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Tengelmann schmiedet wieder Pläne

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kündigt 1,5 Milliarden Euro Investitionen an.

Foto: Andreas Köhring

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kündigt 1,5 Milliarden Euro Investitionen an. Foto: Andreas Köhring

Mülheim.   Nach dem Ausstieg aus dem Lebensmittelgeschäft will Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub1,5 Milliarden Euro in die Digitalisierung und Discounter investieren.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kann wieder lachen. Ein halbes Jahr nach der Trennung von seiner Supermarktkette legte der 57-Jährige gestern eine der besten Bilanzen in der 150-jährigen Geschichte des Mülheimer Familienunternehmens vor. Und Haub schmiedet Pläne: In den nächsten fünf Jahren will er 1,5 Milliarden Euro in seine Unternehmen wie Obi, Kik, Tedi und Babymarkt.de investieren.

„150 Jahre Tengelmann. Weiterhandeln“ hat der Handelskonzern seinen 150. Geschäftsbericht überschrieben. Als Kolonialwarenhandel gestartet, war Tengelmann in den 70er-Jahren zum größten deutschen Lebensmittelhändler aufgestiegen. Mit dem Verkauf der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann an Edeka und Rewe ist das nun Geschichte.

„Wir haben uns viel vorgenommen.“

Mit Spannung war erwartet worden, wie Mitinhaber Karl-Erivan Haub die Ankündigung „Weiterhandeln“ mit Leben füllen will. Eine große Strategie verkündet er am Donnerstag nicht. Es sind wohl eher kleinere Schritte, die Haub gehen will, um seine Firma nach der zweijährigen Schlacht um seine damals 450 Supermärkte wieder in die Offensive zu bringen.

„Wir haben uns viel vorgenommen“, sagte der 57-Jährige. „Wir wollen wieder in den USA operativ tätig werden“, nennt der Manager ein Ziel. 2010 hatte Tengelmanns US-Supermarkttochter A&P Insolvenz anmelden müssen. Mit dem Textil-Discounter Kik will Tengelmann nun wieder zurück über den großen Teich und 2019 Filialen im Raum Chicago eröffnen. Haub, der die deutsche und die amerikanische Staatsangehörigkeit hat, sieht in den USA ein „großes Potenzial“.

Auch mit seiner Immobilientochter Trei will der Tengelmann-Chef in Amerika tätig werden. „Wir haben keine Angst vor Präsident Trump. Er wird uns nicht davon abhalten“, sagt Haub mit einem Augenzwinkern. In Berlin plant Trei den Bau von 426 Wohnungen. In Köln wurde die erste Studenten-Wohnanlage eröffnet, weitere sind geplant. In Polen baut die Tengelmann-Tochter Fachmarktzentren.

Digital-Campus für Obi in Köln

Haub lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Digitalisierung für ihn das größte Zukunftsfeld sein wird. „Wir wollen bei der Entwicklung vorn mit dabei sein“, kündigt der Tengelmann-Chef an. Als Beispiel nennt er seine Baumarktkette Obi, die 651 Filialen in elf Ländern mit mehr als 45 000 Mitarbeitern betreibt. Währungsbereinigt steigerte Obi im vergangenen Jahr den Umsatz um neun Prozent auf 6,07 Milliarden Euro. Das Unternehmen lässt gerade die Studios des Entertainers Harald Schmidt in Köln-Mülheim umbauen. Dort soll ein Campus mit mehr als 100 Beschäftigten entstehen, die digitale Lösungen für das Baumarkt- und Gartencenter-Geschäft entwickeln. Haub: „Die Kunden wollen komplette Lösungen und keine Einzelprodukte kaufen. Obi muss deshalb zu einer Plattform werden.“

Weitere 1500 Filialen des Textildiscounters Kik, der 2016 um sieben Prozent auf 1,95 Milliarden Euro Umsatz wuchs, sollen international entstehen. Als reiner Online-Shop gestartet, hat das junge Unternehmen Babymarkt.de inzwischen sechs Läden – darunter in Duisburg, Essen und Dortmund – eröffnet. Der Anbieter von Kinderbedarf steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 63,2 Prozent auf 121,7 Millionen Euro.

Scharfe Kritik an Hannelore Kraft

Für Haub sind auch die 70 Beteiligungen an Onlinehändlern und Startup-Unternehmen ein Wachstumsfeld. Unter ihnen sind Größen wie Zalando und der Bringdienst Delivery Hero, der gerade an die Börse gegangen ist. Beteiligt ist Tengelmann auch am Discounter Black.de, der 23 Filialen eröffnet hat, aber trotz seines Namens noch gar nicht online verkauft.

Ungewöhnlich scharf kritisiert Haub die frühere NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). „Das seltsame Schweigen der Landesregierung hat mich irritiert. Frau Kraft hat überhaupt nicht reagiert“, erinnert der Inhaber an die Übernahmeschlacht um seine Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann im vergangenen Jahr. Dabei habe sein Konzern fast alle Zentralen und Lager in NRW. Der Manager begrüßt den Regierungswechsel hin zu CDU und FDP. „Unter Rot-Grün hatte das Land Stillstand, keine Dynamik und spielte im Bund keine Rolle mehr“, so Haub.

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