euro anbaut.

Aus dem Polyamid-Pulver werden dann etwa online bestellte Einlegesohlen oder Sandalen des US-Start-ups Wiivv gefertigt, an dem Evonik beteiligt ist. Die orthopädischen Einlagen werden nicht mehr von Hand angepasst, sondern mit drei hochgeladenen Bildern der Füße am Computer entworfen und dann ausgedruckt.

Zweistellige Rendite mit Risikokapital erwartet

Doch es geht nicht nur darum, sich Zugang zu neuen Ideen und Technologien zu verschaffen, die das Kerngeschäft von Evonik betreffen, sondern auch schlicht um gute Kapitalanlagen. Zweistellige Renditen werden von der Abteilung Risikokapital erwartet. Nach drei bis fünf Jahren verkauft Evonik in der Regel seine Anteile wieder.

Bisher hat Mohrs Team 3500 Unternehmen unter die Lupe genommen, davon 2000 mit Produkten und Geschäftsmodellen, die für Evonik selbst relevant sein könnten.

„Wir schauen uns täglich ein Unternehmen an, das uns interessiert“, sagte Mohr vor Journalisten in Essen. Die Direktbeteiligungen verteilen sich fast gleich auf die USA und Europa. Darunter sind auch zwei deutsche Unternehmen, etwa „Jenacell“, das neuartige Auflagen aus Nanomaterial für Brandwunden herstellt. Sie kamen erstmals in größeren Mengen nach der verheerenden Brandkatastrophe in der rumänischen Hauptstadt Bukarest 2015 zum Einsatz.

„Wichtig ist uns, nicht einfach Geld zu geben. Was junge Unternehmen ganz besonders brauchen, ist Unterstützung im Management, bei der Skalierung ihrer Produkte und beim Marktzugang“, sagt Mohr. Im Gegensatz zu reinen Finanzinvestoren suche Evonik junge Firmen, deren Ideen zur Strategie des Spezialchemiekonzerns passen, und begleite sie dann auch aktiv.

So wie die jüngste Beteiligung, das niederländische Biotech-Unternehmen „In Ovo“. Es hat eine Methode zur Geschlechterbestimmung von Küken noch im Ei entwickelt. Sie soll das bisher praktizierte, aber zunehmend kritisierte Töten männlicher Küken in der Legehennen-Aufzucht verhindern. Ein echtes Risikoinvest, denn um die beste Methode gibt es wegen des zu erwartenden riesigen Marktes einen harten Wettlauf. In Ovo will im kommenden Jahr am Start sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben