Nach Dieselskandal

Darum lässt der neue Abgastest die Kfz-Steuer steigen

Ferdinand Dudenhöffer beantwortet Fragen zum Dieselskandal

Im Livestream konnten Leser direkt Fragen an den Autoexperten stellen.

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Duisburg.   Der neue Abgastest WLTP führt auf dem Papier zu höherem Spritverbrauch und mehr Schadstoff-Ausstoß bei Neuwagen. Dadurch steigt die Kfz-Steuer.

Als Lehre aus dem Diesel-Abgasskandal werden seit Samstag nur Autos zugelassen, die dem realitätsnäheren Abgastest WLTP unterzogen wurden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet WLTP?

Die Abkürzung steht für „Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure“. Das Messverfahren wird europaweit eingesetzt, um realistischere Werte bei Schadstoffemissionen und Verbrauch neu zugelassener Autos zu ermitteln. Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen geht unter Berufung auf Prognosen davon aus, dass Pkw durch den schärferen WLTP-Test auf dem Papier 20 Prozent mehr Sprit schlucken und damit 20 Prozent mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstoßen werden.

Welche Folgen haben die neuen Werte für die Autofahrer?

Der Autoclub ADAC rechnet damit, dass die Belastungen aus der Kfz-Steuer steigen werden, weil Pkw in neue Steuerklassen eingruppiert werden, obwohl sich am realen Verbrauch und Schadstoffausstoß womöglich gar nichts ändert. Sie wird nach dem Hubraum und dem CO2-Wert eines Fahrzeugs berechnet. „Im Ergebnis führt die Umstellung zu einer spürbaren Erhöhung der Kfz-Steuer“, sagt ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker. Für einzelne Modelle sei mit Mehrausgaben von bis zu 70 Prozent zu rechnen. Autoexperte Dudenhöffer erwartet ein durchschnittliches Plus von 50 Euro mehr Kfz-Steuer pro neu zugelassenem Auto. Das wären jährliche Mehreinnahmen von 170 Millionen für den Fiskus. Das Aufkommen aus der Kfz-Steuer betrug bislang knapp neun Milliarden Euro.

Wie kommt es zu den Lieferengpässen einiger Hersteller?

„Besonders bei den Marken des VW-Konzerns sind wichtige Einstiegsversionen derzeit nicht lieferbar, weil man mit dem Zertifizierungs-Procedere hinterher hinkt“, sagt Dudenhöffer. Sein CAR-Institut hat sich die 30 meistverkauften Benziner angeschaut. „Aktuell sind acht dieser 30 Modelle oder 27 Prozent nicht bestellbar“, so der Professor. Der Auswertung zufolge können die meistverkauften Modelle von BMW, Ford, Hyundai, Opel, Peugeot, Renault und Smart derzeit ohne Einschränkung bestellt werden. „Teils massive“ Probleme gebe es dagegen bei Audi, Seat, Skoda und VW.

Wird das Angebot knapper?

Dudenhöffer rechnet für den gesamten Markt lediglich mit einer „WLTP-Delle“. Er erwartet für das zweite Halbjahr einen Rückgang der Neuzulassungen um 90 000 oder 5,7 Prozent auf 1,56 Millionen. Stärker trifft es freilich Volkswagen. Für Autos, die auf ihren Abgastest warten, hat der Konzern 8000 Parkplätze auf dem noch immer nicht fertiggestellten Berliner Flughafen angemietet.

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