Thyssen-Krupp

Warum Thyssen-Krupp frisches Geld braucht

Eine Kapitalerhöhung soll bei ThyssenKrupp frisches Geld in die Kasse bringen. Ein Sorgenkind ist der Konzern los: Das US-Stahlwerk wird verkauft. Die Verluste wurden im vergangenen Geschäftsjahr verringert - hier ein Bild aus dem Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen.

Eine Kapitalerhöhung soll bei ThyssenKrupp frisches Geld in die Kasse bringen. Ein Sorgenkind ist der Konzern los: Das US-Stahlwerk wird verkauft. Die Verluste wurden im vergangenen Geschäftsjahr verringert - hier ein Bild aus dem Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen.

Foto: Kai Kitschenberg/WAZFotoPool

Essen.  Der angeschlagene Industriekonzern ThyssenKrupp will nach dem Verkauf eines verlustreichen Stahlwerks in den USA mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung seinen Umbau vorantreiben. Das Unternehmen plant eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent. Zudem macht Thyssen-Krupp den Outokumpu-Deal rückgängig.

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ThyssenKrupp -Chef Heinrich Hiesinger hat die Mitarbeiter und Anleger des angeschlagenen Konzerns um Geduld gebeten. "Wenn man ein Unternehmen umbaut, das sich über Jahre in eine tiefe Krise manövriert hat, dann dauert es auch Jahre, das Unternehmen wieder auf eine vernünftige Basis zu stellen", sagte der Manager am Samstag auf der Bilanzpressekonferenz in Essen laut Redetext. Hiesinger hat mit dem Verkauf des US-Stahlwerks an ArcelorMittal und Nippon Steel zwar einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht, das verlustreiche Stahlwerk in Brasilien hat er aber nicht abstoßen können.

Die Kosten für beide Anlagen waren auf fast 13 Milliarden Euro geklettert. "Die Verkaufsverhandlungen waren komplex und langwierig", erläuterte Hiesinger, der seit Mai 2012 nach einem Käufer suchte. "Eine Einigung zum Verkauf von Steel Americas insgesamt konnte auf einer für uns tragfähigen Basis nicht erreicht werden." Es sei aber trotzdem eine gute Lösung für beide Werke erzielt worden. Das Rohstahlwerk in Brasilien liefere in den kommenden Jahren rund zwei Millionen Tonnen Stahl jährlich an das US-Werk und sei damit zu 40 Prozent ausgelastet.

Frisches Geld für Thyssen-Krupp durch Kapitalerhöhung

Thyssen-Krupp -Chef Heinrich Hiesinger kann den angeschlagenen Mischkonzern nur mit angezogener Handbremse aus der Misere bringen. Zwar verkauft der Manager nach einer langen Hängepartie eines der beiden Problem-Stahlwerke in Übersee für rund 1,1 Milliarden Euro. Nach dem Deal mit ArcelorMittal und Nippon Steel für das US-Werk bleiben die Deutschen aber zunächst auf der verlustreichen Anlage in Brasilien sitzen. Zudem muss Hiesinger den 2012 mit dem finnischen Outokumpu -Konzern vereinbarten milliardenschweren Verkauf seiner Edelstahltochter zum Teil rückabwickeln.

Eine Kapitalerhöhung soll Thyssen-Krupp frisches Geld verschaffen. Diese soll unter Ausschluss des Bezugsrechts bis zu zehn Prozent betragen. Wann es dazu kommt, ließ das Unternehmen offen. Dies hänge auch von den Bedingungen des Kapitalmarktes ab. Rein rechnerisch könnte Thyssen-Krupp bei dem derzeitigen Aktienkurs von 19,26 Euro rund eine Milliarde Euro einnehmen.

Sorgenkind amerikanische Stahlsparte

Die amerikanische Stahlsparte verhagelt Thyssen-Krupp seit Jahren die Bilanz. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verzeichnete Steel Americas einen um Sondereffekte bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 495 Millionen Euro. Im Jahr zuvor war der Fehlbetrag allerdings doppelt so hoch gewesen.

Anderthalb Jahre hatten Hiesinger und Finanzchef Guido Kerkhoff nach Käufern für die Stahlwerke in Brasilien und den USA gesucht. Dass Weltmarktführer ArcelorMittal und Nippon Steel nun in den USA zugriffen, bringt Hiesinger zwar einen wichtigen Schritt voran, für einen Befreiungsschlag müsste er aber auch das Werk in Brasilien loswerden. Dieses hatte den Löwenanteil der auf fast 13 Milliarden Euro explodierten Kosten verschlungen. Beide Anlagen hatte ThyssenKrupp zu Ende September noch mit 3,1 Milliarden Euro in den Büchern. Zuvor waren es nach diversen vorausgegangenen Abschreibungen 3,3 Milliarden gewesen.

Von dem Werk in Brasilien übernehmen die Käufer des US-Werks ArcelorMittal zufolge sechs Jahre lang zwei Millionen Tonnen Rohstahl. Damit ist der Absatz der Anlage mit einer Kapazität von 5,3 Millionen Tonnen zunächst zum Teil gesichert. Nach der geplanten Vereinbarung müsste Thyssen nachträglich den Verkaufspreis reduzieren, wenn sich der Stahlpreis oder das Werk weniger gut entwickelten als gedacht, hatten Insider Reuters berichtet. "Thyssen kann am Ende zufrieden sein, wenn sie nichts zurückzahlen müssen", sagte einer.

Fünf Milliarden Euro Schulden

Im Geschäftsjahr 2012/13 fuhr Thyssen-Krupp einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro ein - im Vorjahr waren es allerdings fünf Milliarden Euro Miese gewesen. Eine Dividende soll es wieder nicht geben. Den Konzern drückten zum Ende des Geschäftsjahres (per Ende September) Schulden von fünf Milliarden Euro. Auch die Eigenkapitalquote schrumpfte weiter und lag zum Ende des Geschäftsjahres bei 7,1 Prozent. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) der fortgeführten Geschäfte sei inklusive der amerikanischen Stahlwerke auf 599 Millionen Euro von 399 Millionen Euro gestiegen. Im laufenden Geschäftsjahr solle dieser Wert auf eine Milliarde Euro steigen. Nähere Angaben will Hiesinger am Samstag bei einer Pressekonferenz (13.00 Uhr) machen.

Neben den Stahlwerken in Amerika schwächelten auch andere Bereiche des Konzerns. So erzielte die europäische Stahlsparte ein bereinigtes Ebit von 143 Millionen Euro: 42 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch die Geschäfte mit Autoteilen und Dienstleistungen litten unter Rückgängen. Die Aufzugssparte, die Hiesinger mit Zukäufen stärken will, konnte dagegen operativ um 15 Prozent auf 675 Millionen Euro zulegen.

Thyssen-Krupp macht Outokumpu-Deal rückgängig

Abstriche muss Thyssen im Nachhinein nun auch noch beim Verkauf seiner Edelstahltochter Inoxum machen. Dieser Deal mit Transaktionsvolumen von 2,7 Milliarden Euro war im vergangenen Jahr von der Börse gefeiert worden. ThyssenKrupp hatte das Unternehmen an Outokumpu verkauft und den Finnen dabei einen Kredit von rund 1,25 Milliarden Euro gegeben, den Outokumpu nun doch nicht zahlen muss. Stattdessen nimmt ThyssenKrupp das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den Werkstoffhersteller VDM zurück.

Auch Outokumpu drücken Milliardenschulden. Der Konzern hatte vergeblich versucht, Terni unter dem Druck der EU-Kommission zu veräußern. ThyssenKrupp kündigte an, sich auch von seinem Anteil von 29,9 Prozent an Outokumpu zu trennen. "Die Veräußerung der Anteile wird in Erwartung einer Kapitalerhöhung bei Outokumpu voraussichtlich zu einem signifikanten Verlust auf unseren bilanzierten Beteiligungsbuchwert von 305 Mio Euro führen." (Reuters/dpa)

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