2. Ruhr-Forum Handwerk

Schröder: Handwerk spielt überragende Rolle bei Integration

Die Handwerkskammer Dortmund hat sehr schnell reagiert und bereits im Februar 2015 ein Pilotprojekt zur Integration von Geflüchteten gestartet. Foto: Handwerkskammer Dortmund 

Die Handwerkskammer Dortmund hat sehr schnell reagiert und bereits im Februar 2015 ein Pilotprojekt zur Integration von Geflüchteten gestartet. Foto: Handwerkskammer Dortmund 

Foto: Nana Hattingen

Hagen.  Beim 2. Ruhr-Forum Handwerk in Dortmund wollen Politik und Wirtschaft am 19. September diskutieren, worauf es bei der Integration ankommt.

Die Handwerkskammer Dortmund hat als eine der ersten Institutionen in Nordrhein-Westfalen das Thema Integration durch Arbeit nicht nur erkannt, sondern im Februar 2015 sehr schnell mit einem Pilotprojekt reagiert. Am kommenden Donnerstag findet im Bildungszentrum Hansemann zum Thema „Integration durch Bildung und Arbeit - worauf es jetzt in der Region Ruhr ankommt!“ das zweite Ruhr-Forum Handwerk statt, zu dem Interessierte Handwerker eingeladen sind. Worum es geht, erklärt Kammerpräsident Berthold Schröder.

Welche Rolle spielt das Handwerk bei der Integration von Geflüchteten?

Berthold Schröder: Das Handwerk spielt eine überragende Rolle bei der Integration und ist hier sehr erfolgreich. Über 50 Prozent der Geflüchteten in einer Lehre werden im Handwerk ausgebildet.

Die Handwerkskammer Dortmund hat bereits im Februar 2015 ein Pilotprojekt zur Integration in Arbeit gestartet. Was war damals die Motivation?

Wir haben sofort gesehen, dass eine große Welle auf uns zukommt. Und klar ist, dass nichts besser funktioniert als Integration über Ausbildung und Arbeit, also berufliche Qualifikation. 2015 war ja auch schon ein Fachkräftemangel im Handwerk sichtbar. Mit Blick darauf ist dieses Projekt, das im November zum fünften Mal gestartet wird, ein wichtiger Baustein. Dies lässt sich auch an den Zahlen ablesen. In den vergangenen vier Jahren sind 153 junge Menschen durch dieses Projekt in Ausbildung gekommen.

Wie ist das Projekt aufgebaut?

Es besteht aus interkulturellem Training, natürlich Sprachtraining und einem Part, bei dem die verschiedenen Berufe und die Bedeutung des Handwerks in Deutschland vorgestellt werden. In den Herkunftsländern gibt es in der Regel keine mit der dualen Berufsausbildung vergleichbare Lehre.

Haben sich die Rahmenbedingungen für Integration in den Arbeitsmarkt seit 2015 verbessert?

Es gibt einige Verbesserungen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beispielsweise. Begleitung durch Ausbildungslotsen oder das Programm Assistierte Ausbildung. Eigentlich auch die 3+2-Regelung (gesicherter Aufenthalt für die Zeit einer Ausbildung und bei Übernahme für zwei weitere Jahre/Red.), die Geflüchteten und Betrieben Sicherheit geben soll. Aber hier gibt es so viele Einschränkungen, dass nach wie vor zu viel Unsicherheit bleibt. Da würde ich mir wünschen, dass die Regelung verbessert wird. Insgesamt sind die Programme mit einer Unzahl von Papierkram verbunden, der Geflüchtete oft überfordert und Betriebe unnötig belastet.

Hakt es weiterhin bei der Sprachvermittlung?

Ja, hier gibt es konkreten Verbesserungsbedarf vor allem bei der Vermittlung von Fachterminologie. Die sprachliche Qualität ist der Schlüssel dafür, Prüfungen zu bestehen und den Berufsalltag sicher bewältigen zu können.

Was könnte konkret verbessert werden?

Ich persönlich denke, wir brauchen zum einen zertifizierte Schulungen, die auch entsprechend abgeprüft werden. Zum anderen müssen die Kurse differenzierter gestaltet werden. Teilnehmer, die Englisch sprechen und studiert haben, mit Analphabeten in einem Kurs starten zu lassen, ist falsch.

Das Handwerk engagiert sich sehr mit Integration durch Arbeit. Könnte es sein, dass dieses Engagement bei nachlassender Konjunktur abnimmt?

Ich denke, nein. Im Bau- und Ausbaugewerbe wird es meiner Ansicht nach auch noch Monate oder Jahre eine gute Auftragslage geben, weil es viel Nachholbedarf gibt. Schwieriger wird es im industrienahen Handwerk. Hier merkt man die Bremse schon. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe. Andererseits schauen viele Unternehmer sehr genau auf die Demografie und die Lücke, die entsteht, wenn die Babyboomer-Jahrgänge 1960 bis ‘65 in Rente gehen.

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