Seilwechsel

Alle ziehen an einem Strang

Die Mannschaft verbindet die alten Förderseile zum Einfriktieren mit Hilfsseilen.

Die Mannschaft verbindet die alten Förderseile zum Einfriktieren mit Hilfsseilen.

Essen.   Vorgezogener Seilwechsel auf Prosper-Haniel wurde in bereichsübergreifender Zusammenarbeit erfolgreich abgeschlossen.

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Seilwechsel am Schacht 10: Drei Monate früher als erwartet tauschte der Bereich Tagesbetrieb des Bergwerks ProsperHaniel die vier Förderseile am Hauptseilfahrtschacht aus. Nach einer Laufzeit von 15 Monaten ergab die Regelprüfung, dass die Resttragfähigkeit der Seile nicht bis zum geplanten Seilwechsel an Ostern dieses Jahres ausgereicht hätte. Das Vorziehen der Arbeiten erwies sich als unumgänglich, da der metallische Restquerschnitt der Seile die zulässige Grenze erreichte.

Zur Vorbereitung stimmten die Verantwortlichen zahlreiche Termine mit Fremddienstleistern ab, planten den Personaleinsatz und kontrollierten die nötigen Hilfsmittel. Alle Arbeiten verliefen unter Berücksichtigung von Lean Processing. Die beteiligten Mitarbeiter erhielten theoretische Schulungen zu den einzelnen Arbeitsschritten. „Jeder soll die Abläufe kennen“, betonte Ilhan Erdogan, Maschinensteiger im Tagesbetrieb. Unterstützung erhielt er nicht nur von den Kollegen des Maschinenbetriebs über Tage. Revier-, abteilungs- und bereichsübergreifend zogen alle an einem Strang. Nach der Sieben-Uhr-Seilfahrt am Samstag vor Heiligabend begannen die Arbeiten mit dem Abhängen der Unterseile förderkorbseitig auf der 7. Sohle. Nachdem die Mitarbeiter den Konterkorb über Tage an der Rasenhängebank (RHB) absetzten und die Förderseile entlasteten, konnten sie diese über dem Konterkorb abschlagen und in die Friktionswinde einfahren. Diese zog den Förderkorb planmäßig zutage. An Heiligabend prü e ein Sachverständiger der DMT die Korbau ängungen des Groß- und Konterkorbs. Diese Prüfung ist nur bei abgeschlagenen Seilen möglich. Nachdem die alten und neuen Förderseile verbunden wurden, fuhren die Mitarbeiter sie nach einer Arbeitsunterbrechung von zwei Schichten am Morgen des ersten Weihnachtstags über den Förderturm und die Fördermaschine.

250 Treiben zur Probe

Sobald die neuen Seile am Förderkorb anschlugen, trat der Korb seine Reise zur 7. Sohle an. Die Mitarbeiter schlugen die dort abgelegten Unterseile am Förderkorb sowie das zweite Ende der neuen Förderseile an der RHB am Konterkorb an. Als dieser angehoben war, nahm die Fördermaschine ihre Arbeit wieder auf, und die neuen Seile wurden erprobt. Nach etwa 250 Treiben – mit und ohne Belastung sowie bei steigender Geschwindigkeit – brachte die Mannscha die Förderseile auf Maß. Nach Abschluss der Arbeiten konnte die Förderung planmäßig am 27. Dezember zur Fünf-Uhr-Seilfahrt freigegeben werden.

Die gute Zusammenarbeit der Bereiche Tagesbetrieb und Instandhaltung sowie der Windenabteilung und der Fremddienstleister machte sich beim Wechsel bemerkbar. „Nur wenn alle zusammenarbeiten, können wir das geplante Ziel erreichen“, sagte der stellvertretende Reviersteiger Mario Bastek. „Alle haben sich mit den Arbeitsschritten vertraut gemacht und mit angepackt. Ich bin stolz darauf, zu einem so gut motivierten und zusammenarbeitenden Team zu gehören.“ Der Seilwechsel erfolgte planmäßig und erfolgreich. Egal ob Elektriker, Schlosser, Schachthauer, Anschläger, Fördermaschinist, Windenfahrer oder Aufsicht – jeder trug seinen Teil dazu bei. (wib)

>>>Prosper-Haniel in Zahlen

  • Das Bergwerk besitzt fünf Tagesschächte. Davon werden zwei, Schacht Hünxe und Franz Haniel Schacht 1, nicht für Seilfahrten genutzt. Schacht 9, Franz Haniel Schacht 2 und Schacht 10 dienen als Seilfahrts- und Materialschächte.
  • An Schacht 10 befindet sich der Hauptseilfahrtsstandort.
  • Der einziehende Schacht besitzt eine Teufe von 1227 Metern (7. Sohle) und eine Förderturmhöhe von 46 Metern. Er verfügt über eine Hauptseilfahrtsanlage (HSA) und eine mittlere Seilfahrtsanlage (MSA-Bobine). Die HSA ist eine Vierseilanlage mit Flurfördermaschine in Koepe-Ausführung.
  • Die vier Förderseile haben einen Durchmesser von 50 Millimetern, ihr Gesamtgewicht beträgt 48 Tonnen. Von den vier Kreuzschlagseilen sind zwei rechtsgängig und zwei linksgängig geschlagen. Ein Seil ist 1480 Meter lang.
  • Der Förderkorb (22 Tonnen) hat drei Etagen, wovon zwei zur Seilfahrt mit je 40 Personen bestückt werden.
  • Das Gegengewicht ist ein Langteilkorb (25 Tonnen). Unter den Körben hängen zwei Unterseile mit einer Länge von je 1380 Metern bei einem Gesamtgewicht von 44 Tonnen. Die Gleichstromfördermaschine mit einer Leistung von 1,85 Megawatt bewegt bei einer Nutzlast von zwölf Tonnen die Gesamtmasse von 150 Tonnen mit 15 Metern pro Sekunde (54 km/h) bei Güterförderung und bei Seilfahrt mit zwölf Metern pro Sekunde (43 km/h) zu den drei Sohlen und zutage.

>>>Seilarbeit

  • Bei einer durchschnittlichen Anzahl von 160 Treiben pro Arbeitstag ergeben sich bei 250 Arbeitstagen rund 40.000 Treiben im Jahr. Hierbei tragen die Förderseile an Schacht 10 die Nutzlast und die Totlasten.
  • Die abgelegte Seilgarnitur leistete eine Bruttoförderarbeit von 1821 Meganewtonmetern pro Kilogramm und Seil. Hierbei sind die Seile unterschiedlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt und werden über Seil- und Treibscheibe abgelenkt.
  • Wie jede Schachtförderanlage unterliegt auch die Hauptseilfahrtsanlage an Schacht 10 einer Prüfpflicht. Fachkundiges Personal prüft wöchentlich visuell die Förderseile. Der Sachverständige schaut sich die Seile mit einem Magnetprüfgerät an und stellt dabei mögliche nicht sichtbare Schäden fest.
  • Die vier eingesetzten Förderseile haben eine ermittelte Bruchkraft von 750 Tonnen. Die betriebsübliche Belastung beträgt im Durchschnitt 80 Tonnen. Damit ist eine neunfache Seilsicherheit gegeben
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