Lebkuchen

Strafzölle belasten Export von Lambertz-Printen in die USA

Hermann Bühlbecker, Inhaber der Aachener Lambertz-Gruppe, kritisiert Trumps Strafzölle auf deutsches Gebäck.

Hermann Bühlbecker, Inhaber der Aachener Lambertz-Gruppe, kritisiert Trumps Strafzölle auf deutsches Gebäck.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Die USA sind ein wichtiger Absatzmarkt für Aachener Printen. Trumps Strafzölle belasten die Exporte des Familienunternehmens Lambertz.

Der heiße Sommer des vergangenen Jahres, der bis tief in den Herbst anhielt, hat dem frühen Appetit der Verbraucher auf Lebkuchen und Printen nicht geschadet. Hermann Bühlbecker, Chef der Aachener Lambertz-Gruppe, bereitet das Wetter keine Sorgen, sondern eher die Strafzölle von US-Präsident Donald Trump. Ab diesem Freitag muss der Weltmarktführer für Herbst- und Weihnachtsgebäck für jede Printe, die er in die Vereinigten Staaten liefert, einen Aufschlag von 25 Prozent bezahlen.

„Das ist für uns total merkwürdig“, sagt Bühlbecker vor Journalisten in Düsseldorf. Er wundert sich, dass Trump ausgerechnet Strafzölle auf in Deutschland hergestelltes Gebäck erhebt, nicht aber etwa auf Schokolade. „Das stört den Export“, schimpft der Lambertz-Chef. Denn die Aachener haben im vergangenen Jahr mit Süßem und Salzigem in den USA 28 Millionen Euro umgesetzt. „Vor allem klassische Lebkuchen-Sortimente sind bei den Amerikanern sehr beliebt“, weiß Bühlbecker. Der prominente Familienunternehmer zeigt sich wenig optimistisch, dass er die Strafzölle auf US-Handelsriesen wie Walmart umlegen kann. „Das müssen wir bezahlen“, sagt Bühlbecker mit einem Kopfschütteln.

Ein Viertel des Umsatzes im Ausland

Rund ein Viertel ihres Umsatzes von 626 Millionen Euro machte die Lambertz-Gruppe im Geschäftsjahr 2018/19, das am 30. Juni endete, im Ausland. Printen, Gebäck und Pralinen liefern die Aachener in rund 60 Länder – Europa, USA, Mittel- und Südamerika, in den Nahen Osten, nach Südafrika und China. Bühlbecker ist davon überzeugt, dass traditionsreiches deutsches Gebäck im Ausland einen guten Ruf genießt.

Aber auch am Heimatmarkt. Trotz der Debatte um Zuckerreduzierung und des Trends zu veganen Lebensmitteln verzehrten die Bundesbürger im vergangenen Jahr im Schnitt pro Kopf ein Kilogramm Weihnachtsgebäck. Nach Zahlen des Bundesverbands der deutschen Süßwarenindustrie lag Lebkuchen mit 39 Prozent weit vorn – gefolgt von Spekulatius (22 Prozent), Stollen (20 Prozent) und Dominosteinen (acht Prozent). „Wer Weihnachtsgebäck kauft, will genießen und weiß, dass da Zucker drin ist“, erklärt Bühlbecker. In geschützten Jahresprodukten wie Dresdner Stollen dürfe ein bestimmter Zuckeranteil gar nicht unterschritten werden.

Saison „hervorragend angelaufen“

Trotz der Strafzölle und Unwägbarkeiten des Brexit geht der Lambertz-Chef davon aus, dass sein Familienunternehmen auch im laufenden Geschäftsjahr weiter wachsen werde. Die gerade gestartete Weihnachtssaison jedenfalls sei „hervorragend angelaufen“, sagt Vertriebschef Ralf Fritzsche. „Wir müssen sehen, dass wir schnell produzieren können.“ Einzelne Handelsunternehmen hätten bereits signalisiert, dass sie Weihnachtsgebäck nachordern wollen. Dabei spiele Lambertz das regnerische Wetter in die Karten, vermutet Bühlbecker. Vertriebsmann Fritzsche beobachtet aber auch, dass Edelmarken der Gruppe bei den Kunden stärker gefragt seien als Handelsmarken der Ketten, die freilich zum Teil auch in Lambertz-Werken produziert werden.

Angesichts steigender Rohstoffpreise für Schokolade, Nüsse und Mandeln ist Bühlbecker ohnehin davon überzeugt, dass „unsere Produkte zu preiswert verkauft werden“. 100 Gramm Lebkuchen für 1,59 Euro entspreche kaum dem Wert der Ware. Der Lambertz-Chef: „Das tut auch den Produkten nicht gut, weil wir Genuss herstellen.“ Die Aachener Unternehmensgruppe hat sich deshalb in den vergangenen Jahren aus der Abhängigkeit von Printen und anderen Weihnachtsartikeln gelöst. Sie machen inzwischen nur noch 40 Prozent des Umsatzes aus. Topseller seien Gebäck und Pralinen, die das ganze Jahr über in den Supermarkt-Regalen stehen.

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