175 Jahre SIHK

SIHK-Präsident Stoffels: Sind Getriebene der Klimadebatte

Schillerndes Jubiläum in Hagen. Von links: „Zukunftsmacher“ Jörg Heynkes, SIHK-Präsident Ralf Stpffels, Minister Joachim Stamp, SIHK-EhrenpräsidentHarald Ruthenbeck, Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Unternehmer Hans-Toni Junius (C.D. Wälzholz) im Theater Hagen.

Schillerndes Jubiläum in Hagen. Von links: „Zukunftsmacher“ Jörg Heynkes, SIHK-Präsident Ralf Stpffels, Minister Joachim Stamp, SIHK-EhrenpräsidentHarald Ruthenbeck, Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz und Unternehmer Hans-Toni Junius (C.D. Wälzholz) im Theater Hagen.

Foto: MATTHIAS GRABEN / FUNKE Foto Services

Hagen.  Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer feierte am Donnerstag 175-Jähriges in Hagen mit einem schillernden Programm.

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Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es. Kluge Köpfe erinnern aber stets daran, dass die Lehren aus der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Im Prinzip gilt dies auch für 175 Jahre Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) und deren Historie. Jedenfalls: „Themen wiederholen sich“, erinnert der SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat zum Auftakt der großen Jubiläumsveranstaltung der Kammer im Theater Hagen vor rund 1000 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – ein interessanter Ritt durch die Geschichte der Institution.

Geruschkat zieht Parallelen zwischen gestern und heute. Stichwort Industrialisierung und Digitalisierung. Oder beim Gezerre um Freihandel und Schutzzölle, mit dem sich Mitte des 19. Jahrhunderts bereits die Handelskammern beschäftigten. In gewisser Weise, nur hat sich der Tellerrand für die Wirtschaft erheblich verändert.

Daran, dass die Kammer im Jubiläumsjahr noch weitere, globale Themen beschäftigen, erinnert SIHK-Präsident Ralf Stoffels. Die Unternehmen müssten sich den ökologischen und sozialen Herausforderungen stellen. Von der Politik erwarte Stoffels hier ein starkes Signal, dass sie sich auch in Zeiten des Klimawandels klar und uneingeschränkt zum Industriestandort Deutschland und Südwestfalen bekenne. „Wir sind Getriebene, vom Klimapaket, dem Klimakabinett und auch von Fridays for Future“, betont der Kammerpräsident.

Die Wirtschaft möchte lieber weiter das Tempo vorgeben, mit dem ökologischer Wandel vorangetrieben wird. Veränderung zugunsten des Klimas, ja, aber ohne dass diese zu Lasten von Arbeitsplätzen und Wohlstand gehen, lautet die Devise.

Beschleunigung versprochen

Dass Unternehmen Investitionen in Südwestfalen heute zurückstellten, weil die Rahmenbedingungen schlecht oder unsicher seien, wie Stoffels betont, hat aber nicht allein mit Klimawandel zu tun, sondern auch mit altbekannten Themen: Bürokratie, den im weltweiten Vergleich relativ hohen Unternehmenssteuern und nicht zuletzt der mangelhaften Infrastruktur.

Der Festredner, Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsident Dr. Joachim Stamp (FDP), in der Landesregierung Familien- und Integrationsminister, bemühte sich, den Eindruck zu erwecken, als sei das größte Bundesland nach zweieinhalb Jahren CDU/FDP-Regierung hier auf dem allerbesten Weg: „Nordrhein-Westfalen wird Leitregion für Künstliche Intelligenz und ist mit seiner Digitalstrategie Vorreiter in Deutschland.“ 99 Prozent aller Haushalte in NRW seien mit LTE versorgt – was immer das heißen mag. Viele Unternehmer und Beschäftigte im Kammerbezirk erleben nach wie vor tagtäglich eine Reise durch eine Funklochregion sondergleichen mit Datenflüssen im Schneckentempo in der drittstärksten Industrieregion Deutschlands.

Minister Stamp verspricht mit der Umsetzung der Breitbandinitiative selbstbewusst, dass in NRW bis 2022 alle Gewerbegebiete und Schulen mit Glasfaser versorgt sein werden – auch wenn dies in der Verantwortung seines Kabinetts- und Parteikollegen, dem Digital- und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart liegt.

Ein noch stumpfes Schwert

Dagegen könnte Stamp bei der Herausforderung durch den demografischen Wandel, der Südwestfalen deutlich eher in Nöte bringt als andere Regionen, durchaus helfen – und versucht dies auch. Als Integrationsminister hatte er im Frühjahr einen Bleiberechtserlass für Geduldete auf den Weg gebracht, der es gut integrierten Geflüchteten in Arbeit erleichtern soll, einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu erlangen und so den Unternehmen als Fachkraft erhalten zu bleiben.

Ein allerdings noch etwas stumpfes Schwert zur Entschärfung des Fachkräftemangels. Noch ist Bundesrecht hier ein Stolperstein. Stamp kündigt am Donnerstag bei der Kammerveranstaltung an, dass sich NRW über den Bundesrat noch einmal für eine entsprechende Regelung stark machen wolle.

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