Berufsausbildung

NRW-Handwerk fordert kostenlose Ausbildung für Meister

Meisterwerk aus Schokolade: Angehende Konditorei-Meisterin zeigt, was sie in der Ausbildung gelernt hat.

Meisterwerk aus Schokolade: Angehende Konditorei-Meisterin zeigt, was sie in der Ausbildung gelernt hat.

Foto: Fischer / Fischer / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Angehende Handwerksmeister müssen Tausende Euro für ihre Ausbildung bezahlen. Das sollte sich ändern, sagt der Westdeutsche Handwerkskammertag.

Das NRW-Handwerk fordert angesichts des fortschreitenden Fachkräftemangels die Gratis-Ausbildung von angehenden Handwerksmeistern, wenn diese ihre Prüfungen erfolgreich abschließen. „Das Handwerk erwartet, dass angehende Meister durch das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz genauso gestellt werden wie Studierende an Fachhochschulen und Universitäten“, sagte Hans Hund, Präsident des Westdeutschen Handwerkskammertags, dieser Redaktion.

Es dürfe nicht so bleiben, dass Meister am Ende mehrere Tausend Euro Schulden aufgrund der Lehrgangskosten haben, alle Kosten der Studierenden aber der Steuerzahler trage – sogar für den Fall, dass der Student seinen Abschluss nicht erreiche, so Hund. Auch Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, deren Gebiet Teile des Ruhrgebietes einschließt, unterstützt die Initiative: „Wenn jemand die Meisterprüfung besteht, dann sollte er nicht auf den Kosten sitzen bleiben.“ Bei Misserfolg sollten die Handwerker weiter für die Kosten aufkommen müssen. Die Kopplung von Vergünstigungen an den Lernerfolg gehöre zu den Grundhaltungen im Handwerk.

3000 bis 5000 Euro Kosten

Laut dem Westdeutschen Handwerkskammertag liegen die Kosten für eine Meisterausbildung derzeit trotz diverser Zuschüsse im Schnitt zwischen 3000 und 5000 Euro. Der Betrag ist von Gewerk zu Gewerk unterschiedlich. Besonders hoch sind die Belastungen laut Ehlert bei den Zahntechnikern, weil diese mit teuren Materialien wie Gold arbeiten. Die Zahl der Betriebe sinkt in vielen Branchen, weil keine Nachfolger bereitstehen.

Die Bundesregierung arbeitet gerade an einer Reform des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz („Aufstiegs-Bafög“). Laut Koalitionsvertrag stehen dafür rund 350 Millionen Euro zur Verfügung. Angehende Meister dürfen den Plänen zufolge mit einer verbesserten Unterstützung bei den Lehrgangskosten rechnen, kostenfrei würde die Ausbildung demnach aber auch künftig nicht sein.

Arbeitsminister Laumann reagiert vorsichtig

NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) reagierte vorsichtig auf die Forderungen des Handwerks. „Wir sollten nun erstmal diese Gesetzesnovelle abwarten, und dann können wir die Situation neu bewerten“, sagte Laumann dieser Zeitung. Er freue sich jedenfalls sehr, dass der Bund sich vorgenommen habe, den beruflichen Aufstieg unter anderem durch Meister- und Erfolgsboni zu erleichtern. Die Änderungen sollen Laumann zufolge bereits Anfang 2020 in Kraft treten.

Derzeit kümmert sich die Landesregierung besonders um die überbetrieblichen Bildungsstätten in NRW. Sie können in den kommenden Jahren umfassend modernisiert werden.

Nicht nur den angehenden Meistern entstehen während ihrer Berufsausbildung Kosten. So wird die schulische Ausbildung in Mangelberufen wie „Erzieher“ oder „Physiotherapeut“ in der Regel nicht vergütet. Auch diese Nachteile geraten wegen des Fachkräftemangels verstärkt in den Fokus.​

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