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Verdi-Warnstreik in NRW: 30.000 legen ihre Arbeit nieder

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Dienstag NRW-weit im Öffentlichen Dienst zum Warnstreik aufgerufen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Dienstag NRW-weit im Öffentlichen Dienst zum Warnstreik aufgerufen.

Foto: Jens Plaum

Essen.  Rathäuser, Kitas, Nahverkehr: Die Gewerkschaft Verdi hat am Dienstag ihre Warnstreiks fortgesetzt. Der Überblick, wo in NRW gestreikt wird.

  • Die Gewerkschaft Verdi hat am Dienstag ihre Warnstreiks im Öffentlichen Dienst fortgesetzt. 30.000 Bedienstete haben nach eigenen Angaben die Arbeit niedergelegt.
  • In vielen Orten in NRW waren auch Kitas betroffen: Auch hier hat Verdi zum Warnstreik aufgerufen.
  • Die Gewerkschaft fordert auch bessere Arbeitsbedingungen für die Belegschaft, etwa eine maximale Arbeitszeit im Fahrdienst auf zehn Stunden. Bislang sind es zwölf Stunden.

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes hat die Gewerkschaft Verdi ihre Warnstreiks am Dienstag in ganz Nordrhein-Westfalen fortgesetzt. 30.000 Beschäftigte seien dem Streikaufruf gefolgt, teilte die Gewerkschaft am Dienstagnachmittag mit.

„Wir haben den Nahverkehr flächendeckend bestreikt. In den größeren Städten in NRW waren Straßenbahnen und Busse damit lahmgelegt“, sagte eine Verdi-Sprecherin am Nachmittag. Auch in Stadtverwaltungen und vielen städtischen Kitas und Kliniken landesweit traten Mitarbeiter in den Ausstand.

Große Streikversammlungen in Köln, Essen und Dortmund

In Bereich ÖPNV legten nach Angaben der Gewerkschaft am Dienstag rund 13.000 Beschäftigte bei den Verkehrsverbünden die Arbeit nieder. „Wir ziehen ein zufriedene Fazit“, sagte Peter Büddicker vom Landesfachbereich Verkehr bei Verdi am Mittag.

Bei den größeren Streikversammlungen in Dortmund, Köln und Essen gingen insgesamt 10.000 Mitarbeiter auf die Straße, um ihren Tarifforderungen Nachdruck zu verleihen. „Das sind aufgrund der Corona-Lage weniger als sonst, aber weitere haben in der Nähe ihrer Betriebe gestreikt“, sagte die Sprecherin. „Es ist uns an diesem Tag gelungen, ein deutliches Zeichen zu setzen.“

Traifverhandlungen für 2,3 Millionen Beschäftigte gehen weiter

Die Tarifverhandlungen werden am kommenden Donnerstag und Freitag fortgesetzt. Für Mittwoch seien keine Aktionen geplant. Verdi fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen bei einer einjährigen Laufzeit 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber hatten zuletzt schrittweise Lohnerhöhungen von insgesamt 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren angeboten.

Seit der vergangenen Woche haben sich laut Verdi in Nordrhein-Westfalen mehr als 100.000 Menschen an den Warnstreiks beteiligt. Im Land sind demnach mehr als 550.000 Tarifbeschäftigte von den Verhandlungen betroffen. Am Montag hatten laut Verdi knapp 8000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, berichtete die Gewerkschaft.

Verdi will maximale Arbeitszeit im Fahrdienst senken

In Düsseldorf stellten am Montag und am Dienstag alle U-Bahnen, Straßenbahnen- und Buslinien den Verkehr ein. In Köln fuhren laut den Verkehrsbetrieben keine Stadtbahnen, Busse waren nur vereinzelt unterwegs. Auch in Essen, Mülheim an der Ruhr und etlichen anderen Städten standen Busse und Bahnen. Allerdings war der Streik nicht flächendeckend. Etwa in Dortmund, Duisburg oder Bochum rollte laut Verdi der Nahverkehr. Am Dienstag sollte Verdi zufolge noch mehr Bürger ohne Busse und Bahnen auskommen müssen. Der Streikaufruf für den öffentlichen Verkehr wurde auf alle NRW-Städte ausgeweitet.

Dabei geht es allerdings um einen anderen Tarifkonflikt, und zwar um den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Dessen Entgeltvereinbarung übernehmen die Nahverkehrsbetriebe, daher werden sich deren Beschäftigten am Arbeitskampf um diesen Vertrag beteiligen. Regionalzüge und S-Bahnen sind von den Arbeitsniederlegungen nicht betroffen.

Warnstreik in NRW: Wo Busse und Bahnen in den Depots bleiben

In vielen Städten an Rhein und Ruhr bleiben Busse und Bahnen am Dienstag von Betriebsbeginn bis -schluss im Depot, so kündigen örtliche Verkehrsunternehmen an:

  • Am Dienstag wird der Nahverkehr der Bogestra, die unter anderen Bochum, Gelsenkirchen und Herne bedient, komplett stillliegen. Von Betriebsbeginn bis -ende gibt es im gesamten Betriebsgebiet keine Bus- und Bahnfahrten. Auch Fahrten durch Fremdunternehmen im Auftrag der Bogestra fallen aus. (Lesen Sie hier mehr)
  • Bus- und Bahnnutzer in Duisburg werden sich ebenfalls mit der Suche nach anderen Fortbewegungsmöglichkeiten beschäftigen müssen. Für Dienstag, den 20. Oktober, kündigt Verdi den nächsten ganztägigen Streik bei der DVG an. Mehr Infos finden Sie hier
  • Nachdem Montag nur die Mitarbeiter in den Kundencentern der DSW21 in Dortmund und die Fahrkartenkontrolleure zum Warnstreik aufgerufen waren, soll am Dienstag der komplette Nahverkehr der DSW21 bestreikt werden.
  • Auch in Essen und Mülheim fährt am Dienstag kein Bus und keine Bahn, hat die Ruhrbahn erklärt. (Nähere Infos finden Sie hier)
  • Die Gewerkschaften verlängern den Warnstreik im ÖPNV in Gladbeck um einen weiteren Tag. Die Vestische legt den Betrieb auch am 20. Oktober still. (Mehr Infos hier)
  • Beim Hagener Nahverkehrsbetrieb sind ebenfalls Streik angekündigt.Einen Notfahrplan wird es nicht geben. (Mehr Infos hier)
  • Am Dienstag werden die HCR-Busse in Herne das Depot nicht verlassen können. (Lesen Sie hier mehr)
  • Und auch die Vestische verlängert ihren Streik: Auch am Dienstag, 20. Oktober, müssen die Busse auf den Betriebshöfen in Herten und Bottrop stehen bleiben. (Mehr Infos finden Sie hier)
  • Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes auch in Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn zum Warnstreik auf. (Mehr Infos hier)
  • Pendler in Wetter und Herdecke sollten am Montag und Dienstag einen Plan B in der Tasche haben. Der Busverkehr wird erneut bestreikt. (Mehr Infos hier)
  • Auch die Beschäftigten der Bogestra in Witten legen ihre Arbeit nieder. (Mehr Infos hier)

Warnstreik in NRW: In diesen Städten sind auch die Kitas betroffen

  • Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats trifft ein Streik der Gewerkschaft Verdi in Duisburg die Kitas. Nach Angaben der Stadt sind am Dienstag 53 Einrichtungen im Stadtgebiet von den Warnstreiks betroffen. 13 von ihnen werden komplett bestreikt und bleiben zu (Mehr Infos hier).
  • In Dortmund sind neben der DSW21, Kliniken und Stadtverwaltung auch die Mitarbeiter der Fabido-Tageseinrichtungen für Kinder zum Warnstreik aufgerufen. Ob die Tageseinrichtung bestreikt wird, erfahren Eltern vor Ort.
  • Für die Essener besonders spürbar: Die Entsorgungsbetriebe und die städtischen Kitas werden ebenfalls am Dienstag wieder bestreikt. Viele Eltern müssen also sehen, wie sie ihre Kinder betreuen, zudem bleiben die Tonnen ungeleert. Auch diesmal wird die Leerung wohl nicht nachgeholt. (Mehr Infos hier)
  • Auch in Gelsenkirchen müssen Eltern am Dienstag mit einer Schließung der städtischen Kitas in der Stadt rechnen. Voraussichtlich wird es Angebote für Notgruppen geben, die Umsetzung dürfte jedoch in Corona-Zeiten wegen des Infektionsschutzes extrem schwierig werden. Wie viele der Kitas und Mitarbeiter sich daran beteiligen werden, ist noch offen, da der Streik wohl auch unter Mitarbeitern nicht ganz unumstritten ist. (Mehr Infos hier)
  • Nicht nur der ÖPNV wird am Dienstag in Herne bestreikt, auch Stadtverwaltung und Kitas bleiben geschlossen. Verdi hat zum Warnstreik aufgerufen. (Mehr Infos hier)
  • Verdi ruft am Dienstag Beschäftigte der Mülheimer Verwaltung zum Streik auf. Auch Kitas werden bestreikt. (Mehr Infos hier)
  • In Oberhausen kommt es am Dienstag erneut zu Warnstreiks im Öffentlichen Dienst. Diesmal sollen auch Beschäftigte in Kitas Arbeit niederlegen. (Mehr Infos hier)

Warnstreik-Aufruf für alle kommunalen Nahverkehrsbetriebe

Verdi betonte, im Vergleich zum Jahr 2000 sei die Zahl der Beschäftigten im ÖPNV um 18 Prozent geschrumpft, während die Anzahl der Fahrgäste im gleichen Zeitraum um ein Viertel zugenommen habe. Aufgrund der Belastungen komme es zu überdurchschnittlich hohen Krankenständen und der Anhäufung von Überstunden. Außerdem ließen der knapp bemessene Fahrplan, hohes Verkehrsaufkommen und steigende Fahrgastzahlen die Pausen verschwinden. Für die Fahrerinnen und Fahrer gebe es außerdem keinerlei Zulagen für den Schichtdienst.

Zum Warnstreik seien alle Betriebe aufgerufen, die unter den Tarifvertrag des Nahverkehrs in NRW fallen, heißt es in der Mitteilung der Gewerkschaft. Die Beschäftigten hätten am vergangenen Dienstag gezeigt, dass sie bereit seien, in großer Zahl in den Warnstreik zu treten.

Als Folge der Corona-Pandemie ist die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen unterdessen stark zurückgegangen. Inzwischen sind zwar wieder mehr Menschen mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs, die Zahlen von vor der Krise werden aber noch nicht wieder reicht. So berichtet etwa die Düsseldorfer Rheinbahn, dass die Zahl der Fahrgäste aktuell bei 70 Prozent des Werts vom Oktober vergangenen Jahres liege. (red mit dpa)

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