Energie

Uniper sieht lange Zukunft für Kohlekraftwerk Datteln

Klaus Schäfer

Foto: Sebastian Konopka

Klaus Schäfer Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Uniper-Chef Klaus Schäfer sagt, das umstrittene neue Kohlekraftwerk in Datteln könne „von der Technik her 40 oder 50 Jahre laufen“.

Mit der Zweiteilung des Eon-Konzerns sind fast 13 000 Beschäftigte zum Kraftwerksbetreiber Uniper gewechselt. Vorstandschef Klaus Schäfer erläutert im Gespräch mit Andreas Tyrock, Stefan Schulte und Ulf Meinke, welche Pläne er für Uniper verfolgt.

NRW hat gewählt. Das Ende der rot-grünen Regierung ist besiegelt. Ist das gut für Uniper?

Schäfer: Die politischen Farbenspiele sind mir nicht so wichtig, mich interessieren die Inhalte – eine gute Infrastruktur zum Beispiel und natürlich die richtige Energiepolitik. NRW ist für Uniper ein ganz wichtiger Standort. Etwa ein Viertel unserer rund 13 000 Beschäftigten arbeitet hier. NRW hat das Potenzial, besser dazustehen als derzeit. Wenn sich das Land gut entwickelt, hilft uns das. Umgekehrt hilft es NRW, wenn die Unternehmen im Land erfolgreich sind. Als Münchner kenne ich ja das Motto Mia san Mia ganz gut. Ein bisschen mehr von diesem Selbstvertrauen würde ich mir auch in NRW wünschen.

Was erhoffen Sie sich von der neuen NRW-Landesregierung?

Schäfer: Sie sollte die Wirtschaft ins Zentrum der Politik rücken. Es geht darum, die Unternehmen zu beflügeln – und nicht einzuengen oder zu blockieren. In der Energiepolitik steht aus meiner Sicht das Thema Versorgungssicherheit ganz oben auf der Liste der Aufgaben. Meine Hoffnung ist, dass die künftige Landesregierung dahingehend ihren Einfluss im Bund geltend macht.

Für den Posten des NRW-Wirtschaftsministers wird auch ein Eon-Manager gehandelt: Andreas Reichel. Freut Sie das?

Schäfer: Ich spekuliere nicht über Personen. Grundsätzlich wäre es auch zu kurz gesprungen, von der Herkunft auf die Zukunft zu schließen.

Im September wird auch auf Bundesebene gewählt. Unternehmen wie RWE und Uniper hoffen schon seit geraumer Zeit auf einen sogenannten Kapazitätsmarkt. Die Idee: Auch Kraftwerke, die nur gelegentlich arbeiten, sollen Geld erhalten. Sigmar Gabriel hat das mal „Hartz 4 für Kraftwerke“ genannt.

Schäfer: Ich finde die Bezeichnung unsäglich. Ich denke dabei vor allem an die Menschen, die jeden Tag im Kraftwerk ihren Job machen. Es wird der Eindruck erweckt, sie würden Ersatzleistungen bekommen. Es kommt doch auch niemand auf die Idee, einem Fußballer, der auf der Ersatzbank sitzt, das Gehalt zu streichen. Und wenn ein Kunde einen Taxifahrer bittet, mit dem Auto vor der Tür zu warten, gibt es dafür auch eine Bezahlung. Mit unseren Kraftwerken ist es ähnlich: Sie bringen Leistung, wenn sie gebraucht werden. Aber dafür fließt im Moment zu wenig Geld.

Wenn Ihre Idee Realität würde, müssten die Menschen vermutlich noch mehr für ihren Strom bezahlen.

Schäfer: Ich erwarte davon keine großen Auswirkungen auf die Preise. Am Ende brauchen wir eine faire und marktgerechte Vergütung, wie sie in Ländern wie England, Frankreich und Schweden bereits üblich ist.

Das neue Uniper-Kraftwerk in Datteln ist zum Inbegriff für den Streit um die Kohle geworden. Nun wird die Anlage aller Voraussicht nach ans Netz gehen. Doch wann ist Schluss mit der Kohleverstromung in Deutschland?

Schäfer: Datteln 4 wird das letzte große Kohlekraftwerk in Deutschland sein. Aber klar ist auch: Wir gehen von einem langfristigen Betrieb aus. Wir haben eine unbeschränkte Betriebsgenehmigung, und von der Technik her könnte die Anlage 40 oder 50 Jahre laufen.

Das Kraftwerk in Datteln soll im großen Stil Strom für die Deutsche Bahn liefern. Dabei will sich die Bahn als klimafreundlicher Anbieter profilieren. Wie passt das zusammen?

Schäfer: Datteln 4 ist ein hochmodernes und sehr effizientes Kraftwerk. Die Bahn benötigt auch eine sichere Stromversorgung, wenn es eine Dunkelflaute gibt, also an windstillen und stark bewölkten Tagen. Zudem haben wir für Datteln 4 etliche ältere Kraftwerke in der Region stillgelegt.

Sehen Sie die Gefahr eines Blackouts im deutschen Stromnetz?

Schäfer: Gott sei Dank hat es einen größeren Stromausfall zuletzt nicht gegeben. Und wir tun alles dafür, dass es nicht dazu kommt. Richtig ist aber auch: Unsere Energieversorgung ist unsicherer geworden. Das lässt sich auch daran ablesen, wie häufig die Netzbetreiber eingreifen müssen, um Schlimmeres zu verhindern.

Uniper gehört auch eines der modernsten Gaskraftwerke Europas: Irsching in Bayern. Trotzdem erwägen Sie eine Stilllegung der Anlage. Warum?

Schäfer: Am liebsten würde ich das Kraftwerk im Volllastbetrieb laufen lassen. Aber das rechnet sich derzeit nicht. Das hat mit dem Vorrang von Energie aus Wind und Photovoltaik zu tun, aber auch mit den Rohstoffkosten im Vergleich zu Stein- und Braunkohle. Ich hoffe, dass die Politik durch entsprechende Entscheidungen dafür sorgt, dass hochmoderne Gaskraftwerke in Deutschland eine Zukunft haben. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, ein Kraftwerk zu erhalten, mit dem wir kein Geld verdienen.

Was schwebt Ihnen vor?

Schäfer: Gas sollte künftig im Energiemix eine wichtigere Rolle spielen. Dafür ist der Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid viel zu niedrig. Eigentlich ist es doch das Ziel der Energiewende, dass der CO2-Ausstoß sinkt. Die Energiewende hat in den letzten fünf Jahren aber nicht zu sinkenden Emissionen geführt. Erfolgreich ist die Energiewende also noch nicht.

Ist es denkbar, dass Sie neue Gaskraftwerke bauen?

Schäfer: Nicht heute, aber grundsätzlich ausschließen würde ich einen Neubau nicht. Deutschland wird in absehbarer Zeit zusätzliche Kraftwerke brauchen. Aber damit jemand Geld in die Hand nimmt, müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Als Abspaltung von Eon wurde Uniper zunächst als eine Art „Bad Bank“ des Konzerns verspottet. Doch während Eon aktuell unter Druck steht, ist der Aktienkurs von Uniper seit dem Start an der Börse kräftig gestiegen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Schäfer: Ich kann nur über Uniper sprechen. Es ist uns gelungen, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens unter Beweis zu stellen. Dabei spielen viele Themen eine Rolle – angefangen bei der Finanzierung über das Portfolio bis zu Kostensenkungen.

Sie planen einen eisernen Sparkurs im Konzern. Die Kosten pro Jahr sollen um 400 Millionen Euro sinken. Bis Ende 2018 wollen Sie das Ziel realisieren. Wie viele Arbeitsplätze wird das kosten?

Schäfer: Wir befinden uns in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern, die wir gerne vertraulich führen möchten. Sobald diese abgeschlossen sind, sprechen wir auch öffentlich darüber.

Ende vergangenen Jahres gehörten rund 13 000 Beschäftigte zu Uniper – etwa 1000 Mitarbeiter weniger als zwölf Monate zuvor. Wird der Abbau so weitergehen? Aktuell sind außerdem finanzielle Einbußen für die Beschäftigten im Gespräch. Worauf müssen sich die Mitarbeiter einstellen?

Schäfer: Auch hierzu laufen derzeit Gespräche mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten, die ich nicht kommentieren möchte, solange keine Verhandlungsergebnisse vorliegen. Was die von Ihnen genannten Zahlen betrifft: Die Veränderung ist im Wesentlichen auf eine Reihe von Effekten aus der Abspaltung von Eon, auf die Schließung von Kraftwerken und auf die Streichung nicht besetzter Stellen zurückzuführen.

Passt es angesichts des Sparkurses ins Bild, dass Ihr Vorstandskollege Keith Martin im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von knapp 7,26 Millionen Euro erhalten hat – übrigens fast doppelt so viel wie Sie selbst als Vorstandschef?

Schäfer: Es handelt sich um Ausgleichszahlungen für Keith Martin unter anderem aufgrund von garantierten Bonuszusagen seines vormaligen Arbeitgebers – ein international gängiges Prozedere. Keith Martin hat bei großen internationalen Konzernen wie Shell, Gazprom und Petrochina gearbeitet. Uniper hilft es sehr, einen kompetenten und erfahrenen Mann wie ihn im Vorstand zu haben.

Verordnet sich der Vorstand auch selbst und nicht nur den Mitarbeitern einen Sparkurs?

Schäfer: Wenn wir sparen, muss das ganze Unternehmen mitziehen. Auch der Vorstand wird sich dem nicht verschließen. Es muss insgesamt fair sein für alle.

Eon will sich in absehbarer Zeit von einer Vielzahl weiterer Uniper-Anteile trennen. Ist Uniper damit nicht automatisch ein Übernahmeziel?

Schäfer: Es war von Anfang an geplant und es ist richtig, dass sich Eon von diesen Anteilen trennt. Wir haben Interesse an Aktionären, die langfristig an der Entwicklung von Uniper interessiert sind. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 5,7 Milliarden Euro sehen wir eine gute Basis für unsere künftige Entwicklung.

Unlängst gab es Spekulationen zu möglichen Fusionen in der Energiebranche. Passen RWE und Uniper zusammen?

Schäfer: Ich halte generell nicht viel von derartigen Spekulationen. Ich widme meine Zeit lieber Zukunftsthemen und Innovationen. Ich denke zum Beispiel an die Batterietechnologie oder die Umwandlung von Strom zu Gas beziehungsweise Wärme.

Uniper ist auch ein Produkt von Fusionen. Ruhrgas ging in Eon auf. Viele Teile von Ruhrgas finden sich jetzt in Uniper wieder. Wie sehr prägt diese Tradition noch den heutigen Konzern?

Schäfer: Was Ruhrgas bei Eon und später bei uns eingebracht hat, ist an vielen Stellen noch prägend im Unternehmen. Beispielsweise gibt es eine lange Tradition der Zusammenarbeit mit Russland. Von der Akzeptanz, die Ruhrgas aufgebaut hat, profitieren wir heute.

Sie waren Ruhrgas-Chef, Eon-Finanzvorstand, jetzt sind Sie Uniper-Chef. Sie sind außerdem ein paar Jahre jünger als Eon-Chef Johannes Teyssen. Können Sie sich vorstellen, irgendwann sein Nachfolger zu werden?

Schäfer: Ich habe bei Uniper einen Fünf-Jahres-Vertrag, und die Arbeit macht mir großen Spaß. Ich kann mir im Moment nichts Besseres vorstellen, als Uniper-Chef zu sein.

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