Heizkosten

Warum Ablesedienste wie Ista auf dem Prüfstand stehen

Ista-Chef Thomas Zinnöcker verteidigt das Geschäftsmodell der Ablesedienste. Kunden sind Vermieter, aber zahlen müssen die Mieter.

Ista-Chef Thomas Zinnöcker verteidigt das Geschäftsmodell der Ablesedienste. Kunden sind Vermieter, aber zahlen müssen die Mieter.

Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Bei Unternehmen wie Techem und Ista schaut das Kartellamt derzeit genauer hin. Ista-Chef Thomas Zinnöcker verteidigt das Geschäftsmodell.

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Heizkostenableser wie Techem und die Essener Firma Ista werden vom Kartellamt kritisch ­beäugt. Mieterschützer klagen schon länger über zu wenig Wettbewerb und hohe Preise. Im Interview stellt sich Ista-Chef Thomas Zinnöcker der Kritik.

Mieter in bundesweit rund 4,5 Millionen Wohnungen zahlen für das, was Ista macht: Sie ermitteln in Mehrfamilienhäusern mit einer Zentralheizung, wie viel die Leute geheizt haben und was die Wärme jeweils kostet. Ihre Kunden sind Vermieter und Verwalter, die Kosten tragen aber die Mieter. Fair ist das nicht – oder?

Thomas Zinnöcker: Das ist absolut fair. 90 Prozent aller Mehrfamilienhäuser werden zentral beheizt. Damit aber niemand für den Nachbarn mitbezahlen muss, ist der Vermieter verpflichtet, für jeden einzelnen Mieter eine individuelle Abrechnung zu erstellen. Dabei helfen wir.

Wie es scheint, machen Sie ziemlich gute Geschäfte. Die Vermutung liegt nahe, dass die Preise mangels Wettbewerb zu hoch sind.

Zinnöcker: Davon kann keine Rede sein. Unsere Kunden achten sehr genau darauf, dass wir nicht zu teuer sind. Denn sie haben das Interesse, dass die Nebenkosten für die Mieter nicht zu hoch sind. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung fallen für einen Mieter je nach Standort jährlich zwischen 50 und 100 Euro für unsere Dienstleistung an. Dafür hat er volle Transparenz über seinen Verbrauch. Im Durchschnitt sparen Mieter so 20 Prozent ihrer jährlichen Heizkosten wieder ein.

Bei Erlösen von rund 628 Millionen Euro kamen zuletzt innerhalb von neun Monaten 267 Millionen Euro als Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in die Kasse. Die Marge liegt bei satten 42 Prozent.

Zinnöcker: Das ist aber nicht unser Gewinn. Ziehen Sie davon unsere jährlichen Investitionen ab, ist die Marge wesentlich geringer. Wenn wir börsennotiert wären, hätten wir eine Dividendenrendite von drei bis vier Prozent im Jahr. Das trifft es besser.

Das Bundeskartellamt schaut bei Ihnen und Konkurrenten wie Techem nun im Zuge einer Sektoruntersuchung genauer hin. Wundert Sie das?

Zinnöcker: Wir hatten sehr konstruktive Gespräche mit dem Kartellamt. Ich bin mit Blick auf das Ergebnis der Untersuchung sehr zuversichtlich. Meine Fantasie reicht nicht aus, um mir vorzustellen, dass wir aus Sicht des Amtes alles anders machen sollten.

Ista gehört derzeit dem Finanzinvestor CVC, der auch mal am Essener Chemiekonzern Evonik beteiligt war. CVC prüft einen Verkauf von Ista. Stimmt es, dass eine Entscheidung kurz bevorsteht?

Zinnöcker: Es gibt bisher keine Entscheidung über einen Verkauf. Ich persönlich wünsche mir einen langfristigen Investor. Ich denke an einen Zeitraum von zehn oder 15 Jahren.

Bundesweit gibt es rund 18 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit einer zentralen Energieversorgung. Sie kommen auf einen Marktanteil von rund 27 Prozent. Der Anteil von Techem liegt sogar noch etwas höher. Wie soll bei einem solchen Duopol echter Wettbewerb entstehen, zumal die Ablesegeräte der Anbieter nicht kompatibel sind?

Zinnöcker: Wir erleben jeden Tag, wie scharf die Konkurrenz ist. Regelmäßig entscheiden sich Kunden für einen Wechsel.

Bis zum Jahr 2003 war Ista noch Teil des Energiekonzerns Eon. Digitalisierung und Effizienz sind für die Stromversorger aktuell große Themen. Kämpfen Sie künftig mit ähnlichen Dienstleistungen um die Kunden wie Eon, Innogy und Co.?

Zinnöcker: Wir sehen, dass sich die großen Energieversorger intensiv mit Themen beschäftigen, die nahe an unserem Geschäftsmodell sind. Gleiches gilt für Konzerne wie Google. Unser Vorteil ist unsere starke Ausgangsposition. Wir sind weltweit in zwölf Millionen Wohnungen – und damit sehr nah beim Kunden.

Bislang ist eine jährliche Verbrauchsabrechnung üblich. Das klingt nicht gerade nach einer digitalen Revolution. Wann versorgen Sie die Mieter schneller als bisher – etwa mit Daten über ihren täglichen oder monatlichen Verbrauch?

Zinnöcker: Hier sehen wir ein großes Potenzial. Mit der Funktechnologie, über die wir verfügen, könnten wir die Mieter viel häufiger als bisher informieren. Derzeit läuft hierzu ein Pilotprojekt in Berlin, München und Essen. Klar ist: Mehr Transparenz schafft mehr Effizienz. Die Einsparpotenziale bei den Heizkosten sind viel größer als beim Strom. Die Vorteile in Sachen Klimaschutz liegen auf der Hand.

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