Automobilzulieferer

Automobilzulieferer Kirchhoff investiert in Attendorn

Der Automobilzulieferer Kirchhoff investiert am Standort Attendorn vier Millionen Euro in den Neuwerkzeugbau. Im Bild: Messtechniker Dominik Bieker

Der Automobilzulieferer Kirchhoff investiert am Standort Attendorn vier Millionen Euro in den Neuwerkzeugbau. Im Bild: Messtechniker Dominik Bieker

Foto: Jens Helmecke / WP - Jens Helmecke

Attendorn.  Der Automobilzulieferer Kirchhoff investiert am Standort Attendorn in den eigenen Werkzeugbau und scheut Konkurrenz aus Asien nicht.

Der Automobilzulieferer Kirchhoff Automotive investiert in Attendorn weiter konsequent in den eigenen Werkzeugbau und setzt damit ein Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Bis 2021 soll so der Umsatz in dieser Sparte gegenüber 2018 mit einem Drittel mehr Belegschaft um 50 Prozent gesteigert werden.

Die Grundsatzentscheidung des Automobilzulieferers, Werkzeuge für die Produktion von Karosserieteilen vorzugsweise nicht zuzukaufen, sondern in Eigenregie zu entwickeln und am Automotive-Standort im Sauerland zu bauen, liegt bereits gut zehn Jahre zurück. „Damals stellte sich die Frage, investieren oder schließen“, sagt Jürgen Wlochowicz, Leiter der Abteilung Neuwerkzeugbau. 2008 wurden die Standorte Attendorn und Olpe, drei Jahre später dann auch der Werkzeugbau in Iserlohn zentralisiert, zunächst in Olpe.

Werkzeugbau-Akademie Aachen

Seit 2013 werden Werkzeuge bei Kirchhoff in unmittelbarer Nähe zur Entwicklungsabteilung und der Produktion am Standort Attendorn gefertigt. Durchaus ein Vorteil in Bezug auf gute Abstimmung entlang der Wertschöpfungskette. Letztendlich muss sich der Neuwerkzeugbau im Sauerland aber mit Konkurrenz aus aller Welt messen, denn Kirchhoff ist global aufgestellt, verfügt über weitere Produktionsstätten in Europa, Asien und Amerika, die beim Einkauf von Werkzeugen für neue Produkte nichts zu verschenken haben. „Der einzige Vorteil, den wir gegenüber externen Werkzeugbauern haben, ist der ,last Call’. Aber der allein hilft nicht viel, wenn auf ein Teil mehrere Konkurrenten bieten“, sagt Wlochowicz mit Blick auf die Konkurrenten weltweit.

In den vergangenen Jahren haben die Sauerländer ihren Werkzeugbau systematisch auf den Prüfstand gestellt und die Abläufe effizient organisiert. Beim Blick in die über 2000 Quadratmeter große Halle wirkt jeder Winkel aufgeräumt. Mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Werkzeugbau Akademie im Umfeld der RWTH Aachen wurden moderne Arbeitsmethoden eingeführt.

Die Daten zu jedem Produktionsschritt werden rund um die Uhr erfasst und ausgewertet. Das Motto in Attendorn: Nicht härter, sondern intelligenter und schneller arbeiten. Beispiel Fräsen: „Jeder Mitarbeiter kann Programme schreiben und jede Maschine bedienen.“ Zur Konkurrenzfähigkeit des Standortes trägt neben modernster Technik und Methoden nicht zuletzt die Bereitschaft der Belegschaft zu einem flexiblen Arbeitszeitmodell bei. Seit 2014 wird am Standort mit Arbeitszeitkonten gearbeitet, die bis zu 160 Stunden ins Plus oder Minus gefahren werden können, um Auftragsschwankungen auszugleichen.

„Höflich ausgedrückt ist eine konstante Auslastung des Werkzeugbaus schwierig“, sagt Wlochowicz. Das Ergebnis unter dem Strich: Kirchhoff-Werkzeugbau könne gegen Konkurrenz aus dem asiatischen Raum bestehen. „Das schaffen wir“, versichert Wlochowicz.

E-Mobilität erfordert neue Lösungen

Und das erklärt auch, warum Kirchhoff in den eigenen Werkzeugbau weiter investiert. Zumal durch die Elektromobilität noch einmal ein Schub erwartet wird. Um die E-Autos sicher zu machen, müssen vor allem im Frontendbereich neue Lösungen her, erklärt Wlochowicz: „Beim Elektro-Mini wird beispielsweise die Karosse des normalen Minis genommen.“ Aber ohne Motorblock, der bei einem Aufprall einiges an Energie vor der Fahrgastzelle abfängt. „Unser Bumper (Stoßfänger/Red.) macht den Job des Motors mit“, sagt der Chef des Werkzeugbaus.

Das setzt voraus, dass sehr viel mehr hochfeste und hochwertige Teile Einzug in den Karosseriebau halten, die zudem leicht sein müssen. Kirchhoff hat auf der IAA in Frankfurt gezeigt, wohin die Entwicklung gehen kann und wähnt sich der Konkurrenz durchaus ein gutes Stück voraus. Mit dem eigenen Werkzeugbau behält das Unternehmen nicht zuletzt ein erhebliches Maß an Know-how im Unternehmen und am Standort Sauerland.

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