Abfallentsorgung

Pläne für neue Mülldeponien im Ruhrgebiet lösen Streit aus

Die Zentraldeponie Emscherbruch in Gelsenkirchen ist ein wichtiger Standort des Entsorgers AGR.

Die Zentraldeponie Emscherbruch in Gelsenkirchen ist ein wichtiger Standort des Entsorgers AGR.

Foto: Hans Blossey

Essen.   Der Abfallentsorger AGR will mit der RAG drei neue Mülldeponien auf Bergbauhalden im Ruhrgebiet errichten. Doch die Vorhaben sind umstritten.

Es ist ein umstrittenes Projekt, das sich hinter dem Kürzel DAH1 verbirgt. Im Duisburger Stadtteil Baerl will der Abfallentsorger AGR gemeinsam mit dem Bergbaukonzern RAG eine Deponie auf einer bestehenden Halde errichten. „NRW benötigt dringend weitere Deponien“, sagt AGR-Chef Joachim Ronge zur Begründung. Von einem drohenden Deponie-Notstand ist in der Branche die Rede. Geeignete Standorte: dringend gesucht.

Und so ist die Idee entstanden, Bergbauflächen zu Deponien umzubauen. Das Kürzel DAH1 („Deponien auf Halden“) steht dabei für eine Gemeinschaftsfirma von AGR und RAG. Die beiden Unternehmen haben sich vorgenommen, an drei Standorten neue Deponien zu errichten. Neben der Duisburger Bergehalde Lohmannsheide sind Dorsten und Marl ausgeguckt.

„Über Jahrzehnte Lärm und Dreck“

Doch vor Ort regt sich Widerstand gegen die Pläne. Duisburg-Baerl habe sich zu einem bevorzugten Wohnviertel entwickelt, in dem sich Familien mit Kindern wohlfühlen, sagt beispielsweise der Duisburger Kommunalpolitiker Hans-Gerd Bosch (SPD). „Sollte diese Deponie kommen, werden Teile von Baerl über Jahrzehnte mit Verkehr, Lärm und Dreck belastet.“ Auch der FDP-Kommunalpolitiker Thomas Rangs gibt zu Protokoll: „Ich bin gegen die Deponie.“ Als Gründe nennt er „nicht geklärte Altlasten, das bedenkliche Auffüllmaterial und die deutliche Zunahme des Lkw-Verkehrs mit Belastungen für Anwohner und Natur“.

AGR-Chef Ronge beteuert, es gehe um „gering belastete“ Abfälle: „Beim Flächenrecycling, beim Neubau von Spielplätzen, Schulen, Straßen, Wohngebäuden oder auch bei der Hausmüllverbrennung fallen mineralische Abfälle an, die deponiert werden müssen.“ In einer Präsentation für eine Sondersitzung des Umweltausschusses der Stadt Duisburg ist von Beton, Fliesen, Keramik, Steinen und Gleisschotter die Rede.

„Die Schüttung beginnt umgehend“

Die AGR-Gruppe mit Sitz in Herten gehört zum Regionalverband Ruhr (RVR), in dem die Städte und Kreise des Reviers verbunden sind. Doch in der kommunalen Familie gibt es offenkundig eine gewisse Uneinigkeit darüber, wo letztlich der Müll des Reviers landen soll. „Nur weil wir keine Deponien in unserer Nähe wollen, wird der Abfall nicht weniger“, mahnt AGR-Manager Ronge.

Auch in Datteln gab es unlängst Streit um eine AGR-Deponie. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster steht nun fest: Der Abfallentsorger darf die zwischenzeitlich stillgelegte Deponie wieder nutzen. Eine Klage der Stadt Datteln gegen die Pläne sei abgewiesen worden, heißt es auf der AGR-Internetseite – und: „Die Schüttung beginnt umgehend.“ Lkw sollen unter anderem Böden und Bauschutt nach Datteln bringen.

Standorte in Gelsenkirchen und Datteln

In Gelsenkirchen kann die AGR die Zentraldeponie Emscherbruch nutzen. Hier liegt unter anderem Material, das im Zuge der Emscher-Renaturierung oder bei der Sanierung der Bochumer Opel-Fläche abtransportiert worden ist. Doch Datteln und Gelsenkirchen sind nach Einschätzung der AGR auf Dauer nicht ausreichend für eine Großstadtregion wie das Ruhrgebiet. „Die temporäre Nutzung der Deponie in Datteln schafft keine Entsorgungssicherheit“, sagt AGR-Chef Ronge. „Wir überbrücken lediglich teilweise den Zeitbedarf bis zum zwingenden Aufbau künftiger Kapazitäten. Das massive Problem zu geringer Deponiekapazitäten bleibt.“

Ob ein Standort als Deponie geeignet sei, werde in strengen Genehmigungsverfahren – sogenannten Planfeststellungsverfahren – nachgewiesen, betont Ronge und verweist auf vielfältige Prüfungen zur Umweltverträglichkeit.

Ruf nach Renaturierung

In Velbert wird ein ehemaliger Steinbruch als Deponie für Bauschutt genutzt. Die örtlichen Betreiber planen ebenfalls eine Erweiterung. Mit dem Ende der Steinkohlenförderung sind Halden wie der Dorstener Standort Hürfeld nach Einschätzung von RAG und AGR gut geeignet für die Entsorgungsbranche. Bislang wird Bergematerial aus der Bottroper Zeche Prosper-Haniel nach Dorsten gebracht. Ende des Jahres soll damit Schluss sein. Der Duisburger Standort Lohmannsheide war ursprünglich als Reservefläche für die Bergwerke Walsum und West vorgesehen.

Den Duisburger Grünen-Bezirksvertreter Dietmar Beckmann können die Argumente der AGR bislang indes nicht überzeugen. „Wir bleiben bei der Position, dass die Halde Lohmannsheide keine Deponie werden darf“, sagt er. Ziel müsse die Renaturierung der Bergbaufläche sein, „damit sich die Natur hier weiterentwickeln kann“.

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben