IW-Untersuchung

Studie: Ohne Zuwanderung und spätere Rente fehlen Fachkräfte

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Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine klassische Berufsausbildung.

Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für eine klassische Berufsausbildung.

Foto: Rupert Oberhäuser / picture alliance / Rupert Oberhäuser

Berlin.  Eine Studie des arbeitgebernahen IW sieht Zuwanderung und ein höheres Rentenalter als Mittel gegen einen drohenden Fachkräftemangel.

Ohne gezielte Zuwanderung und ein höheres Rentenalter steht die deutsche Wirtschaft schon in wenigen Jahren vor einem dramatischen Fachkräftemangel. Im schlimmsten Fall verlieren die Unternehmen bis 2040 jede achte Fachkraft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Die Untersuchung liegt unserer Redaktion vorab vor.

Darin hat das IW drei Szenarien zu den Folgen der bevorstehenden Verrentungswelle der Generation der Babyboomer aus den geburtenstarken Nachkriegsjahren aufgestellt.

Rentenrecht als „zentrales Handlungsfeld“

Arbeiten die Menschen in Deutschland nicht länger bis zur Rente und fällt die Zuwanderung gering aus, könnten der Wirtschaft dem Negativszenario zufolge gegenüber heute zwölf Prozent der Fachkräfte verloren gehen – insgesamt 4,2 Millionen Menschen. In einem nach aktuellem Stand besonders plausiblen Ausblick seien es immer noch 8,8 Prozent oder 3,1 Millionen Fachkräfte.

Ungefähr gehalten werden könnte die Zahl der Fachkräfte dagegen nur unter zwei Bedingungen: Deutlich mehr Menschen über 60 müssten länger arbeiten, bevor sie in Rente gehen. Und Deutschland müsste Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen. Altersvorsorge: So sollen Zuwanderer die Rente retten

Dies Ziel könne „voraussichtlich nur mit gezielten Weiterentwicklungen des ordnungspolitischen Rahmens zur Zuwanderung und späterem Renteneintritt erreicht werden“, schriebt Studienautor Wido Geis-Thöne. Das Rentenrecht sieht der Bildungs- und Migrationsexperte des IW als „zentrales Handlungsfeld“ – es kenne aber mehr Stellschrauben als nur die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt, um Menschen länger im Erwerbsleben zu halten.

Mehr Abiturienten, mehr Akademiker

Ein weiteres Problem: Immer mehr junge Menschen streben eine akademische Ausbildung an. So ist die Zahl der Abiturienten in den vergangenen 40 Jahren von knapp unter 20 Prozent auf zuletzt 56,2 Prozent (2019) gestiegen. Zugleich sank der Anteil an klassischen Berufsausbildungen unter den Bildungsabschlüssen von knapp 55 Prozent auf circa 40 Prozent.

Dieser Trend werde sich in den kommenden zwei Jahrzehnten in allen Szenarien fortsetzen: „Das bedeutet, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht nur darauf einstellen muss, dass das Fachkräfteangebot insgesamt zurückgeht, sondern auch, dass es sich in den nächsten Jahren strukturell stark verändert“, so Studienautor Geis-Thöne.

Ein gewisses Potenzial berge auch das Verringern der Schulabbrecherquote. Immer mehr Schülerinnen und Schüler scheitern – aus rätselhaften Gründen. Doch dies betreffe laut Studie einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung und habe daher nur sehr begrenzte mögliche Auswirkungen.

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