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Widia-Werk in Essen vor dem Aus – US-Mutter verteidigt Pläne

Dem Widia-Werk in Essen droht das Aus.

Dem Widia-Werk in Essen droht das Aus.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Dem einstigen Krupp-Betrieb Widia droht das Aus. Der US-Konzern Kennametal verteidigt die Schließungspläne für das Werk in Essen.

Die Unternehmensführung des US-Konzerns Kennametal verteidigt die Pläne zur Schließung des traditionsreichen Widia-Werks in Essen. „Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind schmerzhaft, aber sie sind notwendig“, sagte Firmenchef Christopher Rossi. Ziel sei es, „strukturelle Verbesserungen zu erreichen, unsere operative Effizienz weiter zu verbessern und Mehrwert für unsere Anteilseigner zu generieren“. Rossi fügte hinzu: „Wir sind uns der Auswirkungen dieser Planungsvorschläge auf die Belegschaft bewusst und werden eng mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen zusammenarbeiten, um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei diesem Übergang zu unterstützen.“

Der Betriebsrat des traditionsreichen Essener Hartmetallherstellers Widia ist eigenen Angaben zufolge am Donnerstag vom Management darüber informiert worden, dass Kennametal die deutschen Standorte in Essen, Lichtenau und das Logistik-Zentrum im saarländischen Neunkirchen aufgeben wolle. In Essen sind nach Angaben der Arbeitnehmervertreter knapp 400 Beschäftigte betroffen, in Lichtenau gehe es um 130 und in Neunkirchen um 90 Mitarbeiter.

Kennametal will „schlankere Unternehmensstruktur“

Kennametal erklärte, die geplanten Veränderungen hätten das Ziel, „eine weniger komplexe und schlankere Unternehmensstruktur zu schaffen“. Das Unternehmen wolle weltweit seine Aktivitäten optimieren und habe daher „den Vorschlag zur Schließung seiner Produktionsstätte in Essen und zweier weiterer Standorte in Deutschland“ vorgelegt. Das Unternehmen wolle die Essener Geschäftsaktivitäten, die sowohl Kennametal- als auch Widia-Markenprodukte betreffen, auf andere Standorte übertragen. Über die weitere Ausgestaltung der Pläne zur Werksschließung werde in Verhandlungen mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen entschieden, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Der Betriebsrat erklärte, ein Zeitplan für die Schließung des Essener Werks sei vom Management auch auf Nachfrage nicht genannt worden. Einer Pressemitteilung des US-Unternehmens für den Börsenplatz Wallstreet sei jedoch zu entnehmen, dass der Betrieb in Essen noch in diesem Geschäftsjahr eingestellt werden sollte, also bis Juni 2020.

„Unsere Produkte zu verlagern, halten wir für völlig unmöglich“

Das Widia-Werk in Essen gehörte einst zum Stahlkonzern Krupp. Widia („Wie Diamanten“) ist auf die Herstellung von Hartmetall spezialisiert. Die Basis ist ein Patent aus dem Jahr 1927. Derzeit stellt Widia sogenannte Wendeschneidplatten zum Fräsen her. Die Produkte kommen unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz.

Nach Angaben des Betriebsrats plant der Mutterkonzern, die Produktion in Niedriglohnwerke im chinesischen Tianjing sowie ins US-amerikanische Solon zu verlagern. „Die Entscheidung ist am Schreibtisch in den USA gefallen“, sagte der langjährige Widia-Betriebsratschef Wolfgang Freye. „Unsere Produkte zu verlagern, halten wir für völlig unmöglich.“ Bei den in Essen und Lichtenau gefertigten Produkten handele es sich um hochkomplexe Werkzeuge, in deren Fertigung jahrelange Erfahrung einfließe.

Widia-Betriebsrat will Alternativkonzept für Werk erarbeiten

„Wir werden für den Erhalt des Werks kämpfen“, kündigte der neue Widia-Betriebsratsvorsitzende Peter Wunderlich an. Dem Kennametal-Konzern gehe es gut, betonte er. Sowohl die Umsätze als auch die Gewinne seien im gerade beendeten Geschäftsjahr weiter gestiegen. „Auch das Werk Essen läuft gut.“

Die Betriebsräte rechneten damit, in der kommenden Woche über die Konzepte der Unternehmensleitung näher informiert zu werden. Ziel der Arbeitnehmervertreter sei es, ein Alternativkonzept zu erarbeiten, um die Konzernleitung vom Erhalt des Essener Werks zu überzeugen.

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