Start-ups

Pfiffige Ideen aus Israel sollen Ruhrwirtschaft beflügeln

Eitan Parnass, Geschäftsführer der Green Energy Association in Israel bei seinem Besuch in Essen.

Eitan Parnass, Geschäftsführer der Green Energy Association in Israel bei seinem Besuch in Essen.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Ruhrgebiet will von der boomenden Start-up-Szene in Isreal profitieren. Helfen können die jungen Unternehmen vor allem bei der Energiewende.

Dem Ruhrgebiet wird stets attestiert, dass es bei Innovationen und Start-ups mit pfiffigen Ideen anderen Regionen hinterher hinkt. Das soll sich ändern. Das Revier will von anderen Ländern lernen. Die erste „Innovationsbrücke“ hat die Business Metropole Ruhr GmbH nach Israel geschlagen. Das kleine Land gilt aktuell weltweit als Herz der Gründerszene.

„Israel ist eine Start-up-Nation geworden. Junge Leute haben eine hohe Motivation, eigene Unternehmen zu gründen – zumeist in der IT-Branche“, sagt Eitan Parnass. Der Geschäftsführer der Green Energy Association of Israel war unlängst mit einer israelischen Delegation im Ruhrgebiet, um sich über die deutsche Energiewende zu informieren und Geschäftsmöglichkeiten zu informieren. Denn das ist das Hauptproblem der Israelis: „Wir haben wunderbare Ideen, aber nicht den Markt, sie zu verwirklichen“, meint Parnass im Hinblick auf die gerade einmal acht Millionen Einwohner in Israel und die angespannte politische Lage mit den Nachbarländern.

Aus diesem Grund lief Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr GmbH, offene Türen in Israel ein, als er im Jahr 2017 den Vorstoß für die „Innovationsbrücke“ machte. „Wir brauchen die pfiffigsten Unternehmen für das Ruhrgebiet“, sagt Beck. „Wir wollen Lerneffekte erzielen über regionale Innovationssysteme und deren Start-up-Kultur in das Ruhrgebiet bringen.“ Mit Vertretern großer Revier-Konzerne wie Thyssenkrupp, Rhenus, Vonovia und der Funke Mediengruppe ist er bereits mehrfach in Israel gewesen. Die ersten Kooperationen und Beteiligungen seien abgeschlossen worden.

Speichertechnologien aus Israel

Nach Einschätzung von Eitan Parnass sind israelische Unternehmen bei der Entwicklung von Speichertechnologien sehr weit. „In Israel haben wir aber immer noch ein Monopol der Stromerzeuger. Deshalb ist es schwierig für Start-ups, auf dem Heimatmarkt Speichertechnologien einzusetzen“, so der Geschäftsführer des Energieverbands mit Sitz in Jerusalem. In Deutschland sei das viel leichter.

Als Start-up-Unternehmen in Israel gestartet, ist Solar Edge zum Weltmarktführer für Solarenergie aufgestiegen. „Aus der Firma gehen schon wieder neue Start-ups hervor“, sagt Parnass. Und Storedot ist ein israelisches Lithium-Ionen-Batterieunternehmen, das an dem ehrgeizigen Ziel arbeitet, einen Elektroauto-Akku in nur fünf Minuten aufzuladen.

Innovationsbrücken nach USA, Kanada, China und in die Türkei

„Israelische Start-ups können im eigenen Land kaum skalieren. Sie suchen deshalb händeringend internationale Industriepartner“, sagt Wirtschaftsförderer Beck. Das Ruhrgebiet sei eine der ersten Regionen, die eine strategische Partnerschaft mit den Israelis eingegangen seien.

Und dabei soll es nicht bleiben. Die Business Metropole Ruhr plant weiter „Innovationsbrücken“: USA und Kanada für das große Zukunftsthema Künstliche Intelligenz und China für digitale Technologien rund um Smart City. „Auch die Türkei und Benelux-Staaten sehen wir perspektivisch als interessante Märkte“, meint Beck.

Kritik am Regionalverband Ruhr

Für ihren Kurs, die Ruhrwirtschaft mit internationalen Partnern zusammenzubringen, bekommen die Wirtschaftsförderer ausdrücklich Rückendeckung aus dem Kreis hiesiger Unternehmen. „Das Ruhrgebiet ist in Brüssel kaum präsent. Dafür aber Bayern, Flandern und Oberschlesien. Deshalb sind die Innovations-Brücken wichtig“, sagt Hans-Peter Noll, Vorsitzender des Beirats der Business Metropole Ruhr GmbH. Noll, der hauptberuflich Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein ist, verweist auf die erwarteten Verschlechterungen für das Ruhrgebiet bei Förderprogrammen der Europäischen Union. In Brüssel wünscht sich Noll deshalb eine stärkere Präsenz des Regionalverbands Ruhr (RVR).

Info-Box

Im November 2017 hat die Business Metropole Ruhr GmbH (BMR) gemeinsam mit der Außenhandelskammer Israel in Tel Aviv einen Innovation Scout für Unternehmen aus dem Ruhrgebiet ins Leben gerufen. Daran beteiligt sind Unternehmen wie Rhenus Logistics, Thyssenkrupp und Vonovia. Auf kommunaler Seite sind die Wirtschaftsförderungen Essen und Bochum mit dabei. Der Scout analysiert für bestimmte Branchen den israelischen Markt analysiert, identifiziert Trends, sucht nach interessanten Start-ups und technologischen Lösungen.

Info: https://business.metropoleruhr.de/innobridge/

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben