Martina Merz

Die neue Thyssenkrupp-Chefin Merz scheut keine Konflikte

Martina Merz, Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp, soll kommissarisch Vorstandschefin werden.

Martina Merz, Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp, soll kommissarisch Vorstandschefin werden.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Die designierte Interims-Chefin von Thyssenkrupp gilt als detailversessen und kompromisslos, aber nahbar. Was für und was gegen sie spricht.

Martina Merz ist von Beruf Aufsichtsrätin. Sie kontrolliert die Vorstände der Lufthansa, des schwedischen Autobauers Volvo, des französischen Baustoffkonzerns Imerys, hat in den Aufsichtsräten von Thyssenkrupp und SAF Holland den Vorsitz inne. Erfahrungen als Managerin im operativen Geschäft sammelte die 56-Jährige vor allem beim weltgrößten Autozulieferer Bosch. An der Spitze eines Konzerngeflechts gibt sie bei Thyssenkrupp allerdings ihr Debüt.

Der steile Aufstieg bei Bosch

Beim schwäbischen Traditionskonzern endete ihr steiler Aufstieg zweimal an der Spitze von Bereichs-vorständen. Die Maschinenbau-Ingenieurin wurde 2001 Chefin der Robert Bosch Schließsysteme. Als die Türschlösser-Sparte ein Jahr später vom Familienunternehmen Brose übernommen wurde, unternahm Merz ihren ersten beruflichen Ausflug aus dem Ländle nach Nordrhein-Westfalen: Sie wechselte mit nach Wuppertal. 2005 kehrte sie zu Bosch zurück. Als Chefin der Bremsensparte Chassis Brakes wurde sie 2012 zum zweiten Mal mit verkauft – an den US-Finanzinvestor KPS Capital Partners.

Seit 2015 konzentriert sich Merz ganz auf ihre vielen Mandate als Aufsichtsrätin. Bei Thyssenkrupp ging alles extrem schnell: Erst im vergangenen Dezember in den Aufsichtsrat des damals Noch-Dax-Konzerns berufen, übernahm sie im Februar den Vorsitz. Nun also soll sie Guido Kerkhoff als Vorstandschef ablösen, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden ist. Sie soll ausdrücklich maximal ein Jahr die Geschäfte führen und dann wieder ins Kontrollgremium wechseln. Es könnten freilich entscheidende Monate werden. Merz soll den dringend benötigten Umbau selbst anschieben.

Gegen sie spricht ihre mangelnde Erfahrung in einer solchen Position in einer solch kritischen Lage. Zwar hat sie sich bei Brose als Saniererin bewährt, aber in ganz anderen Dimensionen. Für sie sprechen jene Attribute, die ihr bisher an allen Stationen bescheinigt wurden: Sie sei durchsetzungsstark, heißt es stets, scheue keinen Konflikt, bleibe dabei aber stets sachlich, vergreife sich nie im Ton. Merz wird auch aus Arbeitnehmerkreisen eine ausgeprägte Akribie nachgesagt, wenn es darum geht, Vorstandspläne und Strategien bis ins kleinste Detail zu hinterfragen anstatt sich auf die großen Linien zu beschränken, wie es nicht wenige Aufsichtsräte tun. Eine solche Arbeitsweise, mit der nicht jeder Vorstand klar kommt, wird auch Ursula Gather nachgesagt, der Chefin der Krupp-Stiftung. Die Chemie zwischen Merz und der Herrin vom Hügel stimmt offenkundig, und den größten Einzelaktionär hinter sich zu wissen, ist wichtig beim Essener Industriekonzern.

„Wir Frauen führen anders“

Da sie selten Interviews gibt, kursieren auch nur wenige Zitate, mit denen sie sich selbst beschreibt. Über Frauen in Führungspositionen hat sie vor einigen Jahren der Stuttgarter Zeitung einmal gesagt: „Wir Frauen führen anders als die Männer – selten über Distanz.“ Weibliche Chefs seien „die idealen Führungskräfte: kompromisslos und zugleich von großer Zuneigung erfüllt.“ Dabei trägt sie dieses Mann-Frau-Thema keineswegs vor sich her, das Interview seinerzeit drehte sich nur genau darum. Merz sagte in dem Zusammenhang über sich selbst: „Ich lasse es gerne auch mal krachen, und ich kann auch rustikal werden.“ Entscheidend ist für sie, einmal erkannte Probleme gezielt und ohne Verzögerung anzugehen. Aus ihrer Zeit als Brose-Managerin, die in Wuppertal Arbeitsplätze abbauen musste, zitiert die Stuttgarter Zeitung sie mit diesem Satz: „Schwache Führungskräfte scheuen sich, kritische Themen anzusprechen.“

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben