Neue Technik im Einsatz

Wie 5G-Mobilfunk den Autobau revolutioniert

Aachen  Das 5G High-Speed-Internet steht in den Startlöchern. Was es kann, zeigt es jetzt schon beim Elektro-Autobauer e.go.

. Großer Rummel um ein kleines Auto. In der Aachener Fabrikhalle der Elektro-Autobauer e.Go ist am Mittwoch das erste 5G-Telefonnetz Deutschlands in Betrieb gegangen. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart spricht bereits von „der Fabrik der Zukunft“ und sieht „Technologiegeschichte“ geschrieben.

Das ist, mit Verlaub, etwas hochgegriffen. Tatsächlich aber bietet die von Vodafone und Ericsson in Aachen installierte und gewartete Technik ganz neue Möglichkeiten bei der Produktion der E-Autos. Und nicht nur dafür. Denn mit ihrer Hilfe können Maschinen in allen Industriezweigen nahezu in Echtzeit miteinander kommunizieren. Für e.Go-Chef Günther Schuh die Erfüllung eines langgehegten Traumes. „Elektromobilität braucht Bezahlbarkeit zum Durchbruch“, sagt er. Deshalb müsse man alle Register ziehen, damit E-Mobilität nicht nur etwas für Privilegierte und Reiche sei. Und das neue Netz mache es möglich, seine Kurzstrecken E-Autos gleichzeitig „hochwertig und günstig“ zu bauen.

Wie das funktioniert zeigt Schuh bei einem gemeinsamen Rundgang mit Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter gerne selbst. Wobei er zu Anfang erst einmal an die Decke der 16000 Quadratmeter großen Halle weist. 36 Antennen sind dort angebracht worden, die das gesamte Gebäude abdecken. Stabiler als jedes W-Lan sind sie laut Ametsreiter und auch viel sicherer. Weil sie ein autarkes System bilden und die neuen 5G-Simkarten bisher noch nicht gehackt werden konnten. Vor allem, weil es sie außerhalb der Halle noch gar nicht gibt.

Fast alles in der Aachener Fabrik ist jetzt miteinander vernetzt

„Gehen wir zur Anlieferung“, sagt Schuh. Dorthin wo spezielle RFID-Scanner die von vernetzten Gabelstaplern entladenen Autoteile identifizieren und ins System einpflegen. Kleine Transportzüge bringen sie dann an den gewünschten Arbeitsplatz. In der Anlieferung werden auch die Fahrzeug-Identifizierungsnummern (FIN) in die Rohkarossen eingraviert und digital registriert. Unwiderruflich und jederzeit abrufbar. Per Computer lässt sich damit sogar sehen, wann, wo, von wem welche Schraube mit welchem Drehmoment angezogen worden ist. Falls man das mal wissen möchte.

Auto wird an 26 Stationen zusammengebaut

Vom Netzwerk gesteuert fahren führerlose aber mit vielen Sensoren ausgestattete Transportfahrzeuge die Karossen dann zentimetergenau zu den 26 Stationen, an denen das auf den Namen „Life“ getaufte, rund 16000 Euro teure, Auto zusammengebaut wird. „Fließbänder gibt es bei uns nicht mehr“, sagt Schuh. Was es aber noch gibt, sind Menschen in der Halle. „Das ist hier keine Roboterfabrik“, stellt der Firmengründer klar. Und es soll erst einmal auch keine werden, versichert Schuh. „Man muss nicht alles machen, nur weil es geht.“

Es hilft ja schon, wenn die neue Technik die Zahl der Fehler drastisch senkt. Der kabellose aber mit einer eigenen Sim-Karte ausgestattete Drehmomentschlüssel etwa empfängt für jeden vorbeikommenden Wagen neue Daten für jede Schraube. Viel falsch machen kann der Mensch am Gerät deshalb nicht mehr. Und wenn irgendwo doch mal ein Fehler passiert, wird er binnen kürzester Zeit bemerkt. Nicht viel länger soll es übrigens dauern, die Produktion umzustellen – etwa auf eine andere Farbe oder Ausstattungsvariante.

Auch Telefonica und Mercedes setzen auf neue Technik

Nicht alles, was bei der Präsentation gestern vorgestellt wurde, ist neu. Eigentlich ist sogar das meiste längst bekannt. Bisher aber fehlte es aber an einem schnellen Übertragungssystem. Das hat sich mit der neuen Technik geändert. Mit 5G, sagt Ametsreiter, gebe es so gut wie keine Verzögerungen mehr bei der Datenübertragung.

„Das war eine ernsthafte Investition“

Den genauen Preis für die neue Geschwindigkeit, verraten die Beteiligten nicht. Vodafone, das auf möglichst viele Folgeaufträge bei anderen Unternehmen hofft, spricht von einem „nennenswerten Rabatt“, den man dem Pilotprojekt e.Go gewährt habe, Schuh nickt dann, sagt aber: „Das war für mich trotzdem noch eine ernsthafte Investition.“

Auch andere Netzbetreiber wollen in das Geschäft einsteigen. So haben etwa Telefonica und Mercedes jüngst ein ähnliches Projekt für das Werk in Sindelfingen angekündigt. „Aber wir“, sagt Schuh, „sind die ersten.“

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