Übernahme-Planspiele

Thyssenkrupp schielt auf Duisburger Stahlhändler KlöCo

Zurück in die Zukunft: In der Stahlproduktion und im Werkstoffhandel soll die Zukunft von Thyssenkrupp liegen.

Zurück in die Zukunft: In der Stahlproduktion und im Werkstoffhandel soll die Zukunft von Thyssenkrupp liegen.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Essen.  Bei Thyssenkrupp laufen Planspiele zur Übernahme des Duisburger Nachbarkonzerns KlöCo. Die Trennung von der Aufzugsparte wird wahrscheinlicher.

Beim angeschlagenen Essener Traditionskonzern Thyssenkrupp zeichnet sich ein weitreichender Umbau ab. Vorstandschef Guido Kerkhoff erwägt die Übernahme des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co (KlöCo). Gleichzeitig wird eine Trennung von der Aufzugsparte wahrscheinlicher.

Das „Handelsblatt“ berichtet unter Berufung auf Branchenkreise, es gebe bereits Gespräche beider Revierkonzerne über eine Übernahme von KlöCo durch Thyssenkrupp. „Das Vorhaben ist sehr konkret und hat gute Chancen, umgesetzt zu werden“, zitiert das Blatt eine Quelle im Umfeld der Verhandlungen.

Für den Essener Konzern wäre es der erste größere Zukauf seit der Verschmelzung von Krupp und Thyssen vor bald 20 Jahren. Im vergangenen Jahr erzielte Klöckner mit rund 8500 Beschäftigten einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro, Thyssenkrupps Werkstoffhandel kam auf gut das Doppelte. Fusioniert wären die beiden Gesellschaften der führende Werkstoffhändler in Europa und Nordamerika. Noch sei aber „nichts spruchreif“, hieß es in Konzernkreisen.

KlöCo-Chef Rühl hatte Spekulationen befeuert

„Wir werden uns in den Materialgeschäften auch weiterhin Konsolidierungsoptionen ansehen“, hatte Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff im Mai erklärt, ohne Namen von Unternehmen zu nennen. „Dabei gehen wir davon aus, dass sich der Stahl und der Materialhandel langfristig im Mehrheitsbesitz von Thyssenkrupp befinden werden.“

KlöCo-Chef Gisbert Rühl befeuerte vor wenigen Wochen Spekulationen über eine mögliche Partnerschaft mit Thyssenkrupp. „Eine Zusammenarbeit hier und da ist nicht auszuschließen“, sagte er bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Rühl berichtete auch, dass er sich „hin und wieder“ mit Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff treffe.

Planspiele gibt es auch zu einem Verkauf der Aufzugsparte an Finanzinvestoren. „Erste informelle Gespräche laufen“, berichtet das „Manager-Magazin. Investmentbanker sagten demnach, für Finanzinvestoren sei das Geschäft eine einmalige Chance. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits vor Wochen berichtet, dass die Branchengrößen KKR, CVC und Advent Interesse an einem Erwerb haben. Nun werden auch die Namen von Apollo, Carlyle und EQT genannt.

Grünes Licht des Aufsichtsrats für Umbau gibt es schon

Der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat hatte Ende Mai grünes Licht für einen radikalen Umbau des Konzerns gegeben. Nach dem Scheitern der geplanten Stahlfusion mit Tata hatte Kerkhoff auch die zwischenzeitlich angestrebte Zweiteilung von Thyssenkrupp in einen Industrie- und einen Werkstoffkonzern begraben. Stattdessen will Kerkhoff die lukrative Aufzugsparte zu Geld machen, um die Bilanz des Essener Traditionskonzerns zu stärken.

Im Zuge einer harten Sanierung sollen in den kommenden drei Jahren 6000 Arbeitsplätze wegfallen. In der Essener Konzernzentrale gibt es einen eisernen Sparkurs.

Grundsätzlich offen zeigt sich Kerkhoff auch für Partnerschaften von Thyssenkrupp in den wichtigen Geschäftsbereichen Autoteile und Anlagenbau. Hier könnte sich der Essener Konzern sogar von der Mehrheit der Anteile trennen. Der Aufsichtsrat stimmte bereits einer Grundlagenvereinbarung von Vorstand und IG Metall zu: Wenn in Zukunft Unternehmen von Thyssenkrupp verkauft oder verselbstständigt werden, soll in jedem Fall zunächst eine „Fair-Owner-Vereinbarung“ („fairer Eigentümer“) mit der IG Metall getroffen werden. Mit der Grundlagenvereinbarung seien „Standards für den fairen Umgang mit den Beschäftigten festgelegt“, betonte die IG Metall.

Thyssenkrupp wieder in die roten Zahlen gerutscht

Der Druck, der auf dem Konzern lastet, ist enorm. Aktuell ist Thyssenkrupp wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Kerkhoff musste bei der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen erneut die Gewinnprognose nach unten korrigieren. Ein Bündel von Problemen lastet auf dem Revierkonzern: Die Konjunktur schwächelt, weshalb beispielsweise die Nachfrage aus der Autoindustrie abnimmt. In der Stahlbranche sind die Rohstoffkosten insbesondere für Eisenerz massiv in die Höhe geschnellt. Dies führte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres zu einem Nettoverlust des Konzerns in Höhe von 207 Millionen Euro – nach einem Nettogewinn von 189 Millionen Euro im Vergleichszeitraum.

Mit einer Übernahme von KlöCo könnte Kerkhoff die Frage beantworten, wie Thyssenkrupp wieder in die Offensive kommen will.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben