Insolvenz

Produktengpass: Traditionsmarke Kettler kämpft ums Überleben

In Zukunft will sich Kettler auf weniger Modelle in den einzelnen Sparten beschränken, um effizienter produzieren zu können. Ob dieser Plan die Marke aus der Insolvenz noch retten kann, dürfte sich bis Ende dieses Jahres erweisen. Foto: Thomas Nitsche

In Zukunft will sich Kettler auf weniger Modelle in den einzelnen Sparten beschränken, um effizienter produzieren zu können. Ob dieser Plan die Marke aus der Insolvenz noch retten kann, dürfte sich bis Ende dieses Jahres erweisen. Foto: Thomas Nitsche

Foto: Thomas Nitsche / WAZ / FotoPool

Ense/Werl.  Die Zukunft der Traditionsmarke Kettler ist ungewiss. Die Produktlinie soll schlanker werden: Dabei bleibt auch das Kettcar nicht unangetastet.

Es ist ein schwieriges Ringen um die Traditionsmarke Kettler. Der dritte Gang in die Insolvenz vor sieben Wochen belastet die Geschäftsbeziehungen und dürfte unweigerlich auch tagtäglich in den Köpfen der gut 500 Beschäftigten in Ense und Werl umherschwirren. Zumal bis heute unklar ist, wie es ab kommenden Monat weitergeht, wenn die Zahlung des Insolvenzgeldes durch die Bundesagentur für Arbeit endet.

Da vonseiten der Geschäftsführung auf Betreiben des neuen Gesellschafters Lafayette Capital der Insolvenzantrag bereits am 31. Juli eingereicht worden war, ist der Maximalzeitraum von drei Monaten Insolvenzgeld am 30. September erreicht. „Wir prüfen derzeit, ob ein sogenanntes Rollieren des Insolvenzgeldes sinnvoll und möglich ist“, heißt es von Unternehmensseite auf Anfrage dieser Zeitung. Ob dies sinnvoll und möglich ist, hängt maßgeblich von der Zustimmung der Arbeitsagentur ab, die dafür die Zukunftsperspektiven unter die Lupe nehmen will.

Weniger soll mehr sein

Noch allerdings existiert kein vorlagereifer Sanierungsplan, lediglich die Idee, wie die Marke wieder auf die Beine kommen soll: Die konsequente Verschlankung der Produktpalette in allen Bereichen – Sportgeräte, Gartenmöbel, Kinder- und Jugendmöbel sowie Spielgeräte – soll helfen. „Die Anzahl der vergleichbaren Großgeräte in der jeweiligen Produktsparte (Ergometer, Laufbänder oder Crosstrainer) wird reduziert. Wir werden eine sinnvolle Variantenzahl anbieten. Im Gartenmöbelbereich wurde das Tischsortiment verkleinert. Auch an dem sehr breiten Sortiment an Artikeln aus Aluminium mit Outdoorgewebe wurde gearbeitet. Im Spiel- und Kind-Bereich ist das Sortiment ebenfalls bereinigt worden“, zählt Kettler auf.

Sogar das Kettcar, Sinnbild der Marke, bleibt nicht unangetastet. Immerhin: Das emotionalste Produkt aus Ense soll es auch in Zukunft geben, aber auch hier in weniger Varianten.

Erneut Produktionsengpässe

Momentan hat das Unternehmen alle Hände voll zu tun, die Produktion überhaupt verlässlich aufrechtzuerhalten. „Es gibt zur Zeit Engpässe an verschiedenen Stellen in der Fertigung“, räumt das Unternehmen ein. Verlorenes Vertrauen von Zulieferern durch den dritten Insolvenzgang innerhalb von vier Jahren hat in den vergangenen Wochen erneut zu Produktionsstörungen geführt. Mittlerweile „haben wir die notwendigen Belieferungen wieder hergestellt“, versichert Kettler.

Ein wesentlicher Grund für die dramatische Lage ist nach Ansicht der neuen Unternehmensführung ein Managementfehler: „Die Fertigung wurde in den letzten Jahren zunehmend nach China verlagert. Begründung hierfür war eine Betrachtung der Fertigungskosten des jeweiligen Produkts, ohne Berücksichtigung, dass es einer Fixkostendeckung des Betriebs insgesamt bedarf, wozu eine gewisse Auslastung zwingend ist. Die Verlagerung hat der Lebensfähigkeit der deutschen Produktion erheblich geschadet.“

Auch wenn sich „Versäumnisse der Vergangenheit nicht über Nacht lösen lassen“, wie es in einer Mitteilung der Unternehmensführung an diese Zeitung heißt, trage die angestrebte Fokussierung nach der Devise „weniger ist mehr“ aus Kettler-Sicht bereits Früchte: „Die Auswirkungen werden sich kurzfristig einstellen, wenn wir mit der Vereinfachung der Prozesse in der Planung und der Fertigung profitieren. In der bisherigen Art und Weise lässt sich Kettler jedenfalls nicht fortführen, das wurde in den letzten fünf Jahren hinreichend bewiesen.“

Hoffnung machen dem Unternehmen die Kunden. „Ein Problem hat Kettler definitiv nicht: Mangelnde Nachfrage.“ Die Resonanz auf den diesjährigen Messen wie der Sportgeräte- und Gartenmöbelmesse (Spoga+gafa) in Köln Anfang September, also bereits in der Insolvenzphase, sei groß gewesen. Die Händler hätten fleißig geordert, von signifikanten Stornierungen geht man bei Kettler nicht aus.

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