Leibrenten-Rechner

Wenn im Alter das Haus zur finanziellen Last wird

Die Mülheimer Jungunternehmer Oliver Eitel (l.) und Patrick Giesen haben ein Start-up gegründet und wollen über ihr Online-Portal „Moderne Rente“ auf das Thema Leibrente aufmerksam machen.

Die Mülheimer Jungunternehmer Oliver Eitel (l.) und Patrick Giesen haben ein Start-up gegründet und wollen über ihr Online-Portal „Moderne Rente“ auf das Thema Leibrente aufmerksam machen.

Foto: André Hirtz

Mülheim.   Ein Mülheimer Start-up hat eine Online-Plattform für die Leibrente entwickelt, die Senioren und Erwerber ihrer Immobilie zusammenbringen soll.

Die Zahl der Menschen, denen das Geld fehlt, im Alter ihr Haus zu halten, wächst. Verkaufen und dennoch darin wohnen bleiben ist das Konzept, das Leibrenten verfolgen. Zwei junge Mülheimer haben in diesem Jahr eine Online-Plattform gegründet, auf der sie Hausbesitzer im Seniorenalter mit potenziellen Käufern zusammenbringen wollen.

Patrick Giesen ist im Hauptberuf Golflehrer und trainiert am Golfclub Mülheim die Damenmannschaft, die inzwischen in der Bundesliga spielt. Als ihn und seine Familie eine Nachbarin vor einiger Zeit um finanzielle Hilfe bat, weil sie ihr Haus nicht mehr finanzieren konnte, kam er erstmals mit dem Thema Leibrente in Berührung. „Unsere Nachbarin hatte keine Rente und war praktisch mittellos. Sie wollte aber unbedingt in dem Haus wohnen bleiben“, erzählt Giesen. Seine Familie kaufte das Haus, räumte der Frau ein lebenslanges Wohnrecht ein und zahlte ihr eine Leibrente.

„Kein transparenter Markt“

„Für dieses Modell gibt es in Deutschland keinen transparenten Markt, der Rentner und mögliche Investoren zusammenbringt“, sagt Giesen. Gemeinsam mit seinem Partner Oliver Eitel kam er deshalb auf die Idee, ein Online-Portal als Plattform für Käufer und Verkäufer zu entwickeln. Eitel war zuvor für das Empfehlungsportal Yelp tätig und arbeitet aktuell hauptberuflich als Geschäftsführer des Düsseldorfer Business-Clubs Rotonda. „Wir kümmern uns viel zu selten um die Generation unserer Eltern. Es ist ein Riesenmarkt, Rentner vor der Altersarmut zu schützen“, so Eitel.

An einem Wochenende luden sie Soft- und Hardware-Entwickler aus der gesamten Bundesrepublik zu einem sogenannten Hackathon in Köln ein. Drei Monate später stand dann die erste Version des Portals „Moderne Rente“. Dahinter steckt ein siebenköpfiges Team, das die Plattform steuert und ehrenamtlich bei dem Start-up mitarbeitet. Die Gründer betonen, dass der digitale Leibrenten-Rechner für Senioren, die ihre Immobilien auf der Internetseite zum Verkauf auf Basis einer Leibrente anbieten, und für mögliche Erwerber kostenlos sei. Mittelfristig wollen die Jungunternehmer mit der Plattform aber auch Geld verdienen. „Wir können uns vorstellen, dass Makler, Gutachter, Banken und Immobilien-Fotografen auf unserer Seite Werbung schalten“, sagt Patrick Giesen. Dafür soll dann jeweils eine Gebühr fällig werden.

Jedem Fünften droht Altersarmut

Die Unabhängigkeit des Portals sehen die Macher dadurch nicht gefährdet. „Wir haben gute Jobs. Für uns ist das eine Herzensangelegenheit“, sagt Eitel. „Wir wollen einfach etwas für Senioren tun, um Altersarmut zu vermeiden.“ Da der Leibrenten-Rechner vor allem ältere Leute ansprechen soll, habe man die Homepage technisch sehr einfach gehalten. Innerhalb weniger Minuten, sagt der Gründer, könnten die Senioren nach der Eingabe bestimmter Eckdaten der Immobilie ermitteln, was für sie nach einem Verkauf am Ende herausspringt. Das Portal ist auch in der Lage, ein Exposé des Hauses zu erstellen, das Interessierten oder Maklern vorgelegt werden kann.

Das Thema ältere Leute und ihre Immobilien gewinnt an Bedeutung. Einer Bertelsmann-Studie zufolge wird in den nächsten Jahren jeder fünfte Mensch in Deutschland von Altersarmut betroffen sein. Rund ein Viertel der Rentner haben ihre Immobilien nicht abbezahlt. Eine dpa-Umfrage hatte vor einiger Zeit ergeben, dass der Staat inzwischen der größte Erbe von Wohnhäusern in Deutschland sei. Im vergangenen Jahr fielen bundesweit rund 10 000 Wohnhäuser und private Liegenschaften an die öffentliche Hand, weil das Erbe ausgeschlagen wurde oder keine Erben vorhanden waren. Zudem zeigt sich der Trend, dass immer weniger Kinder das Haus ihrer verstorbenen Eltern nutzen wollen oder können.

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