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Wie Ingrid Hiesinger in junge Firmen investiert

Ingrid Hiesinger investiert mit ihrer Essener Firma Revotech in junge Unternehmen.

Foto: Kai Kitschenberg

Ingrid Hiesinger investiert mit ihrer Essener Firma Revotech in junge Unternehmen. Foto: Kai Kitschenberg

Essen.   Ingrid Hiesinger, die Frau von Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger, steckt Zeit und Geld in junge Firmen. Ihre Firma heißt Revotech.

Ingrid Hiesinger hat in ein Café in Essen-Rüttenscheid eingeladen. Es heißt Kabü, was für Kaffee und Büro steht. Auch Hiesingers Unternehmen trägt einen Namen, der sich aus zwei Begriffen zusammensetzt: Revotech, eine Abkürzung für „revolutionäre Technologie“. Seit drei Jahren ist die Ehefrau von Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger damit befasst, junge Firmen groß zu machen. Neudeutsch nennt sich dieser Beruf „Business Angel“.

Bei drei Start-ups ist Ingrid Hiesinger derzeit stärker engagiert. Die Firmen heißen Witech, Terabee und AppVisory. Witech aus Paderborn kann Tische mit Antennen ausstatten, die kabellos Strom übertragen – auf Laptops oder Handys zum Beispiel. Terabee, eine Ausgründung aus dem Teilchenbeschleuniger Cern in der Schweiz, entwickelt eine winzige Kamera, die unter anderem in Drohnen oder Sportgeräten eingesetzt wird. AppVisory ist eine Internet-Sicherheitsfirma, die im Auftrag von Unternehmen tätig ist.

„Drei weitere Start-ups könnten in diesem Jahr dazukommen“, sagt Ingrid Hiesinger. „Ich möchte mein Engagement ausweiten.“ Das sei aber „nicht beliebig möglich“, denn ein Grundsatz von ihr laute: „Entweder man macht es ganz – oder man macht es besser gar nicht.“ Wenn sie sich mit ihrer Firma Revotech bei einem jungen Unternehmen engagiere, nehme sie sich Zeit. „Das ist kein Hobby, sondern ein Job. Ich bringe mich ein – vom Gestalten einer Präsentation über Kontakte bis hin zum Motivieren.“ Es gehe ihr insbesondere um die Menschen, die ein Unternehmen führen. „Wenn ich nur Geld anlegen wollte, würde ich in Aktien investieren.“ Noch mindestens zehn Jahre wolle sie als Business Angel aktiv sein.

„Da waren wir nicht auf Rosen gebettet“

Unternehmertum hat Ingrid Hiesinger schon in jungen Jahren kennengelernt. Ihre Familie hatte ein kleines Handelsunternehmen. Auch sie selbst hat sich schließlich selbstständig gemacht. „Ich war zwölf Jahre lang alleinerziehende Mutter. Da waren wir nicht auf Rosen gebettet“, erzählt die 57-Jährige. „In dieser Zeit habe ich meine eigene Unternehmensberatung gegründet und dabei auch gelernt, wie wichtig Durchhaltevermögen für einen Gründer ist.“

Das Fördern und Fordern in ei­ner frühen Gründungsphase lasse sich durchaus mit der Elternrolle vergleichen, sagt Ingrid Hiesinger. „Gründer müssen ein dickes Fell haben. Die Fähigkeit, hinzufallen und wieder aufzustehen, beeindruckt mich.“ Statistiken zufolge gehen 70 Prozent der Start-ups unter. Bislang habe sie aber „noch keinen Fehlversuch“, berichtet die Revotech-Chefin. „Ich bin jemand, der nicht gerne Geld verliert. Deshalb bin ich auch sehr vorsichtig, wenn ich mich beteilige.“

Pläne mit Innogy, Henkel und Initiativkreis Ruhr

Ingrid Hiesinger ist in Passau geboren und hat lange Zeit im bayerischen Erlangen gewohnt. „Das Ruhrgebiet ist stark von großen industriellen Arbeitgebern geprägt“, sagt die Revotech-Chefin. „Selbstständigkeit ist hier nicht so üblich, anders als in Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg. Dort gibt es einen starken Mittelstand, also auch viele familiäre Vorbilder für potenzielle Gründer.“

Gemeinsam mit den Konzernen Innogy und Henkel sowie dem Unternehmensnetzwerk Initiativkreis Ruhr arbeitet Ingrid Hiesinger gerade daran, themenspezifische Veranstaltungen im Ruhrgebiet zu organisieren, um Gründer und potenzielle Investoren an ei­nen Tisch zu bringen. Denkbar seien dabei Themen wie Materialwissenschaft, Energie oder das Internet der Dinge.

„Von Kontakten zur Industrie profitieren“

„Gründer können von Kontakten zur Industrie profitieren“, betont die Revotech-Chefin. „Der Boden hierfür ist in NRW ideal.“ Momentan tue sich an Rhein und Ruhr auf dem Gebiet der Existenzgründungen sehr viel – etwa an der TU Dortmund, die sich beim Thema Ausgründungen inzwischen mit der Hochschule in München vergleichen lasse.

Natürlich unterhalte sie sich gelegentlich mit ihrem Mann über ihre Arbeit. „Vor allem legen wir ein Budget fest, denn es geht ja um Hochrisiko-Investments“, erzählt Ingrid Hiesinger. „Bevor ich investiere, möchte ich auch die anderen Investoren kennenlernen. Auch damit es nicht hinterher heißt: Frau Hiesinger macht schon.“

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