Adecco

Wie sich die Zeitarbeit wandelt

Patrick Maier, Deutschlandchef des Zeitarbeit-Unternehmens Adecco-Tuja.

Foto: Sebastian Konopka

Patrick Maier, Deutschlandchef des Zeitarbeit-Unternehmens Adecco-Tuja. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Trotz verschärften Gesetzes rechnet Adecco-Deutschlandchef Patrick Maier damit, dass die Zeitarbeitsbranche in Deutschland weiter wachsen wird.

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Der Bund will die rund eine Million Leiharbeiter in Deutschland mit höheren Löhnen und günstigeren Arbeitsbedingungen besser stellen. Deshalb hat er das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz zum 1. April geändert. Mehr als 30 000 von ihnen sind beim weltweit größten Zeitarbeitskonzern Adecco angestellt, der jüngst seine Deutschlandzentrale von Münster nach Düsseldorf verlegt hat.

Eine „spannende Herausforderung“ nennt Patrick Maier, Deutschland-Chef von Adecco und dem Tochterunternehmen Tuja, die Gesetzesreform. Ab dem 9. Monat sollen Leiharbeiter nun ebenso viel verdienen wie festangestellte Kollegen in den Unternehmen. Spätestens nach 18 Monaten müssen die Zeitarbeiter in ein festes Vertragsverhältnis übernommen werden. Ausnahmen wie in der Metallbranche können mit Gewerkschaften ausgehandelt werden.

Unsicherheit bei den Kunden

„Wir machen das Beste aus dem neuen Gesetz“, meint Maier und verhehlt auch nicht, dass sich bei seinen Kunden Verunsicherung breit mache. „Wir sind aktiv auf unsere Kunden zugegangen, um hierzu zu informieren. Die Unsicherheit kommt daher, dass es noch keine Rechtsprechung beispielsweise zu den Details des Gleichbezahlungsgrundsatzes gibt“, so der Adecco-Manager.

Dabei gilt der Gleichstellungsgrundsatz für Zeitarbeitnehmer schon seit dem Jahr 2004 – in der Theorie. Mit speziellen Zeitarbeits-Tarifverträgen konnte er aber außer Kraft gesetzt werden, was dann auch nahezu flächendeckend geschehen ist. Demnach verdienen Zeitarbeiter in Westdeutschland derzeit je nach Einsatzgebiet 9,37 bis 21,12 Euro die Stunde. In manchen Wirtschaftszweigen wie der Metallindustrie haben die Gewerkschaften dazu noch Branchenzuschläge ausgehandelt.

30 000 Mitarbeiter bei Adecco und Tuja

„Unser Personalstamm ist zu großen Teilen ein Abbild der produzierenden Wirtschaft in Deutschland“, sagt Maier. Adecco und Tuja verliehen Mitarbeiter zumeist an die Automobilindustrie, Chemie-, Pharma- und Logistikunternehmen, aber auch an Call- und Servicecenter. „Wir haben gerade etwa 30 000 qualifizierte Adecco- und Tuja-Mitarbeiter im Einsatz und können sie zeitnah vermitteln“, so der Vorstand.

„Die Funktion von Zeitarbeit wandelt sich“, sagt er. Adecco springe nach wie vor bei Auftragsspitzen ein, die Firmen mit ihren Festangestellten nicht bewältigen können. „Wir sind zunehmend aber auch der verlängerte Rekrutierungsarm für die Unternehmen. Über uns finden sie Zugang zum Arbeitsmarkt.“ Soll heißen: Zeitarbeiter, die sich während ihres Einsatzes bewährt haben, werden häufig übernommen.

Dabei hat die Adecco-Kundschaft ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Maier berichtet von der kleinen Malerfirma, die Tapezier-Verstärkung für drei Tage sucht; von großen Logistikkonzernen, die regelmäßig in der Weihnachtszeit Aushilfen für ihre Warenverteilzentren und in der Paketzustellung benötigen; und schließlich Autohersteller, die Leiharbeiter für die Produktionsphase eines gerade aktuellen Pkw-Modells anfordern. „Flexibilität ist die größte Leistung, die Zeitarbeit liefern kann“, betont der Adecco-Manager.

„Wir stehen für Mindestlöhne“

Angesichts des schwer vorher zu sehenden Projektgeschäfts, das sich in der Wirtschaft immer stärker ausbreitet, erwartet Maier auch in Zukunft größere Zuwachsraten für die Zeitarbeit-Branche. Er zitiert aus einer Forbes-Studie. Sie prognostiziert, dass im Jahr 2020 rund die Hälfte der US-Beschäftigten freiberuflich tätig sein werden, zumindest mit einem Teil ihrer Arbeitskraft. Der Manager: „Junge Leute finden es zunehmend spannend, keinen festen Arbeitsvertrag zu haben. Im großen Feld der Informationstechnologie und Programmierung ist das längst der Fall.“

Das schlechte Image, das der Zeitarbeit einst anheftete, gehört für Maier der Vergangenheit an. „Es gibt in jeder Branche Marktteilnehmer, die sich in Grauzonen bewegen“, räumt er ein. „Wir als Adecco/Tuja stehen für Mindestlöhne und die Einhaltung der Tarifverträge.“ Das sei auch den Kunden, die Leiharbeiter einsetzen, wichtig. Maier: „Auch sie stehen im Scheinwerferlicht. Skandale kann sich niemand erlauben.“

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