Sicherheit

Mobile Connect – Ein neuer Generalschlüssel des Internets?

Foto: peterhowell / Getty Images/iStockphoto

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Berlin  Deutsche Mobilfunkbetreiber erleichtern Anmeldungen: Das Smartphone soll Passwörter ersetzen und Benutzernamen überflüssig machen.

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Digitale Raubzüge sollen mit einer in Deutschland neuen Technik gestoppt werden. Die Deutschen nehmen es mit ihren Passwörtern im Internet selten genau. Sie ändern es kaum, sind auch nicht sonderlich einfallsreich. Zu den Top Ten gehören trotz aller Warnungen noch immer „123456“, „hallo“ oder „passwort“. Kriminelle können sie leicht knacken, so die Identität klauen und dann zum Beispiel im Netz einkaufen. Das kann für einen selbst teuer werden. Die drei großen deutschen Mobilfunkanbieter versprechen jetzt, derartiges unmöglich zu machen.

Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2) führen das System Mobile Connect ein, mit dem das Smartphone zum Ausweis wird: Das Passwort wird überflüssig, ein Benutzername auch. Der Kunde gibt bei einem Onlinehändler oder einem Internetportal nur noch seine Handynummer ein. Dann bekommt er eine SMS mit einem Link. Klickt er darauf, wird er automatisch auf dem entsprechenden Portal eingeloggt. Die Handynummer wird so zu einer Art Generalschlüssel fürs Internet.

Mobile Connect in mehr als 30 Ländern weltweit

Künftig soll mit dem Verfahren selbst ein Login bei digitalen Behördengängen möglich sein, etwa um einen Personalausweis zu beantragen. Bezahlen lässt sich der Pass damit allerdings noch nicht. Und das Verfahren funktioniert auch nur bei den Internetportalen und -händlern, die es auch akzeptieren. Mobile Connect wird bereits in mehr als 30 Ländern weltweit genutzt.

Alles beginne damit, dass sich der Kunde einmal bei denen, die mit Mobile Connect zusammenarbeiteten, registriere, sagt Dirk Popp von der Datenplattform Verimi, die mitmacht. Der Name steht für „Verify me“, „Überprüf mich“. Dahinter stehen deutsche Firmen, wie Allianz, Axel Springer („Welt“, „Bild“), Daimler, Deutsche Bank und Lufthansa. Auch die Deutsche Telekom ist dabei. Wer künftig auf ihren Internetseiten einkaufen geht, wird einen extra Schaltknopf für den neuen Service finden.

Viele sensible Daten bereits bei den US-Konzernen

Die deutschen Firmen verfolgen damit ein ganz eigenes Interesse. Sie wollen US-Anbietern wie Google, Facebook und Amazon Konkurrenz machen. Denn heute greifen viele für ein einfacheres Anmeldeverfahren bei Einkaufsportalen oder Streaminganbietern auf ihren Zugang beim sozialen Netzwerk Facebook oder bei Google zurück. Ein Problem für Verbraucher dabei: Am Ende liegen dann viele sensible Daten bei den US-Konzernen. Nur: Wird das bei Mobile Connect anders sein? Hat das neue System nur Vorteile?

„Als Telekommunikationsunternehmen unterliegen wir den Regelungen des strengen deutschen Datenschutzes. Daher werden keine Kundendaten ohne explizite Zustimmung des Kunden weitergegeben“, sagt etwa Rainer Knirsch, der für die Deutsche Telekom spricht. Die Mobilfunkanbieter glauben auch, dass es keinen Angriff von Hackern auf ihr System geben wird. Michael Reinartz, Direktor Strategie und Innovation bei Vodafone Deutschland, erklärt: „Mit Mobile Connect werden wir unseren Kunden das derzeit sicherste Verfahren für die Authentifizierung und Abwicklung von digitalen Kaufprozessen anbieten.“

Viele Shoppingportale werden profitieren

Technisch ist aber noch mehr denkbar. Es lasse sich auch eine PIN-Abfrage und der Abgleich von biometrischen Daten in Mobile Connect inte­grieren, heißt es – etwa Fingerabdrücke oder Gesichtserkennung. Beides können viele Smartphones bereits.

Mittelfristig soll, wer in Onlineshops bestellen will, auch Lieferadresse und Bankverbindung von Mobile Connect automatisch übertragen lassen können. Sie müssen dann nicht mehr per Hand immer wieder eingegeben werden. Kunden müssen dem nur einmal explizit zustimmen. Das ist bequem. Aber so gewährt man anderen immer größere Einblicke in Vorlieben beim Einkauf und beim Surfen im Netz.

Das müsse man sich alles vor Augen führen, bevor man diesen Datenaustausch mitmache, sich registrieren lasse, erklären Verbraucherschützer ganz grundsätzlich. Mehr sagen sie derzeit noch nicht. Noch ist zu viel im Aufbau. Mobile Connect startet in Deutschland im Sommer. Profitieren werden am Ende auf jeden Fall die Shoppingportale. Denn wer hat nicht schon mal den Einkauf abgebrochen, weil das Passwort gerade nicht zur Hand war.

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