Energiekonzern

Was Innogy nach dem Rückzug von Konzernchef Terium plant

Innogy-Vorstand Hans Bünting plant kräftige Investitionen in erneuerbare Energien.

Innogy-Vorstand Hans Bünting plant kräftige Investitionen in erneuerbare Energien.

Essen.   Nach dem Rückzug von Innogy-Chef Peter Terium ist es der erste Auftritt eines Vorstands: Hans Bünting verteidigt Investitionspläne.

Die Zeiten, in denen Hans Bünting seine Pläne für das Geschäft mit erneuerbaren Energien in einem schmucklosen Bürogebäude fernab der RWE-Zentrale präsentierte, sind vorbei. Diesmal hat er in die „Arbeitskulturwerkstatt“ eingeladen, die als Test für den geplanten neuen Innogy-Campus in Essen dienen soll. In unmittelbarer Nähe zum bekannten Konzern-Turm zeigt sich die noch recht junge RWE-Tochter Innogy von ihrer lockeren Seite. Sitzgelegenheiten bieten Kissen, die auf Euro-Paletten liegen. An den Wänden sind grelle Graffitis zu sehen. Hans Bünting, der im Innogy-Vorstand für die erneuerbaren Energien zuständig ist, berichtet, dass die Bauarbeiten für den Campus in Essen schon in wenigen Monaten beginnen sollen.

Derweil läuft die Suche nach einem neuen Innogy-Chef. Der Niederländer Peter Terium, der eine neue Unternehmenskultur bei Innogy etablieren wollte, musste wenige Tage vor Weihnachten gehen, nachdem er kurz zuvor die Gewinnprognose des Energieversorgers nach unten korrigiert hatte. Zum Abschied bemängelte der Innogy-Aufsichtsrat in einer ungewöhnlichen Mitteilung, es gebe im Konzern „die Notwendigkeit eines höheren Stellenwertes der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie“.

„Kostendisziplin“ und „werthaltiges Wachstum“

Übergangsweise hat Personalchef Uwe Tigges das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernommen – der ehemalige Betriebsratschef. Die Bilanzpressekonferenz im März rückt näher. Dem Vernehmen nach ist eine Personalberatungsfirma damit beauftragt, geeignete Kandidaten für den Chefposten zu suchen.

Auf die Frage, ob er als Nachfolger von Terium zur Verfügung stehe, sagt Innogy-Vorstand Bünting: „Das ist nicht mein Thema. Das müssen Sie den Aufsichtsrat fragen.“ Er fühle sich da, wo er sei, „sehr wohl“.

Die Aufgabe von Bünting ist es, Pläne für den Bau von Windrädern und großen Solaranlagen voranzutreiben. Dabei will Innogy insbesondere im Ausland investieren – in den USA zum Beispiel sowie in Großbritannien und Kanada. „Wir suchen uns konsequent neue Möglichkeiten für werthaltiges Wachstum – auch in neuen Märkten“, sagt Bünting. Trotz der „Kostendisziplin“, die der Aufsichtsrat angemahnt hat, gebe es keine Abstriche bei den Plänen für Investitionen, betont der Manager.

„Innogy ist ein gesundes Unternehmen“

Für die nächsten drei Jahren plane Innogy bei den erneuerbaren Energien Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Insgesamt gibt es Büntings Angaben zufolge bis zum Jahr 2020 Investitionsplanungen im Konzern in Höhe von zehn Milliarden Euro. Davon entfalle etwa die Hälfte auf Instandhaltungen und Modernisierungen sowie Netzkosten.

Die Strategie von Innogy sei nicht nur von Peter Terium, sondern vom ganzen Vorstand entwickelt worden, betont Bünting und fügt hinzu: „Innogy ist ein gesundes Unternehmen.“ Es gebe auch keine Pläne, Arbeitsplätze abzubauen. Denkbar seien aber Einschnitte beim Werbebudget des Konzerns. Zur Erneuerbare-Energien-Sparte von Innogy gehören rund 1650 Mitarbeiter. Ein Großteil der mehr als 42 000 Innogy-Beschäftigten arbeitet in den Bereichen Energienetze, Infrastruktur und Vertrieb.

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