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Sparkassen dünnen Filialnetz weiter aus - Gebühren steigen

Die Sparkassen schließen immer mehr Filialen, weil ihre Kunden immer mehr online erledigen.

Die Sparkassen schließen immer mehr Filialen, weil ihre Kunden immer mehr online erledigen.

Foto: Peter Kneffel

Münster/Essen.   In Westfalen-Lippe stehen weitere Filialschließungen der Sparkassen an. In vielen Städten sollen die Gebühren fürs Girokonto steigen.

Filialschließungen, Stellenabbau, höhere Gebühren – die Geldhäuser in Deutschland ziehen seit Jahren alle Register, um die Krise ihrer Branche zu überstehen. Weil sich mit Spareinlagen und Krediten wegen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer weniger Geld verdienen lässt, suchen die Institute neue Einnahmequellen.

Und weil die Kunden immer seltener in die Filialen gehen und dort vor allem kaum noch den persönlichen Kontakt zu einem Filialmitarbeiter suchen, sparen fast alle Häuser Personal und Zweigstellen ein. Den hiesigen Sparkassen geht es nicht anders.

In Westfalen-Lippe mehr als 70 Filialen geschlossen

Dass kein Ende dieser Entwicklung in Sicht ist, wurde bei der Bilanzvorlage des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe deutlich. So präsentierte Präsidentin Liane Buchholz am Mittwoch in Münster durchaus ordentliche Zahlen: Die Bilanzsumme der 63 Sparkassen in Westfalen-Lippe stieg 2017 um 2,6 Prozent auf 131 Milliarden Euro, ihre Kunden sparten trotz der Zinsflaute so viel Geld wie nie – 3,8 Milliarden Euro und damit zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Trotzdem wurden binnen Jahresfrist mehr als 70 Filialen geschlossen und mehr als 1000 Stellen gestrichen. „Unsere Kunden nutzen immer mehr das Online-Banking. Im Schnitt kommen sie nur noch einmal im Jahr in eine Filiale. Sie haben mit den Füßen abgestimmt“, sagte Buchholz.

Aufwertung der verbleibenden Standorte geplant

Sie geht davon aus, dass dieser Trend sich nicht mehr umkehren lässt. Deshalb würden die Sparkassen weitere Geschäftsstellen zu größeren Einheiten zusammenfassen, kündigte Buchholz an, ohne Standorte zu nennen. Damit gehe aber auch eine Aufwertung der verbleibenden Standorte einher, versprach sie. Das sei nötig, denn: „Die finanzielle Bildung bei den Kunden nimmt ab. Deshalb braucht es mehr Beratung“.

Im westlichen Ruhrgebiet, das zum rheinischen Sparkassen-Verband gehört, reagieren die Sparkassen nicht anders, in Duisburg, Essen, Bottrop und Oberhausen etwa wurden und werden Dutzende Filialen dicht gemacht. Bochum ist bisher eine der wenigen Sparkassen, die alle Filialen behalten will.

Sparkassen drehen an der Gebührenschraube

Das Drehen an der Gebührenschraube ist in den einzelnen Städten aber von höchst unterschiedlicher Sensibilität. In Essen hat die Sparkasse unlängst etliche Kunden gegen sich aufgebracht, als sie eine drastische Erhöhung der Gebühren fürs Basiskonto ab April ankündigte.

Die Grundgebühr soll zwar nur von 3,75 auf vier Euro im Monat erhöht werden, dafür aber jede Kontobewegung 15 Cent extra kosten, eine Überweisung am Automaten sogar 50 Cent. Wer das nicht will und in das Kontomodell wechselt, das all dies abdeckt, müsste künftig acht Euro zahlen, weshalb verärgerte Kunden eine faktische Verdoppelung beklagen.

Auch Onlinekonten werden teurer

Auch die Sparkasse Oberhausen erhöht die Grundgebühr fürs Basiskonto ab April – und zwar deutlich von 2,90 auf 3,90 Euro, für reine Onlinekunden von 2,50 auf 3,90 Euro. In Oberhausen kostet bereits jede Buchung, ob online oder am Automaten, zehn Cent – sie wird auf 20 Cent verdoppelt. Auch hier bietet die Sparkasse als Alternative ein Konto für 8,90 Euro im Monat ohne Zusatzgebühren an.

Ähnlich, aber etwas sanfter macht es die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert: Im Basiskonto für 3,50 Euro kostet jede Abbuchung 15 Cent extra, das Flatratekonto 6,50 Euro nach zuvor 5,50 Euro im Monat.

Erhöhungen bereits in den vergangenen Jahren

In den meisten anderen Revierstädten erhöhten die Sparkassen bereits in den vergangenen Jahren ihre Konto-Gebühren, etwa in Gelsenkirchen, Mülheim und Duisburg.

Die Sparkasse Mülheim konnte die Frage, ob eine weitere Erhöhung anstehe, gestern nicht beantworten. Ob das nötig sei, werde im Sommer geprüft, hieß es. Und: „Wir gehen davon aus, dass wir aufgrund des Zinsumfeldes die Preise langfristig nicht so niedrig halten können.“

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