Test in Duisburg

Nächster Halt für den Kleinbus: Die eigene Haustür

Mit Kleinbussen will die Duisburger Verkehrsgesellschaft ab Herbst Fahrgäste aufsammeln und an ihre Wunsch-Zielorte bringen. Die Routenplanung erfolgt digital und in Echtzeit.

Mit Kleinbussen will die Duisburger Verkehrsgesellschaft ab Herbst Fahrgäste aufsammeln und an ihre Wunsch-Zielorte bringen. Die Routenplanung erfolgt digital und in Echtzeit.

Foto: HO

Duisburg.   Duisburg testet als erste Stadt bundesweit Kleinbusse, die per Handy geordert werden. Die Fahrgäste kommen zum Wunschziel statt zur Haltestelle.

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Ab Oktober sollen sie durch die Duisburger Innenstadt fahren: Die neuen On-Demand-Busse der Duisburger Verkehrsgesellschaft. Bus auf Abruf also, das ist neu. Und angeblich nicht zu vergleichen mit: Taxi bei Anruf. „Alles läuft digital“, erklärt Kathrin Naß, Sprecherin der DVG. Per App kann der Fahrgast einen der Kleinbusse ordern und sich durch Duisburg fahren lassen, wenn gewünscht, sogar bis vor die Haustür. Er muss das Shuttle aber mit anderen Fahrgästen teilen, sofern sie eine ähnliche Reiseroute in die App eingegeben haben. Der große Vorteil zum herkömmlichen Fahrservice in Gelb: „Der Preis“, sagt Naß.

Deutlich günstiger soll die Fahrt mit dem neuen Mini-Bus sein, wie günstig, das kann Naß aber noch nicht sagen: „Die Verhandlungen mit dem VRR laufen noch.“

Bezahlung ausschließlich digital

Zwar günstiger als ein Taxi, aber teurer als eine normale Busfahrt wird ein Ticket sicher sein. Bezahlt werden kann auch nur noch digital. Klar ist damit auch, für wen der neue Bestell-Bus gedacht ist: „Wir wollen hauptsächlich jüngere Menschen ansprechen, die immer ihr Smartphone dabei haben“, erklärt die DVG-Sprecherin.

Die Testphase läuft bis Ende 2019 und umfasst erst einmal die Bereiche Duisburger Innenstadt, die Umgebung der Universität und des Innenhafens. Fünf On-Demand-Busse sollen regelmäßig zum Einsatz kommen. Die Mini-Busse bieten Platz für je fünf Fahrgäste. Das neue System wird in die bestehende DVG-App integriert.

Die Busse und Fahrer stellt die DVG

Wie genau die Kombination aus App und Mini-Bus funktioniert, erklärt Lidia Fabian von Door2door. Das Unternehmen hat die Software entwickelt und testet gemeinsam mit der DVG die Umsetzung im Stadtgebiet. Die Busse und Fahrer stellt die DVG, das System, für das die Verkehrsgesellschaft eine Lizenzgebühr bezahlt, stellt Door2door zur Verfügung.

Das Programm besteht aus drei Bereichen. Zum Ersten aus der App, die der Fahrgast auf sein Smartphone lädt, mit der er den Bus bestellt, das Ziel eingibt, die Fahrzeit angezeigt bekommt und womöglich auch die Fahrt bezahlen kann. Zum Zweiten aus der Software, die den Mini-Busfahrern per Bordcomputer anzeigt, welche Fahrgäste als nächstes eingesammelt und welche Fahrtstrecke am besten gefahren werden soll. Zum Dritten aus einem Kontrollprogramm, das für den Betrieb genau sichtbar macht, welcher Bus gerade wo und wohin unterwegs ist und wie viele Kunden derzeit an den Strecken warten.

Test zunächst am Wochenende

Die Kooperation ist ein Pilot-Projekt, denn deutschlandweit wird erstmals ein kommunales Verkehrsunternehmen dieses Mobilitätssystem einsetzen.

Die neuen On-Demand-Busse sollen vornehmlich in den Zeiten eingesetzt werden, in denen die ÖPNV-Versorgung schwächer, die Fahrgäste aber zahlreich sind: „In der Testphase werden die Busse erst einmal am Wochenende fahren“, so Door2door-Sprecherin Fabian. Ziel sei es, Menschen dazu zu bewegen, ihr eigenes Auto öfter zu Hause stehen zu lassen. Durch die Daten, die „anonym“, wie Fabian betont, gesammelt werden, ließe sich auch schnell erkennen, wo es Engpässe in der ÖPNV-Versorgung gebe.

„Die Daten helfen, die Versorgung zu optimieren. Die Software in Kombination mit den Kleinbussen ist auch deutlich schneller, flexibler und günstiger als beispielsweise der Bau einer neuen U-Bahn oder die Einrichtung einer neuen Buslinie“, sagt die Door2door-Sprecherin. Das Un­ter­nehmen führt auch mit anderen Verkehrsgesellschaften bereits Gespräche, im Erfolgsfall könnte das Modell demnach im Ruhrgebiet ausgerollt werden.

Konkurrenz für die Taxi-Unternehmen

Ob sich das digitale Bussystem für die DVG rentiert, muss sich zeigen. „Wir gehen davon aus, dass die On-Demand-Busse gut ankommen, aber es ist ein ganz neues Konzept und wir nehmen eine Pionier-Rolle ein“, heißt es.

Weniger euphorisch dürfte die Stimmung bei den Duisburger Taxi-Unternehmen sein. Busse, die bis zur Haustür fahren, wären eine direkte Konkurrenz für sie.

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