Reiseunternehmen

Thomas-Cook-Pleite: Condor-Schnäppchen auf Staatskosten?

Condor fliegt - Thomas Cook Deutschland kämpft

Die Fluggesellschaft Condor führt den Flugbetrieb fort. Die Tochtergesellschaft von Thomas Cook in Deutschland hat hingegen am Mittwoch Insolvenz angemeldet.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Condor gehört zum insolventen Konzern Thomas Cook, bekommt Fördergelder vom Staat zur Rettung. Die Branche irritieren Rabattaktionen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Auf der einen Seite ein Staatskredit in Höhe von 380 Millionen Euro. Auf der anderen Seite neue Dumping-Preise, die die Konkurrenz erzürnen: Die Airline Condor, die zum insolventen Reiseunternehmen Thomas Cook gehört, macht sich derzeit in der Branche keine Freunde.

Der „Spiegel“ berichtet über die Schnäppchenoffensive – so sei seit der Pleite ein regelrechter Preisverfall bei den Angeboten zu bemerken. So kostete nach den Recherchen des Magazin ein Flug von Lanzarote nach Düsseldorf bis zum Tag der Pleite „am 23. September im Schnitt noch rund 365 Euro. Ende der Woche war das One-Way-Ticket plötzlich für 143 Euro zu haben.“

Dazu gibt es auf der Homepage Angebote wie Hamburg-Mallorca für 30 Euro und Frankfurt-Kuba für 150 Euro – echte Kampfangebote. Um den Preisverfall zu dokumentieren, wurde ein spezielles Tarifanalysesystems der Branche genutzt.

Condor weist Vorwurf der staatsfinanzierten Schnäppchen zurück

Dem „Spiegel“ gegenüber wies ein Sprecher der Condor den Vorwurf eine staatsfinanzierten Schnäppchen-Offensive zurück – die Angebote seien schon länger geplant gewesen, die Aktion sei kurzfristig nicht mehr zu stoppen gewesen, heißt es.

Die Lufthansa haut derweil Konter-Angebote raus, es geht in die USA für 449 Euro, nach Asien für 499 Euro. Der Kampf um die Passagiere ist offenbar heftiger denn je. Gerade das Preis-Dumping auf dem Flugmarkt ist vielen in Sachen Klimaschutz ein Ärgernis, entsprechend sollen Flugtickets im Rahmen des Klimapakets teurer werden, fordern etwa die Grünen – die auch Inlandsflüge abschaffen wollen.

Buchungsstopp bei Thomas Cook gut verkraftet

Grundsätzlich habe Condor den Buchungsstopp seines insolventen Mutterkonzerns Thomas Cook nach eigenen Angaben gut verkraftet. „Thomas Cook war zwar unser größter Einzelkunde, stand aber nur für weniger als 20 Prozent unserer Plätze“, sagte Condor-Vertriebschef Paul Schwaiger der Deutschen Presse-Agentur.

Es gebe sehr gute Anzeichen dafür, dass Condor die entstandene Lücke der Thomas-Cook-Reiseveranstalter schließen könne. „Die anderen Veranstalter haben zusätzliche Plätze gebucht.“ Der Flugbetrieb der Condor sei in den vergangenen Tagen sehr stabil und zuverlässig gelaufen. Man habe keinen einzigen Flug streichen müssen.

Easyjet ist interessiert an Teilen von Thomas Cook, wohl aber nicht an Condor. Den Staatskredit hat Condor erst vor wenigen Tagen zugesagt bekommen. Viele weitere Tochterunternehmen von Thomas Cook bangen noch um die Zukunft.

(ses/dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben