Creditreform

Steigende Mieten werden zum Verschuldungsrisiko im Revier

Steigende Mieten treiben immer mehr Menschen in die Verschuldung, argumentiert Creditreform.

Steigende Mieten treiben immer mehr Menschen in die Verschuldung, argumentiert Creditreform.

Foto: Lutz von Staegmann

Essen.   Die Zahl der Schuldner wächst bundesweit, am stärksten aber im Ruhrgebiet. Hauptgrund sind immer öfter die steigenden Mieten in Großstädten.

Trotz deutlich sinkender Arbeitslosigkeit und seit Jahren guter Konjunktur nimmt vor allem im Ruhrgebiet die Zahl der überschuldeten Menschen immer weiter zu. Die Wirtschaftsauskunftei ­Creditreform bezeichnet die Region in ihrem Jahresbericht als „Sorgenkind“. Während bundesweit inzwischen gut jeder Zehnte seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, liegt die Schuldnerquote in NRW mit 11,69 Prozent deutlich über dem nationalen Schnitt. In vielen Ruhrgebietsstädten ist die Lage noch viel brisanter. Die meisten Schuldner wohnen in Herne (18,06 Prozent), gefolgt von Gelsenkirchen (17,88) und Duisburg (17,20). Die wenigsten überschuldeten Menschen der Region leben in Mülheim (11,61) und im Ennepe-Ruhr-Kreis (11,04).

Unter den zehn deutschen Großstädten mit mehr als 400.000 Einwohnern wiesen Duisburg, Dortmund und Essen die höchsten Überschuldungsquoten auf. Credit­reform kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die Verschuldung in vielen Städten des Reviers sowohl im Jahres- als auch im Langzeitvergleich deutlich steigt. NRW-weit wuchs die Zahl der Schuldner im Vergleich zu 2017 um rund 10.000 auf 1,74 Millionen. Bundesweit weisen mehr als 6,9 Millionen Bürger „Zahlungsstörungen“ auf, wie Creditreform am Dienstag in Düsseldorf mitteilte. Das waren 19.000 Personen mehr als im Jahr zuvor.

Als Hauptgrund für die wachsende Überschuldung sieht die Auskunftei aktuell die vor allem im Ballungsräumen rasant steigenden Mieten und Immobilienpreise. „Wohnen ist in deutschen Großstädten in vielen Fällen zum Armutsrisiko, in jedem Fall zum Überschuldungsrisiko geworden“, heißt es im „Schuldneratlas 2018“.

Kluft bei Einkommen und Mieten

Die Entwicklung von Einkommen und Wohnkosten habe sich gerade in Metropolregionen entkoppelt. Während die Kaufkraft nur noch langsam zulege, erhöhten sich die Kosten für Mieten und Immobilien in großen Schritten.

Nach Einschätzung von Creditreform-Geschäftsführer Ralf Zirbes sei es oft so, dass die Verbraucher ihre Mieten meist noch bezahlten. Am Ende des Monats fehle ihnen dann aber das Geld, um anderen Verpflichtungen des täglichen Lebens nachzukommen. Auf diese Weise gerieten sie in die Schuldenspirale.

In finanzielle Bedrängnis geraten nach Angaben der Auskunftei wie auch schon in den Vorjahren ältere Menschen. Bundesweit nahm die Zahl der überschuldeten über 70-Jährigen um 35 Prozent auf 263.000 zu. Die Zunahme der Erwerbstätigkeit im Rentenalter sei ein Indiz dafür, dass die Rente oft nicht mehr ausreiche, sagte der Leiter der Wirtschaftsforschung von Creditreform, Michael Bretz.

Viele Frauen in der Schuldenfalle

Aber auch Frauen geraten zunehmend in die Schuldenfalle. „Der aktuelle Anstieg der Zahl der Überschuldungsfälle ist ausschließlich auf die Neuüberschuldung von Frauen zurückzuführen“, heißt es im „Schuldneratlas“. In diesem Jahr gab es rund 21.000 mehr überschuldete Frauen als 2017. Bei den Männern dagegen ging die Schuldnerquote leicht um 2000 Fälle zurück. Frauen verdienen gemeinhin weniger als Männer, arbeiten häufiger in Teilzeit und bekleiden seltener gut bezahlte Führungspositionen.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Creditreform bei der Gruppe junger Erwachsener zwischen 18 und 30 Jahren. Hier beobachtete die Auskunftei einen spürbaren Rückgang der Überschuldung. Positiv wertet die Auskunftei zudem, dass die aktuelle Zunahme der Schuldner erstmals seit 2006 auf eine „geringe Überschuldungsintensität“ zurückzuführen sei. Im Gegenzug habe die Zahl der harten Fälle, die mit juristischen Schritten einhergehen, um 2,1 Prozent oder 87.000 Personen abgenommen, heißt es im „Schuldneratlas“.

>>> Schuldnerquoten in Revierstädten

Herne: 18,06 %
Gelsenkirchen: 17,88 %
Duisburg: 17,20 %
Hagen: 16,34 %
Oberhausen: 15,19 %
Dortmund: 14,44 %
Essen: 13,96 %
Kreis Recklinghausen: 13,15 %
Bottrop: 11,73 %
Mülheim: 11,61 %

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben