Thyssenkrupp

Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata verzögert sich

Duisburger Thyssenkrupp-Verwaltung: Klarheit zur Fusion gibt es erst im Sommer.

Duisburger Thyssenkrupp-Verwaltung: Klarheit zur Fusion gibt es erst im Sommer.

Foto: Lars Heidrich

Essen/Duisburg.   Eigentlich sollten die Verträge von Thyssenkrupp und Tata schon Anfang des Jahres unterschrieben sein. Nun soll es erst im Sommer Klarheit geben.

Thyssenkrupp-Betriebsversammlungen im Landschaftspark Duisburg-Nord gleichen Großveranstaltungen. Bis zu 1000 Beschäftigte kommen in aller Regel am Vormittag, meist folgen weitere 1500 Stahlarbeiter am Nachmittag. So auch am Donnerstag. „Die Belegschaft ist beunruhigt“, so beschreibt Horst Gawlik, Vize-Chef des Stahlbetriebsrats am größten Thyssenkrupp-Standort, die Stimmung vor Ort.

Mit Sorge blicken viele Mitarbeiter in Duisburg auf das geplante Bündnis von Thyssenkrupp mit dem indischen Stahlkonzern Tata. Die IG Metall befürchtet, die Stahlkocher aus dem Ruhrgebiet könnten wegen weitreichender Zusagen von Tata an den niederländischen Standort Ijmuiden am Ende die Zeche für Verluste im britischen Tata-Werk Port Talbot zahlen. Die Gewerkschaft droht sogar mit einem Nein zu den Fusionsplänen von Konzernchef Heinrich Hiesinger.

Standort in Holland im Fokus

Die Bedenken zur Führungs- und Finanzstruktur für das holländische Werk, das Teil des neuen Stahlkonzerns werden soll, spielten auch bei einer Sitzung des Thyssenkrupp-Aufsichtsrats eine Rolle. Vor den Kontrolleuren warb Hiesinger für sein industrielles Konzept. Er will mit Tata den zweitgrößten Stahlkonzern in Europa mit 48 000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden formen. Das Joint Venture soll Thyssenkrupp Tata Steel heißen und über eine Holding mit Sitz in den Niederlanden geführt werden.

Nach der Aufsichtsratssitzung musste Hiesinger aber auch einräumen, dass sein ursprünglicher Zeitplan für das Bündnis nicht zu halten ist. Ursprünglich sollte der Vertrag von Thyssenkrupp und Tata schon Anfang dieses Jahres unterschrieben werden. Nun will Hiesinger mit Tata „im ersten Halbjahr 2018“ Einigkeit erzielen. Vorher soll der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat noch die angekündigten Gutachten zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit des geplanten Gemeinschaftsunternehmens erhalten.

Auch neue Strategie wird später vorgestellt

Die für Mai geplanten Beratungen über eine neue Strategie für den Revierkonzern mit seinen Geschäften rund um Aufzüge, Autos, Industrieanlagen und Werkstoffhandel verzögern sich jetzt ebenfalls. Dabei hatte der schwedische Großaktionär Cevian unlängst bei Hiesinger angemahnt, er müsse den Umbau des Konzerns beschleunigen.

„Die Verzögerungen haben sich schon angedeutet“, sagt der Analyst Rochus Brauneiser von Kepler Cheuvreux. „Das Management hat sich durch ambitionierte Ziele selbst unter Druck gesetzt.“

„Es gilt Sorgfalt vor Eile, und das muss auch so sein“, sagt Vize-Aufsichtsratschef Markus Grolms, der die Interessen der IG Metall bei Thyssenkrupp vertritt, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es ist jetzt wichtig, dass alle offenen Fragen mit großer Sorgfalt abgearbeitet werden. Das braucht Zeit – für den Vorstand, um Lösungen zu entwickeln, für den Aufsichtsrat, um sorgfältig zu prüfen.“ Grolms blickt skeptisch auf mögliche Sonderrechte für das Tata-Stahlwerk in Ijmuiden. Er betont aber, die IG Metall wolle das Gemeinschaftsunternehmen nicht verhindern, sondern „so aufgestellt wissen, dass es erfolgreich sein kann“.

„Keine Fusion um jeden Preis“

Der frühere IG Metall-Chef Detlef Wetzel, der die Gewerkschaft im Stahl-Aufsichtsrat repräsentiert, sagt: „Wir werden keine schlechteren Bedingungen für die deutschen Standorte hinnehmen.“ Der neue Stahl-Betriebsratschef Tekin Nasikkol fordert, es dürfe keine Fusion „um jeden Preis“ geben.

Mit dem neuen Zeitplan bekommt Konzernchef Hiesinger zweieinhalb Monate zusätzlich Zeit, um die offenen Fragen mit Tata zu klären. Spätestens Ende Juni muss er Ergebnisse präsentieren.

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