Braunkohle

RWE von Greta Thunbergs Besuch im Hambacher Forst überrascht

Die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg bei ihrem Besuch im RWE-Braunkohlerevier am vergangenen Samstag.

Die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg bei ihrem Besuch im RWE-Braunkohlerevier am vergangenen Samstag.

Foto: Oliver Berg / dpa

Essen.  Vor dem Besuch der Aktivistin Greta Thunberg sei RWE nicht informiert worden, sagt Konzernchef Schmitz – und äußert sich auch zum „Klimastreik“.

Der Essener Energiekonzern RWE ist vom Auftritt der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg im Hambacher Forst nach Darstellung von Konzernchef Rolf Martin Schmitz überrascht worden. Das Unternehmen sei nicht über die Pläne für den Besuch von Greta Thunberg informiert worden, sagte Schmitz in einer Telefonkonferenz zu den aktuellen Geschäftszahlen. Den Auftritt wolle er nicht bewerten, erklärte Schmitz. Grundsätzlich sei es gut, wenn sich Menschen den Tagebau anschauen. Angesichts der Umstände sei Greta Thunberg allerdings „nur einseitig informiert“ worden.

Die schwedische Klimaschutzaktivistin war am vergangenen Wochenende überraschend zum NRW-Standort gereist. „All diese Dörfer, die zerstört werden, und die Menschen, die wegziehen müssen – das ist alles sehr verstörend“, hatte Thunberg gesagt und den Aktivisten im Hambacher Forst Unterstützung signalisiert. „Das ist so wichtig, weil es so symbolisch ist.“ Ziviler Ungehorsam sei gut, solange er friedlich bleibe, und manchmal sei er notwendig, wenn nichts anderes funktioniere, so Thunberg.

RWE bekräftigt vorläufigen Verzicht auf Rodungen im Hambacher Forst

RWE-Chef Schmitz sagte, es gelte die Zusage des Konzerns, bis Ende 2020 keine Rodungen im Hambacher Forst vorzunehmen. Ob das Waldstück, das zum Symbol der Anti-Braunkohle-Bewegung geworden ist, dauerhaft erhalten bleibt, wird derzeit in Verhandlungen mit der Bundesregierung besprochen. Für einen Rodungsverzicht und das Abschalten von Braunkohlekraftwerken fordert RWE Entschädigungen.

Die Situation im Hambacher Forst sei nach wie vor „von Straftaten geprägt“, berichtete Schmitz. „Da passiert jeden Tag etwas“, erklärte der RWE-Chef. Das Unternehmen stelle sich auf ein weiteres „Klimacamp“ ab Mitte August ein. „Wir hoffen, dass alles friedlich abgeht“, sagte Schmitz.

Er zeigte sich offen dafür, dass sich Beschäftigte von RWE am sogenannten „Klimastreik“ am 20. September außerhalb ihrer Arbeitszeit beteiligen. „Wenn sich Mitarbeiter engagieren wollen, können sie das in ihrer Freizeit tun.“ Neben der Bewegung Fridays For Future hatte auch die Gewerkschaft Verdi dazu aufgerufen, sich an Aktionen zu beteiligen. Einen formalen Streikaufruf formulierte Verdi damit nicht.

Massiver Stellenabbau durch Braunkohle-Ausstieg

Schmitz erklärte, RWE strebe eine rasche Einigung mit der Bundesregierung über die Umsetzung des Ausstiegs aus der Kohleverstromung an. Der Versorger setze darauf, dass es im zweiten Halbjahr 2019 Ergebnisse geben werde. Die RWE-Beschäftigten in den Kraftwerken und im Tagebau bräuchten Klarheit. RWE fordere als Entschädigung für Kraftwerksstilllegungen pro Gigawatt Leistung 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, bekräftigte Schmitz.

Er gehe davon aus, dass drei Gigawatt bis zum Jahr 2023 in Deutschland vom Netz gehen sollen und dies vor allem RWE treffen werde. Damit sei ein Abbau von rund 3000 der derzeit 9000 Arbeitsplätze in diesem Bereich des Konzerns verbunden.

Sinnvoll sei es, wie beim Ausstieg aus der Steinkohle eine sogenannte Anpassungsgeld-Regelung (APG) zu finden, so Schmitz. Damit könnten Beschäftigte von RWE vorgezogen und ohne Rentenabschläge in den Ruhestand gehen.

RWE-Chef sieht Konzern vor historischem Neustart

Schmitz sieht den Essener Energiekonzern vor einem historischen Neustart durch die Transaktion mit dem Nachbarkonzern Eon. Der Fokus von RWE werde künftig insbesondere auf den erneuerbaren Energien liegen. „Die nächsten Monate werden zu den spannendsten Momenten unserer Unternehmensgeschichte gehören“, sagte Schmitz.

Das Geschäft von RWE laufe gut, berichtete Finanzchef Markus Krebber. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebitda) von RWE ohne operative Beiträge der Ökostromtochter Innogy sei im ersten Halbjahr um rund 20 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro gestiegen. Die Zuwächse seien vor allem dem Energiehandel zu verdanken, der auch im Gesamtjahr deutlich besser als erwartet abschneiden soll. RWE hatte deswegen Ende Juli die Gewinnprognose des Konzerns für das Gesamtjahr angehoben. Die Dividende, von der auch die kommunalen RWE-Aktionäre aus dem Ruhrgebiet profitieren, soll auf 80 von 70 Cent je Aktie steigen.

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