Übernahmeangebot

Metro: Kretinskys Übernahmeangebot ist zu gering

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will die Metro komplett übernehmen.

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will die Metro komplett übernehmen.

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Düsseldorf.  Der tschechische Milliardär Kretisnky will den Handelskonzern Metro komplett übernehmen. Vorstand und Aufsichtsrat halten Angebot für zu gering.

Das Angebot des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky, den Düsseldorfer Handelskonzern Metro komplett zu übernehmen, kam nicht überraschend. Dennoch trifft die Offerte das Unternehmen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Metro-Chef Olaf Koch will die kriselnde SB-Warenhauskette Real loswerden und steckt mitten in Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos. Nach früheren Angaben soll der Deal im Juli stehen.

Tschechischer Milliardär greift nach der Metro Ob Kretinsky beim deutschen Traditionskonzern Metro künftig das Sagen haben wird, ist noch nicht ausgemacht. Die bisherigen Aktionäre müssen das Angbot seiner Firma EP Global Commerce vom späten Freitagabend erst einmal annehmen. Kretinsky und sein slowakischer Kompagnon Patrik Tkac bieten an, für jede Stammaktie 16 Euro und für jede Vorzugsaktie 13,80 Euro des im MDax notierten Unternehmens zu zahlen. EP gehörten nach Angaben der Metro AG auf ihrer Homepage zuletzt 10,91 Prozent des Handelskonzerns. Über Aktienkäufe und Kaufoptionen hat sich EP aber bereits den Zugriff auf mehr als 30 Prozent der Anteile gesichert.

Aufsichtsrat und Vorstand erklärten am Sonntag, dass sie das Übernahmeangebot für zu gering hielten. Es handele sich dabei um eine „erhebliche Unterbewertung des Unternehmens“. Die Metro empfiehlt ihren Aktionären deshalb, „bis zur Veröffentlichung der begründeten Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat zum Übernahmeangebot keine Maßnahmen zu ergreifen“.

Metro hat Wurzeln im Ruhrgebiet

Der Duisburger Familienkonzern Haniel, bislang größter Anteilseigner der Metro, will nun die mit Kretinsky ausgehandelte Option ziehen und auch sein restliches Aktienpaket an den Tschechen verkauften. Und zwar zu den Konditionen des Angebots, das auf dem Tisch liegt, wie ein Haniel-Sprecher am Sonntag unserer Redaktion bestätigte.. EP hat nach eigenen Angaben die „volle Unterstützung des Hauptaktionärs Haniel“, der 15,2 Prozent hält.

Haniel-Chef Stephan Gemkow, der das Unternehmen in wenigen Wochen verlassen wird, hatte den Verkaufsprozess im August 2018 eingeleitet. Das Metro-Engagement hatte seinem Unternehmen hohe Verluste beschert.

Kretinsky muss aber auch andere Gesellschafter auf seine Seite ziehen, die große Aktienpakete an der Metro halten. Zu ihnen zählen nach Metro-Angaben neben Haniel die Meridian Stiftung der Duisburger Unternehmer-Familie Schmidt-Ruthenbeck (14,19 Prozent), die Beisheim Holding des gestorbenen Metro-Gründers Otto Beisheim (6,56 Prozent) sowie der Ceconomy AG (6,39 Prozent) mit den Elektronikketten Media Markt und Saturn. Im Streubesitz befinden sich demnach 46,76 Prozent. Die ersten Metro-Großmärkte wurden in den 60er Jahren in Essen und Mülheim eröffnet.

Kretinsky kommt aus der Energiebranche

Der 43 Jahre alte Finanzinvestor Kretinsky hatte seine Engagements zuvor auf die Energie- und Industriebranche konzentriert. Er ist auch in der ostdeutschen Braunkohle-Branche tätig. Kretisnky stammt aus einer gutbürgerlichen Familie - die Mutter war bis vor wenigen Jahren Verfassungsrichterin, der Vater Informatikprofessor. Haniel-Chef Gemkow, der Kretinsky mehrfach kennengelernt hatte, bezeichnet den Milliardär als verlässlich. Erfahrungen im Handel, zumal auf dem hart umkämpften deutschen Markt, hat er bislang aber nicht.

Kretinsky versicherte in seiner Erklärung vom Freitagabend, dass der Metro-Sitz in Düsseldorf bleiben solle und er alle Tarifverträge erfüllen wolle. Auch die Schließung von Metro-Großmärkten in Deutschland sei nicht geplant.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass Metro alle Voraussetzungen erfüllt, um ein langfristig erfolgreiches Unternehmen zu sein, das seinen Kunden Leistung mit hervorragendem Mehrwert und seinen Mitarbeitern eine attraktive Arbeitsumgebung bietet“, erklärte Kretisnky. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass unser Einstieg als Hauptaktionär die Möglichkeit schaffen wird, dem Management den erforderlichen Handlungsauftrag zu geben, die notwendigen Veränderungen im besten Interesse des Unternehmens, seiner Mitarbeiter, seiner Aktionäre, seiner Kunden und aller anderen Interessengruppen umzusetzen.“

Der Leidensweg bei Real geht weiter Er freue sich auf eine „konstruktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand und Aufsichtsrat der Metro“, sagte der Milliardär. Die Metro müsse wieder in der Lage sein, „schnell auf das sich dynamisch verändernde Marktumfeld zu reagieren“.

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