Konzernkrise

Thyssenkrupp – SPD und Grüne sehen Laschet weiter gefordert

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist auch Mitglied des Kuratoriums des Großaktionärs Krupp-Stiftung.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ist auch Mitglied des Kuratoriums des Großaktionärs Krupp-Stiftung.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Essen.  Angesichts der Krise von Thyssenkrupp sehen SPD und Grüne weiterhin NRW-Ministerpräsident Laschet gefordert. Denn es gibt noch offene Fragen.

Angesichts der schwierigen Situation von Thyssenkrupp sehen SPD und Grüne in NRW weiterhin Handlungsbedarf bei Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). „Vom Ministerpräsidenten erwarte ich, dass das Thema Thyssenkrupp Chefsache ist“, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, Sarah Philipp, unserer Redaktion. „Es bleiben viele offene Fragen, was die Zukunft der einzelnen Standorte angeht.“ Laschet müsse sich „für ein zukunftsfähiges Standortkonzept stark machen und Farbe bekennen, wie es weitergehen soll“.

Der Ministerpräsident hatte sich vor wenigen Tagen bei Thyssenkrupp eingeschaltet und nach Gesprächen mit dem Großaktionär Cevian erklärt, der Finanzinvestor plane nicht, Geld nach einem möglichen Verkauf der lukrativen Aufzug-Sparte aus dem Konzern zu ziehen. „Das ist eine wichtige Botschaft und ein Erfolg“, betonte Laschet. „Alle Erlöse müssen in die Zukunft des Unternehmens investiert werden. Das schafft Klarheit für die Mitarbeiter und Perspektiven für den Gesamtkonzern.“ Laschet ist auch Mitglied im Kuratorium der Essener Krupp-Stiftung, die noch vor Cevian der größte Aktionär des Stahl- und Industriegüterkonzerns mit seinen rund 160.000 Beschäftigten ist. Die IG Metall lobte Laschets Vorstoß.

„Gut, dass das Thema Sonderdividende bei Thyssenkrupp vom Tisch ist“

Die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur sagte unserer Redaktion, es sei „gut, dass das Thema Sonderdividende bei Thyssenkrupp vom Tisch ist“. Auch auf Druck der Grünen habe Laschet „seine zaudernde Beobachterrolle verlassen“, fügte Neubaur hinzu. „Allerdings ist damit erst ein kleiner Schritt getan: Es geht um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Konzerns – diese müssen die Sicherheit erhalten, dass Thyssenkrupp auf einem Weg in eine nachhaltige Zukunft ist.“

Neubauer sprach sich für finanzielle Anreize aus, die Thyssenkrupp bei einem Umbau zur klimaneutralen Stahlherstellung zu Gute kommen sollen. „Wir Grüne schlagen vor, die großen Investitionen zur CO2-Vermeidung im Stahlbereich finanziell auszugleichen, falls sich diese Vermeidung bei den derzeit niedrigen CO2-Preisen für die Unternehmen nicht lohnt“, sagte Neubaur. „Die Kosten dafür können über eine Klima-Umlage refinanziert werden, die auf die Endprodukte aufgeschlagen wird und die für heimische Produkte und Importe gleichermaßen gilt. Das wäre ein entscheidender Schritt für den Industriestandort NRW als weltweite Vorreiterregion.“

„Verzicht auf die Sonderdividende bedeutet keine endgültige Entwarnung“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hatte unlängst in einem Gespräch mit unserer Redaktion betont, im Stahlbereich seien „im kommenden Jahrzehnt Milliarden-Investitionen erforderlich, damit Thyssenkrupp langfristig weitgehend klimaneutral produzieren kann“. Die Landesregierung fördere Innovationen unter anderem mit der Initiative „in4Climate“ und setze sich beim Bund und der EU dafür ein, dass Klimaschutz der Industrie „nicht zu Nachteilen im internationalen Wettbewerb sowie zur Verlagerung erhöhter CO2-Emissionen ins Ausland führt“.

Die Duisburger SPD-Landtagsabgeordnete Sarah Philipp sagt: „Der Stahlstandort NRW hat Zukunft, dafür sind aber auch Investitionen notwendig. Dafür muss Laschet sich einsetzen. Der Verzicht auf die Sonderdividende bedeutet Durchatmen, aber keine endgültige Entwarnung.“

Wasserstoff soll Kohle im Stahlwerk ersetzen

Strengere Umwelt- und Klimaschutzauflagen setzen die Stahlhersteller unter Druck. Thyssenkrupp hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die Emissionen aus eigener Produktion und eingekaufter Energie um rund 30 Prozent zu senken. Derzeit fallen pro Jahr etwa 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid an. Ab dem Jahr 2050 will Thyssenkrupp klimaneutral sein, also in Summe keine Emissionen mehr verursachen.

Mit dieser Zielsetzung läutet der Revierkonzern auch das Ende der Hochöfen in der Stahlerzeugung ein, bei deren Produktion Kohlendioxid-Emissionen unvermeidlich sind. Um Klimaneutralität zu erreichen, müsste Thyssenkrupp sämtliche Hochöfen durch sogenannte Direktreduktionsanlagen auf Wasserstoffbasis ersetzen. Das Unternehmen spricht von der „Wasserstoffroute“. Langfristig will der Konzern „grünen Wasserstoff“ statt Kohle einsetzen, so dass bei der Stahlerzeugung erst gar kein CO2 entsteht.

Am Standort Duisburg arbeitet Thyssenkrupp bereits daran, die Kohle in der Stahlherstellung durch Wasserstoff zu ersetzen. Ein Pilotprojekt für den Hochofen 9 in Duisburg-Hamborn hat das Unternehmen Mitte April präsentiert.

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