Diesel-Skandal

Weitere Ermittlungen gegen Audi nach Abgas-Vorwürfen

„Wir selbst drehen jedes Steinchen um“: Audi-Chef Rupert Stadler steht unter Druck.

„Wir selbst drehen jedes Steinchen um“: Audi-Chef Rupert Stadler steht unter Druck.

Foto: REUTERS / DENIS BALIBOUSE / REUTERS

Wolfsburg  Nach den Abgas-Vorwürfen gegen Audi zeigt sich Konzernchef Stadler „persönlich sehr enttäuscht“. Ziel des Frusts: Verkehrsminister Dobrindt.

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Der Diesel-Skandal bekommt ein neues Kapitel. Das VW-Tochterunternehmen Audi hat nach eigenen Angaben bei Varianten der Oberklasse-Modelle A7 und A8 mit V6- und V8-Diesel-Motor deutlich zu hohe Stickoxidwerte festgestellt und diese selbst dem Kraftfahrt-Bundesamt gemeldet. Als Reaktion auf diese Nachricht hat die Staatsanwaltschaft München II die ohnehin schon laufenden Ermittlungen gegen Audi ausgeweitet. „Es besteht der Anfangsverdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung“, sagte ein Sprecher unserer Zeitung.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der den Fall am Donnerstagabend öffentlich machte, sprach von einer unerlaubten Abschalteinrichtung. Er nannte eine „Lenkwinkelerkennung“, die feststellt, ob ein Fahrzeug auf dem Prüfstand steht und dann dafür sorgt, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Im normalen Fahrbetrieb auf der Straße werden dann deutlich mehr Stickoxide (NOx) ausgestoßen als erlaubt. Stickoxide gelten als gesundheitsschädlich. Das Ministerium ordnete einen Rückruf an. Zudem will der Bund Fahrzeuge des VW-Konzerns mit ähnlichen Motoren untersuchen lassen.

Audi-Chef Stadler droht die Abberufung

Für Audi-Chef Stadler wird es deshalb jetzt eng. Ihm droht die Abberufung, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Aufsichtsratsmitglieder berichtete. Der VW-Konzern dementierte: „Mit keiner Silbe hat irgendwer gesagt, dass sie Herrn Stadler ablösen wollen.“

Stadler selbst kritisierte die Aussagen des Bundesverkehrsministers zu den Abgasmanipulationen bei Audi. „Dass Herr Dobrindt allein vorprescht, hat mich persönlich sehr enttäuscht“, sagte Stadler der Branchenzeitung „Automobilwoche“. Dass die Behörden illegale Software „entdeckt“ hätten, sei das falsche Wort. „Wir selbst drehen jedes Steinchen um.“

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt seit Mitte März gegen Unbekannt wegen Abgasmanipulationen in den USA. Jetzt wird der Fall auf Europa und Deutschland ausgeweitet. Konkrete Beschuldigte im aktiven oder ehemaligen Audi-Management gibt es bisher nicht. Ein Ende der Ermittlungen ist nicht absehbar.

Betroffen sind Fahrzeuge der Baujahre 2010 bis 2013

Nach Audi-Angaben wird der Stickoxidgrenzwert bei den genannten Motoren um bis zu 100 Prozent überschritten. Betroffen seien in Europa 24.000 A7 und A8 mit Automatikgetriebe der Baujahre 2010 bis 2013. Ein Sprecher sagte, die erhöhten Stickoxidwerte seien nicht das Ergebnis einer vorsätzlichen Manipulation. Stattdessen handele es sich um einen Programmierfehler der Getriebesteuerung. Wie der Audi-Sprecher sagte, muss bei den betroffenen Fahrzeugen ein Software-Update aufgespielt werden. Die neue Software gebe es bereits, das Kraftfahrt-Bundesamt müsse sie allerdings noch freigeben.

Professor Stefan Bratzel, Chef des Auto-Instituts in Bergisch Gladbach, kritisierte den Autobauer und das Ministerium gleichermaßen. Dass rund eineinhalb Jahre nach Bekanntwerden des VW-Abgas-Betrugs immer neue Fälle öffentlich werden, sei nicht hinnehmbar. „Das Ministerium schafft es nicht, eine Systematik der Überprüfung aufzubauen“, sagte Bratzel und ergänzte mit Blick auf Audi: „Die Begründung des Programmierfehlers ist schwer nachvollziehbar. Es ist doch genau die Aufgabe der Spezialisten, Regeln einzuhalten.“

Ende September 2015 war der VW-Abgas-Skandal in den USA ans Licht gekommen. VW hatte über Jahre eine Schummelsoftware in Dieselmotoren eingebaut, die dafür sorgt, dass die Motoren im Testbetrieb die Grenzwerte einhielten. Auf der Straße überschritten sie diese deutlich. Weltweit betroffen sind insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge.

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