Rassismusdebatte

Neuer Name für Zigeunersauce: Rewe, Edeka und Co. reagieren

Rassismusdebatte: Knorr ändert Namen von Zigeunersauce

Der Begriff könne negativ interpretiert werden, teilte der Mutterkonzern Unilever mit. Daher werde die Sauce umbenannt. Es ist nicht die erste Änderung einer Marke, seit die Debatte um Rassismus neuen Schub bekommen hat.

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Berlin.  Im Zuge der Rassismusdebatte stellen Unternehmen Produktnamen auf den Prüfstand. Nicht nur Knorr will seine Zigeunersauce umbenennen.

  • Knorr benennt seine „Zigeunersauce“ um
  • Der Begriff werde negativ interpretiert, heißt es in der Begründung des Konzerns Unilever
  • Nun ziehen auch andere Unternehmen nach
  • Nicht nur Lebensmittelfirmen ändern ihre Produktnamen
  • Auslöser war die Rassismusdebatte nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd

Der gewaltsame Tod von George Floyd in den USA und die damit ausgelöste Rassismusdebatte führt bei immer mehr Unternehmen dazu, dass sie Produkte mit womöglich rassistischen Produktnamen aus den Regalen entfernen.

Nachdem der Konsumgüterkonzern Unilever bereits angekündigt hat, seine Gesichtscreme „Fair&Lovely“ (deutsche Übersetzung: „hell & hübsch“) umzubenennen, legte der britisch-niederländische Konzern Mitte August nach: Die Zigeunersauce des Heilbronner Lebensmittelherstellers Knorr soll einen anderen Namen bekommen.

Knorr-Zigeunersauce: Unilever entscheidet sich für Umbenennung

„In ein paar Wochen finden Sie diese als „Paprikasauce Ungarische Art“ im Regal“, teilte der Mutterkonzern Unilever auf Anfrage von „Bild am Sonntag“ (BamS) mit. „Da der Begriff „Zigeunersauce“ negativ interpretiert werden kann, haben wir entschieden, unserer Knorr Sauce einen neuen Namen zu geben.“

Damit gab Knorr offenbar den Anstoß für andere Unternehmen. Rewe und Penny wollen den Begriff „Zigeunersauce“ bei ihren Eigenmarken ebenfalls ändern, wie das „Handeslblatt“ berichtet. Auch Edeka und Netto prüfen eine Namensänderung für ihre Eigenmarken.

Zigeunersauce: Andere Unternehmen ziehen nach

Lebensmittelhersteller Homann und Bautz’ner teilten mit, dass ihre „Zigeunersaucen“ bald anders heißen sollen. „Die Namensänderung ist auch bei uns schon länger in Planung und der Zeitpunkt nur noch von produktionstechnischen Umständen abhängig“, ließ eine Sprecherin des sächsischen Unternehmens Bautz’ner wissen.

Auch bei der niedersächsischen Firma Homann mit Sitz in Dissen läuft die Diskussion seit geraumer Zeit, wie ein Sprecher der Theo Müller Unternehmensgruppe mitteilte. Man betrachte den Begriff nach wie vor als reine Sortenbezeichnung, allerdings „werden wir diese Sorte beim nächsten Relaunch des Verpackungsdesigns auf zum Produkt passende Art und Weise umbenennen“. Über die neuen Namen gaben die Firmen zunächst keine Auskunft.

Zigeunersauce umbenannt: Zentralrat der Sinti und Roma begrüßt Entscheidung

Auf Zustimmung war die Entscheidung von Unilever beim Zentralrat der Sinti und Roma gestoßen. „Es ist gut, dass Knorr hier auf die Beschwerden offenbar vieler Menschen reagiert“, sagte der Vorsitzende Romani Rose der BamS.

Ihm selbst bereite allerdings der wachsende Antiziganismus in Deutschland und Europa größere Sorgen. „Für den Zentralrat sind vor diesem Hintergrund Zigeunerschnitzel und Zigeunersauce nicht von oberster Dringlichkeit.“ Viel wichtiger sei es, Begriffe wie „Zigeuner“ kontextabhängig zu bewerten, „wenn etwa in Fußballstadien „Zigeuner“ oder „Jude“ mit offen beleidigender Absicht skandiert wird“.

Nicht nur Lebensmittel: Immer mehr Firmen ändern Produktnamen

Ausgelöst hatte die Debatte um rassistische Produktnamen der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd. Der 46-Jährige war im Mai bei einer Festnahme in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, nachdem ein weißer Polizist sich sieben Minuten und 46 Sekunden auf seinen Hals gekniet hatte. In den USA hatte der Tod wütende und teils gewaltsame Proteste ausgelöst, auch in Europa wurde unter dem Hashtag Blacklivesmatter gegen Rassismus demonstriert.

In die Kritik gerieten daraufhin auch viele Unternehmen, einige von ihnen kündigten an, Produktnamen ändern zu wollen. Zu den bekanntsten Fällen gehört etwa Mars. Zum US-amerikanischen Schokoriegel-Hersteller gehört auch die Reismarke Uncle Ben’s, deren Logo aus dem Kopf eines schwarzen Mannes mit weißen Haaren besteht. Mars kündigte an, die Marke ändern zu wollen.

Auch der Getränkekonzern Pepsi reagierte bereits auf Kritik und will ab dem vierten Quartal des laufenden Jahres seine Backmischung „Aunt Jemima“ neu auflegen. Das seit 1889 bestehende Produkt zeigt eine schwarze Frau im Stile einer Dienerin.

Auch Begriff „Mohr“ steht in der Debatte

Für heftige Debatten sorgen aktuell auch Namen, die den Zusatz „Mohr“ beinhalten. Der „Sarotti-Mohr“ entfachte bereits im April eine heftige Debatte über Rassismus, in Augsburg änderte das Hotel „Drei Mohren“ seinen Namen.

In Österreich gab es heftige Kritik in den sozialen Netzwerken an der Vorarlberger Mohrenbrauerei, die ihr Bier mit einem schwarzen Kopf bewirbt. Das Unternehmen legte sogar seine Social-Media-Accounts still und kündigte einen Markenprozess an.

Einen Schritt weiter ist bereits die Schweizer Einzelhandelsgruppe Manor, die die „Mohrenköpfe“ der Marke Richterich aus ihrem Sortiment warf.

In Deutschland wird derzeit in vielen Städten über die Umbenennung von „Mohren-Apotheken“ diskutiert, in Berlin ist ein Streit um den zukünftigen Namen der „Mohrenstraße“ entbrannt. Auch wurde darüber diskutiert, den Begriff „Rasse“ aus dem Grundgesetz zu streichen.

Ganzes Football-Team in den USA umbenannt

Auch der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat bereits angekündigt, Produkte umzubenennen. In Australien sollen die beiden Süßigkeitenmarken „Chicos Lollies“ und „Red Skins“ (Rothäute) künftig anders heißen. Die Lutscher von „Chicos“ zeigten bis vor wenigen Jahren ein dunkelhäutiges Baby, die Himbeer-Dragées „Red Skins“ waren mit einem Bild eines Indianers mit traditionellem Kopfschmuck versehen.

Damit war Nestlé aber nicht alleine: Auch das Football-Team aus Washington, die Washington Redskins, änderten ihren Namen. Ab der kommenden Spielzeit wird das Franchise übergangsweise als „Washington Football Team“ antreten. Aus dem bisherigen Logo, einem Indianer mit Kopfschmuck, wurde ein schlichtes gelbes W auf burgunderfarbenem Grund.

Doch diese provisorische Lösung sorgte ebenfalls für Kritik. Auf Twitter gab es viel Häme. „Und das ist wirklich das Beste, was euch eingefallen ist?“, fragte in Nutzer. Und auch Basketball-Superstar LeBron James twitterte: „Washington Football Team??? Ist das echt? Auf keinen Fall!“ (mit jkali/dpa)

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