Kampf um die Cannabis-Lizenzen

An Rhein und Ruhr.   Cannabis auf Rezept – seit knapp einem Jahr Realität in deutschen Apotheken, aber für viele noch immer ein streitbares Thema. Einige Landwirte und Unternehmen hoffen allerdings auch auf ein lukratives Geschäft, das sich mit der Legalisierung des Anbaus öffnen könnte. Denn während das Cannabis bisher noch vollständig aus dem Ausland bezogen wird, soll es zukünftig aus deutschem Anbau kommen.

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Cannabis auf Rezept – seit knapp einem Jahr Realität in deutschen Apotheken, aber für viele noch immer ein streitbares Thema. Einige Landwirte und Unternehmen hoffen allerdings auch auf ein lukratives Geschäft, das sich mit der Legalisierung des Anbaus öffnen könnte. Denn während das Cannabis bisher noch vollständig aus dem Ausland bezogen wird, soll es zukünftig aus deutschem Anbau kommen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat eigens dafür im vergangenen Jahr die Cannabis-Agentur eingerichtet, die den Anbau der umstrittenen Pflanze zu medizinischen Zwecken in Deutschland steuern und kontrollieren soll. Während beispielsweise am Niederrhein regelmäßig illegale Plantagen entdeckt und vernichtet werden, hatten Landwirte und Unternehmen nun auf Zuschläge für den legalen Anbau gehofft.

Doch das Ausschreibungsverfahren für den Lieferzeitraum 2019 bis 2022 hat bei den meisten für Ernüchterung gesorgt. Denn die Kriterien ließen viele deutsche Bewerber verzweifeln. Nur zehn Aufträge werden insgesamt verteilt, die Vorauswahl erfolgt nach einem Punktesystem. Das Problem: Die Höchstpunktzahl lässt sich für deutsche Unternehmer nicht erreichen. Dafür bedarf es nämlich „Referenzen über früher ausgeführte Aufträge des Bewerbers zu Anbau, Verarbeitung und Lieferung von Cannabis für medizinische Zwecke“ in den vergangenen drei Jahren, heißt es in der Ausschreibung. Diese Expertise konnte bisher in Deutschland niemand sammeln.

„Skandalös“ nennt das Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. „Wir haben ein interessiertes Unternehmen aus NRW beraten, das aber inzwischen in Folge dieser Entwicklung Insolvenz anmelden musste.“ Auch Bauern, die Nutzhanf angebaut haben, würden ausgeschlossen, so Rüb. Nutzhanf enthält nur sehr wenig der berauschenden Substanz THC und wird etwa für Textilien verwendet.

Der Deutsche Hanfverband spricht von mehr als 100 Bewerbern. „Es ist für die deutschen Anbieter eigentlich nur möglich, sich mit ausländischen Partnern zu beteiligen“, sagt Georg Wurth, der Vorsitzende des Deutschen Hanfverbands. So begann für viele deutsche Start-ups im April die Suche nach erfahrenen ausländischen Partnern, beispielsweise aus Kanada oder Israel. „Für die ausländischen Firmen ist es ganz gut, jemanden zu haben, der sich mit dem deutschen Recht und der deutschen Bürokratie auskennt. Der deutschen Wirtschaft werden so aber Steine in den Weg gelegt“, findet Wurth. Dabei ginge es um „Millioneninvestitionen“. Schließlich verlange das BfArM Plantagen in geschlossenen Hallen, die gewissen Sicherheitsmaßstäben entsprechen müssen.

Das zuständige Bundesinstitut BfArM betont auf Anfrage dieser Zeitung das Ziel, die Versorgung schwerkranker Patienten „mit in Deutschland angebautem Cannabis in pharmazeutischer Qualität sicherzustellen“. Aus „vergaberechtlichen Gründen“ machte es allerdings keine weitergehenden Angaben.

Cannabis kann bei 50 Krankheiten eingesetzt werden

Dass die 6,6 Tonnen Cannabis ausreichen werden, glaubt der Vorsitzende des Hanfverbands nicht. „Dramatisch verschätzt“ hätte man sich bei der Ausschreibung. Die ausgeschriebene Menge sei zu gering. „Es ist irre, bei wie vielen Krankheiten mit Cannabis geholfen werden kann“, so Wurth.

Schon vor der Gesetzesänderung hätte es für über 50 Krankheiten Ausnahmegenehmigungen gegeben. Und auch bei Depressionen oder Regelschmerzen würde Cannabis helfen. „Die Bandbreite ist wirklich enorm“, betont er. Daher ist er sicher, dass Cannabis „eine große Sache für Patienten und Wirtschaft“ wird. „Ich denke, dass die nochmal ausschreiben werden“, vermutet Wurth.

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